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© PSYCHOTHERAPIE 05.01.1998Angst, Panik, Phobie und Zwang: Kognitive Psychotherapie kann diese ganz persönlichen Dramen heute rasch beenden"In wenigen Stunden aus der Welt"
VON
DIETMAR G. LUCHMANN | |||||||||||||||||||
Psychoanalyse führte fast zum SuizidEin typischer Brief eines Klienten nach nach nur 15 Stunden kognitiver Verhaltenstherapie am ABARIS Institut für Psychotherapie, Stuttgart, illustriert die krassen psychotherapeutischen Unterschiede: |
Entsprechend dem individuellen Problemgefüge jedes Betroffenen werden verschiedene hocheffiziente verhaltenstherapeutische und kognitive Techniken kombiniert. Neben Techniken zur Angst- und Panikbehandlung sowie der massierten Reizkonfrontation werden beispielsweise kognitiv-behaviorale, rational-emotive oder hypnotherapeutische Verfahren zur Behandlung von Depressionen oder Abhängigkeitsproblemen angewandt. Da die Erkrankung oft in einem konkreten Beziehungsfeld verfestigt ist, können zudem Techniken der kognitiven Paar- und Familientherapie eingesetzt werden. Ebenso kann es bei einer sozialen Phobie erforderlich sein, separat Problemlösefähigkeiten und Sozialkompetenz zu trainieren. Das kann individuell oder in speziellen Therapiegruppen erfolgen. Moderne audio-visuelle Techniken (Video-Feedback u.a.) können diesen Prozess unterstützen.
Mitunter wird die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, in eine psychiatrische, psychosomatische, psychotherapeutische Klinik zu gehen. Oft entsteht diese Frage aus der vom gegenwärtig existierenden Gesundheitssystem geförderten Erwartung, in einer Klinik die intensivere Behandlung zu erfahren. Das mag für chirurgische Eingriffe zutreffen. Bei psychischen und Verhaltensproblemen, deren wirksame Behandlung die Verbindung der aktiven Veränderung gedanklicher Verhaltensschemata mit dem praktischen Training in den realen Problemsituationen des Klienten unbedingt erfordert, ist regelmäßig eine Klinikbehandlung ohne Vorteil gegenüber einer spezialisierten ambulanten Behandlung. Im Gegenteil: Regelmäßig verursacht eine Klinikbehandlung unnötig ein Vielfaches an Kosten und verfestigt nicht selten die Störungen (vgl. z.B. den Bericht "Der nackte Kaiser").
In bezug auf die wirtschaftlichen Vorteile einer im konkreten Lebensraum der Patienten ausgeführten massierten Reizkonfrontation gegenüber einer teureren Klinikbehandlung führen Grawe u.a. (S. 343) aus: "Während Agoraphobien ... noch vor dreißig Jahren zu den sehr schwer behandelbaren Störungen zählten und Patienten mit diesen Störungen in grosser Zahl die psychiatrischen Kliniken bevölkerten, hat sich das Bild heute drastisch gewandelt. Patienten mit solchen Störungen haben heute eine eher günstige Prognose, und dies ist fast gänzlich den Reizkonfrontationstherapien zu verdanken."
Ambulante kognitive Psychotherapie (Verhaltenstherapie) ist unschlagbar günstigStellvertretend für viele verdeutlicht dies ein Klienten-Brief nach Abschluss der ambulanten kognitiven Verhaltenstherapie am ABARIS Institut für Psychotherapie: |
Leider ist die Nutzung wirksamer Psychotherapie durch viele hemmende gesellschaftliche, institutionelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bzw. Interessen auch heute noch eher die Ausnahme. Grawe u.a. lassen keinen Zweifel: "Der die Gemeinschaft am teuersten zu stehen kommende Umgang mit psychischen Störungen ist der gegenwärtige. Die Nicht-Nutzung der besten bestehenden Behandlungsmöglichkeiten führt zu den größten Kosten, nicht deren Nutzung" (S. 681).
Zwei sehr unterschiedliche Therapiebeispiele, wie mit typischen Angst- und Panikstörungen im gegenwärtigen Gesundheitssystem umgegangen wird, mögen dies illustrieren.
