© PSYCHOTHERAPIE 21.01.2000Angst- und Panikstörungen als unerkannte VolkskrankheitGeneralisierte Angststörungen Kognitive Verhaltenstherapie hilft, die Realitätswahrnehmung zu verbessernBis zu fünf Prozent der Menschen in Deutschland leiden an "generalisierter Angststörung", einer psychischen Krankheit, die sich dadurch bemerkbar macht, dass die betroffene Person ständig das Schlimmste befürchtet: das eigene Kind könnte vom Klettergerüst fallen, das Flugzeug, mit dem man in Urlaub fliegen will, könnte abstürzen und ins Haus könnte eingebrochen werden. Da eine Person, die an einer generalisierten Angststörung leidet, oft auch im Bett noch darüber nachgrübelt, was alles passieren könnte, stellen sich neben der von der Angst erzeugten Anspannung auch oft Probleme wie Schlaflosigkeit ein. Möglicherweise, so meinte "Bild der Wissenschaft" am 20.01.2000, muss die generalisierte Angststörung als eine "unerkannte Volkskrankheit" gelten.
Die Patienten klagen gegenüber dem Arzt häufig nur über die sekundären Symptome wie Stress, Schlafschwierigkeiten, Verspannungsprobleme. Ihre Sorgen um die Gesundheit des Kindes, die Unversehrtheit des Hauses, die Gefahren auf dem Kinderspielplatz hingegen erleben sie als real begründet, so dass sie davon dem Arzt kaum berichten und dieser die Diagnose "generalisierte Angststörung" oft nicht stellen kann.
Dadurch ergeben sich nicht selten lange "Patientenkarrieren": Die Patienten nehmen ihre sekundären körperlichen Beschwerden als tatsächlich wahr, während die die ärztlichen Untersuchungen keine körperliche Erkrankung ergeben. Das ursächliche Problem, die Angststörung, wird vom behandelnden Arzt häufig nicht erkannt. Unbefriedigt - wenn nicht vorübergehend mit Medikamenten unzulänglich "abgespeist" - suchen die Patienten weiter nach einer körperlichen Ursache - ein Teufelskreis, in dem die Angsterkrankung sich verfestigt.
Dabei weist die moderne Psychotherapie bei den Angsterkrankungen heute die besten Ergebnisse auf. Die kognitive Verhaltenstherapie behandelt nicht die sekundären Symptome, sondern verändert den Aufmerksamkeits- und Denkstil der Patienten. Die Patienten lernen in der Therapie, dass es nicht die Gefahren der Umwelt sind, die zu dieser ständigen Belastung führen, sondern die ausschließliche Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahrenquellen.
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"Mit durchschnittlich nur 14,5 Stunden bei Angst- und Panikstörungen erzielten wir Erfolgsraten von über 90 Prozent", sagt der Diplom-Psychologe Dietmar G. Luchmann unter Hinweis auf eine von 1993 bis 1995 erhobene Therapiestatistik an der Angstambulanz des ABARIS Institutes für Psychotherapie Stuttgart. "Die Zahl der von Angst- und Panikstörungen betroffenen Menschen nimmt stetig zu. Die wachsenden Anforderungen unserer modernen Zeit bringen immer mehr Menschen an ihre Belastungsgrenze und lassen sie mit Angst reagieren. Im Gegensatz zu vielen Befürchtungen vor langen Therapien kann mit geeigneten Methoden heute jedoch sehr schnell und erfolgreich geholfen werden", betont der Psychotherapeut.
Die Kosten von Angst- und Panikstörungen, an denen rund 10 bis 30 Prozent aller Bundesbürger leiden, könnten deutlich reduziert werden, wenn die Ärzte für diese Erkrankungen mehr sensibilisiert werden, rascher zum Psychotherapeuten überweisen und weniger medikamentös sedierend behandeln würden.
Auch ist oft noch nicht bekannt, dass bei Angst- und Panikerkrankungen die kognitive Verhaltenstherapie die beste Therapieform ist. Entgegen vielfachen überlebten Vorstellungen ist eine Psychoanalyse nicht wirksam, betonen Prof. G. Côté und Prof. David H. Barlow vom Zentrum für Stress- und Angsterkrankungen der State University of New York: "Die psychoanalytische Therapie hat sich bei Panikstörungen nicht als wirksam erwiesen". So gelangen Patienten mit Angst- und Panikstörungen oft erst Jahre nach dem Beginn der Erkrankung zu einem geeigneten kognitiven Therapeuten.
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