© PSYCHOTHERAPIE 07.01.1998Systemische Betrachtung des BeziehungsgefügesKommunikationstraining für die Kleingruppe Gruppentherapie, Familientherapie, Ehe- und Paartherapie
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DIETMAR G. LUCHMANN Viele psychologisch zu behandelnde Probleme oder Störungen sind in ein ganz konkretes soziales Beziehungsfeld eingebunden oder werden hierdurch wesentlich beeinflusst. In diesen Fällen ist es oft hilfreich, diesen konkreten Beziehungsrahmen einzubeziehen wie dies vorzugsweise in der Familien- und Paar-Therapie erfolgt. Gruppentherapie ermöglicht neben einer deutlichen Kostenersparnis in der Regel auch einzigartige soziale Lernerfahrungen. Die Einbeziehung des jeweiligen familiären Umfeldes bzw. des Partners hat für die Effizienz und Dauer der psychotherapeutischen Behandlung entscheidende Vorteile. Prof. Dr. med. I.R.H. Falloon, Direktor des Buckingham Mental Health Service, England, verweist darauf, dass "der Einsatz verhaltenstherapeutischer Familien-Interventionsstrategien als Ergänzung zu einem hauptsächlich individuell gestützten Management bei der Behandlung schwerer Angststörungen empfohlen wird". Besonders bei Agoraphobien und Zwangsstörungen kann eine Paar- bzw. Familientherapie indiziert sein. "Die Familien-Intervention", so Falloon, "richtet sich auf die Unterstützung des betroffenen Patienten bei der Umsetzung der Angst-Management-Strategien, die Haushaltsmitglieder im Alltag geben können" (Falloon 1991, S. 88).
Bei sozialen Phobien und verschiedenen neurologischen und chronischen Erkrankungen können oftmals Gruppentherapien eine wichtige Ergänzung zur Einzelbehandlung sein, die den Erwerb neuer Erfahrungen und Fertigkeiten, insbesondere in der Interaktion mit anderen, fördert. Des weiteren vermag eine Therapiegruppe den bei einer Einzelbehandlung erforderlichen Aufwand zu verringern und damit insgesamt zum Teil erhebliche Therapiekosten zu sparen. Dies gilt in ganz besonderem Maße für Reizkonfrontationen bei Phobien.
So bietet beispielsweise das ABARIS Institut für Psychotherapie in Stuttgart mit spezifischen Therapiegruppen (z.B. für Agoraphobien) durch die erprobte Verbindung von individueller mit Gruppentherapie bei Expositionen durch Reisen, Flüge u.ä. eine kostengünstige und gleichermaßen hochwirksame Behandlung an.
Prof. Dr. Klaus Grawe und seine Mitarbeiter von der Universität Bern bestätigen in ihrer Studie die Gleichwertigkeit der Gruppentherapie: "Das gruppentherapeutische Setting ist nicht nur für die Behandlung zwischenmenschlicher Probleme geeignet. In einer sehr großen Anzahl der von uns analysierten Therapiestudien wurden die Therapien in Gruppen durchgeführt, auch wenn es überhaupt nicht um die Behandlung zwischenmenschlicher Probleme ging. Die Therapieeffekte waren in der Regel mindestens gleich gut wie bei der Behandlung im Einzelsetting [...] Auf jeden Fall ist das gruppentherapeutische Setting unter dem Gesichtspunkt der therapeutischen Potenz dem einzeltherapeutischen Setting zumindest gleichzustellen" (Grawe u.a. 1994, S.706).
Auch die Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) belegen den Vorteil kognitiv-behavioraler Gruppentherapie. "Die Anwendung der kognitiven Verhaltenstherapie im Gruppensetting hat, verglichen mit einer individuellen Behandlung, insgesamt zu ähnlichen Ergebnissen geführt. Die Behandlungszeit für einen durchschnittlichen Patienten mit einer unkomplizierten Störung ist deutlich kürzer als bei vielen anderen psychotherapeutischen Ansätzen" (Perris / WHO 1993, S.183f.). Prof. Dr. W.E. Piper vom Department of Psychiatry der University of Alberta Hospitals, Edmonton, verweist mit Blick auf Medikamente sogar darauf, dass in Fällen bestimmter Erkrankungen "bei der Untersuchung einer Medikation als alternativer Behandlung die gruppentherapeutische Behandlung dazu neigte, eine ähnliche Effizienz [...] oder eine höhere Effizienz [...] aufzuweisen" (Piper 1993, S. 678). Falloon, I.R.H. (1991). Behavioral family therapy. In A.S. Gurman; D.P. Kniskern (Hrsg.), Handbook of family therapy. Band 2. New York: Brunner/Mazel, 65-95.
Grawe, K.; Donati, R.; Bernauer, F. (1994). Psychotherapie im Wandel - von der Konfession zur Profession. Göttingen: Hogrefe.
Luchmann, D. G. (1994a). Heilkunst ohne Gebetbuch: Empirische Psychologische Therapie. Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 26, 231-241.
Perris, C.; Herlofson, J. (1993). Cognitive therapy. In N. Sartorius; G. de Girolamo; G. Andrews; G. A. German; L. Eisenberg (Hrsg.), Treatment of mental disorders: a review of effectiveness. Washington: WHO / American Psychiatric Press, 149-197.
Piper, W.E. (1993). Group psychotherapy research. In H.I. Kaplan; B.J. Sadock (Hrsg.), Comprehensive group psychotherapy. 3. Auflage. Baltimore: Williams & Wilkins, 673-682.
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