Psychiatrische oder akademische Karriere?Ein 24jähriger Student hatte seit 1988 in wechselndem Maße klare phobische Symptome, die als solche nicht erkannt und behandelt, sondern mit Diagnosen wie "Psychose im Rahmen einer wahnhaften Störung" oder "Hypochondrische Störung" belegt wurden. In der Folge verbrachte der Klient in zwei psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken insgesamt fünf Monate seines Lebens und hatte in einer psychoanalytisch orientierten Nervenarztpraxis psychotherapeutische Gespräche, die seinen Zustand verschlimmerten, wurde unnötigerweise mit Medikamenten behandelt und verursachte durch seine exzessiven Bemühungen um diagnostische Klärung seiner Beschwerden immense Kosten. Diese Zeit schilderte er folgendermaßen: "Das Leben lief an mir vorbei, nur noch meine panischen Ängste standen im Vordergrund. Die Lust auf Freizeitgestaltung wie sonst üblich, Interesse am Studium und dem Alltag ging verloren. Irgendwann war ich nicht mehr in der Lage, die alltäglichen Dinge des Lebens zu bewältigen." |
Und die seltene positive Ausnahme:
Grosse Ausnahme: Kundiger NervenarztEine 35jährige Sekretärin gelangte nach einer langjährigen schleichenden phobischen Entwicklung, die im November 1993 erstmals in Panikanfälle mündete, durch einen aufmerksamen Arzt bereits wenige Wochen später in die verhaltenstherapeutische Behandlung des ABARIS Institutes. |
Neben dem Kostenaspekt spricht jedoch auch der entscheidende therapeutische Vorteil des konkreten Lebens- und Problemraumes des Patienten für eine konsequente ambulante Psychotherapie. Luchmann (1994a) weist eindringlich auf die aus dem Vorhandensein der Kliniken resultierenden falschen Erwartungen hin: "Die weltweit beispiellos hohe Zahl von stationären Psychotherapieplätzen in Deutschland kostet extreme Summen und ist keinesfalls wirtschaftlich. Wenn Patienten sich nach mehrwöchigen und mehrmonatigen Aufenthalten in psychosomatischen / psychotherapeutischen Kliniken dem ambulanten Behandler in ihrem realen Lebensumfeld sehr rasch wieder mit all ihren Symptomen präsentieren, so sind die Klinikkosten eher einem lebensfernen 'Glashauseffekt' denn einer wirksamen Behandlung zugeflossen." (S. 238)
Auch gegenüber den bei anderen Erkrankungen durchaus nützlichen Selbsthilfegruppen ist bei Angst- und Panikstörungen äußerste Zurückhaltung angebracht. Auf den zweiten Blick zeigt sich regelmäßig, dass eine Selbsthilfegruppe eher zur Chronifizierung der Erkrankung beiträgt: Das "Schmoren im eigenen Saft" kultiviert häufig die Probleme und der wechselseitige Zuspruch innerhalb der Gruppe (wenn er denn tatsächlich vorhanden ist) deckt die Veränderungsbereitschaft eher zu. Eine effiziente Behandlung unter der Leitung eines erfahrenen Psychotherapeuten ist stets der bessere und raschere Weg zum Erfolg.
Die Versuchung, ein Problem durch ein Medikament zu lösen, ist relativ groß, denn im Verständnis vieler Betroffener (und deren Behandler) erscheint dies als der einfachste Weg. Tatsächlich haben Medikamente viele Krankheiten heilbar oder zumindest erträglich gemacht. Aber nicht immer ist eine Medikation wirklich eine sinnvolle oder dauerhafte Lösung. Bei psychotherapeutisch behandelbaren Störungen wie Angst- und Panikreaktionen sind Medikamente in aller Regel kontraindiziert und behindern den Erfolg.
Bei Angst- und Panikstörungen empfiehlt sich nach dem heutigen Stand der Forschung statt einer Medikation klar eine psychologische Therapie. Dr. Heribert Unland und Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie fassen die internationalen Erfahrungen zusammen und stellen fest: "Die klinischen Besserungsraten liegen am höchsten für kognitive Therapieverfahren, sowie am niedrigsten für Beta-Blocker, niedrigpotente Benzodiazepine und die Programmierte Praxis. Die Rückfallraten sind mit Ausnahme der trizyklischen Antidepressiva bei allen pharmakologischen Strategien sehr hoch, bei psychologischen Strategien sehr niedrig" (Unland & Wittchen, 1994, S. 21). "Insgesamt", so schreiben die Forscher weiter, "kann es so nicht überraschen, daß im Effektivitätsindex die Überlegenheit der kognitiv-behavioralen Verfahren und der Exposure-Verfahren deutlich ausfällt".
Auch die Drop-out-Rate (Abbruch-Rate) ist bei pharmakologischen Strategien sehr hoch und "bei den nebenwirkungsintensiveren trizyklischen Antidepressiva und MAO-Hemmern am höchsten. Dieser Effekt zeigt sich im übrigen auch dann noch, wenn in der jeweiligen Studie versucht wurde, mit kognitiven Methoden die Problematik der unangenehmen Nebenwirkungen zu reduzieren" (Unland & Wittchen, 1994, S. 21). Noch klarer weist Prof. Dr. med. Isaac Marks vom angesehenen Londoner Institute of Psychiatry und Bethlem-Maudsley Hospital auf die vielfältigen Nachteile einer Medikation hin.
Durch die Eigenschaft des Gehirns, Wissen und Erfahrungen zustandsabhängig zu lernen bzw. zu speichern, wird der erstrebte langfristige Kompetenz-Erwerb der Patienten blockiert: "Das heißt, daß Patienten das, was sie unter einer Medikation gelernt haben, nicht in den medikamentenfreien Zustand übertragen können, nachdem die Therapie beendet ist" (Marks, 1994, S. 21). Des weiteren wird der Erwerb von Selbstkontrolle behindert. "Patienten, die ihre Fortschritte [...] auf ihre Medikation zurückführten, hatten hauptsächlich Rückfälle" (ebd.).
Das primäre Ziel der Behandlung ist es, die aufrechterhaltenden Bedingungen der Störung zu verändern, d.h. den Teufelskreis von Vermeidungsverhalten und Aufrechterhaltung der Angst zu durchbrechen. In dem aus vier Abschnitten bestehenden Behandlungsablauf wird schrittweise die Bewältigung der angstauslösenden Situationen vorbereitet und durchgeführt.
Nach einer gründlichen diagnostischen und therapeutischen Vorbereitung, in der gemeinsam mit den Betroffenen alle erforderlichen Informationen zusammengetragen werden und der organisatorische Therapieablauf geplant wird [Abschnitt 1], wird ein umfassendes Krankheitsmodell, Verständnis der Ursachen und individuellen Zusammenhänge sowie der Therapieprinzipien vermittelt [Abschnitt 2]. Die gründliche und intensive gedankliche (kognitive) Vorbereitung und mentale Umstrukturierung der angstbesetzten Problembereiche ist eine unverzichtbare Voraussetzung für den Therapieerfolg. Eine stabile und vertrauensvolle Therapeut-Klient-Beziehung, die zu diesem Zeitpunkt aufgebaut ist, stellt die Grundlage für die selbständige Entscheidung des Klienten dar, die gemeinsam mit dem Therapeuten in der Phase der kognitiven Vorbereitung erarbeiteten Erkenntnisse praktisch umzusetzen.
Je nach Spezifik und Schweregrad ihrer Erkrankung lernen die Betroffenen dann mit oder ohne Begleitung durch den Therapeuten im Expositionstraining sich direkt ihren angstauslösenden Situationen auszusetzen [Abschnitt 3]. Dies erfolgt realitätsnah in der für die Klienten individuell relevanten "natürlichen" Umgebung, z.B. auf der Autobahn, beim Einkaufen, im Restaurant, auf Türmen oder im Flugzeug. Hierbei machen sie die Erfahrung, dass sie innerhalb weniger Tage oder Stunden ohne Flucht oder Vermeidung ihre Angst überwinden und an den bislang gefürchteten Dingen sogar Spaß gewinnen können.
In einer sorgfältigen therapeutischen Nachbereitung werden die sehr intensiven Lernerfahrungen ausgewertet und der Therapieerfolg mit einer effizienten Rückfallprophylaxe dauerhaft gefestigt [Abschnitt 4]. Hierbei führen die Klienten ihr Training noch selbständig weiter und vertiefen es. Selbst in schweren Fällen oder bei Klienten, die wenig Zeit haben, genügen nach den vorbereitenden Sitzungen für die Exposition im Block zwei oder drei Tage.
Die meisten Klienten können sich anfangs kaum vorstellen, wie ein derart kurzes Intensiv-Programm wirksam ist. Trotz der scheinbaren Einfachheit des Grundprinzips, sich den angstbesetzten Situationen und Wahrnehmungen auszusetzen, erfordert eine erfolgreiche Behandlung ein beträchtliches Maß an fachlicher Kompetenz und Erfahrung. Ein nicht fachgerechter Behandlungsversuch (z.B. Selbstversuch) kann zur Verstärkung der Angst- und Panikstörung führen! Auch ein Abbrechen der Reizkonfrontation durch den Patienten kann die Angst- und Panikstörung verstärken, weshalb eine solche Behandlung unbedingt in die Hände eines Psychotherapeuten gehört und nicht von Familienangehörigen oder Selbsthilfegruppen geleistet werden kann. Veränderung und Erfolg werden bei Angst- und Panikstörungen vor allem durch die therapeutisch geführte, überwältigende neue Lern-Erfahrung bewirkt.
Ein Beispiel zeigt das Vorgehen bei der Block-Therapie eines Agoraphobikers mit drei Tagen Übung (Reizkonfrontation).
Am Scheideweg: Frührentner oder erfolgreicher Unternehmer?Ein 36jähriger Unternehmer litt seit seiner Jugend an einer zunehmenden Agoraphobie und Herzangst, die ihn zuletzt sogar daran hinderte, zum Bäcker um die Ecke zu gehen. Die massivsten Ängste bestanden vor Höhen, Tunnels und vor dem Fliegen (obwohl noch nie geflogen). Nach einer gründlichen Diagnostik, kognitiven Vorbereitung, mentalen Umstrukturierung und Therapieplanung wurde für die Reizkonfrontation ein Drei-Tages-Programm zusammengestellt, das alle wesentlichen Übungssituationen des Klienten beinhaltete: Fahrt zum Fughafen mit separatem PKW, gemeinsames Einchecken mit dem Therapeuten und Flug nach New York, Hotel-Check-In und Übernachtung in New Yorks höchstgelegenem Einzelzimmer, Besteigen der Freiheitsstatue und Essen mit und ohne Therapeuten, Fahrten mit U-Bahn, Bus und Seilbahn, Besuch der Börse an der Wall Street, des World Trade Center mit senkrechtem Blick 420 m tief in die Straßenschluchten, Helikopter-Rundflug über Manhattan zunächst mit und dann ohne Therapeuten, Mietwagentagesrundfahrt nach Philadelphia und Bummel an der Atlantikküste, alleinigem Einkaufen u.s.w. |
Natürlich kann auf diese Weise und mit vielen anderen Zielorten ebenso eine Klienten-Gruppe ihre Ängste rasch, dauerhaft und in Anbetracht der Kosten eines unzweckmäßigen mehrmonatigen Klinikaufenthaltes oder vielstündiger Gespräche zum Discountpreis löschen. Aber es muss ja nicht immer New York sein.
PSYCHOTHERAPIE Lese-Tipp

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Angst im Flugzeug oder im U-Boot? Alles kein Problem
für die Stuttgarter Angstambulanz.
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Fast alle ABARIS-Klienten werden durch die intensive kognitive Vorbereitung befähigt, ihre Probleme mit geringem Aufwand selbst zu lösen.
Verwunderung über Verhaltenstherapie-Erfolg ist die RegelSo schrieb zum Beispiel ein Klient nach einer nur 9 Stunden umfassenden Therapie am ABARIS Institut Stuttgart: |
Ob diese Ärzte "nach einer fast 20jährigen Behandlung", die wohl eher als "Misshandlung" imponiert, durch das unnötige Leiden des Patienten wenigstens ihren Porsche oder ihr Bauherrenmodell abzuzahlen vermochten? Wir werden es nicht erfahren. Tatsache ist, dass bei Angst- und Panikstörungen heute niemand mehr als durchschnittlich 15 Stunden Psychotherapie benötigt, wenn er qualifiziert mit kognitiver Verhaltenstherapie behandelt wird.
Côté, G.; Barlow, D. H. (1993). Effective psychological treatment of panic disorder. In T. R. Giles (Hrsg.), Handbook of effective psychotherapy. New York: Plenum Press, 151-169.
Grawe, K.; Donati, R.; Bernauer, F. (1994). Psychotherapie im Wandel - von der Konfession zur Profession. Göttingen: Hogrefe.
Luchmann, D. G. (1994a). Heilkunst ohne Gebetbuch: Empirische Psychologische Therapie. Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 26, 231-241.
Marks, I. (1994). Behavior therapy as an aid to self-care. Current Directions in Psychological Science, 3, 19-22.
Schulte, D. (1992). Reizkonfrontation: Standardtherapie nur für Standardpatienten? Verhaltenstherapie, 2, 335-338.
Unland, H.; Wittchen, H.-U. (1994). Psychotherapie bei Panikstörungen und Agoraphobie: Sind kognitiv-behaviorale Verfahren wirklich überlegen? Report Psychologie, 19.2, 18-31.
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