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 Psychotherapie News  Februar 2000   Psychotherapie
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Moderner Konkurrenzkampf: Immer mehr Psychoterror am Arbeitsplatz

Erfurt (12.01.2000) - Mit 50 Jahren kapitulierte der Dozent an einer Südthüringer Fachhochschule endgültig vor dem Psychoterror seiner Vorgesetzten und Kollegen. Jahrelanges Mobbing hatte ihn derart zermürbt, dass er seelisch und körperlich am Ende war. Erst spät suchte er ärztliche Hilfe. Heute ist der Hochschullehrer erwerbsunfähig, in Rente und aus Thüringen weggezogen. Nicht einmal wohnen bleiben mochte er hier noch.

Mobbing, also die gezielte Schikanierung von Arbeitnehmern durch Vorgesetzte oder Kollegen, sei auch in Thüringen in den vergangenen zehn Jahren zu einem "stark zunehmenden Problem" geworden, sagt die stellvertretende Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Renate Licht. Verantwortlich dafür sei Verdrängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt - Folge anhaltend hoher Arbeitslosigkeit.

Allein in der Erfurter DGB-Rechtsberatungsstelle machte Mobbing im vergangenen Jahr zehn Prozent aller Beratungsfälle aus, so deren Leiter Volker Busch. Die Dunkelziffer liege weit höher. "Was zu uns kommt, ist nur die Spitze des Eisbergs."

Nach Erfahrungen von Gewerkschaftern und Psychologen wird in Thüringen vor allem in Verwaltungen, Versicherungen, Verlagen und Krankenhäusern gemobbt. Diese Jobs seien gut bezahlt, der Konkurrenzkampf um sie werde mit allen Mitteln ausgetragen.

Mobbing-Methoden seien äußerst vielfältig und schwer nachweisbar, erklärt die Erfurter Psychologin Sylvia Wunderlich. Geradezu "klassisch" sei es, das Opfer vom internen Informationsfluss abzuschneiden: "Da kommen Anweisungen absichtlich nicht an, anschließend wird die vermeintliche Fehlleistung kritisiert."

In besonders perfiden Fällen würden Arbeitsergebnisse vernichtet, etwa Computerdateien gelöscht. Üblich sei auch fachliche Unterforderung. Darunter litten Mobbing-Opfer besonders, denn sie seien in vielen Fällen überdurchschnittlich leistungsfähig und -willig. Oft kämen Angriffe auf ihr Privatleben hinzu: Lästern, abwertende Blicke und Gesten, Andeutungen, Gerüchte.

Mobbing funktioniert nach Ansicht der Psychologin zumeist von oben nach unten, also vom Chef zum Untergebenen. Die mittlere Leitungsebene bediene sich häufiger des Psychoterrors und beziehe oft einen Teil der Kollegen mit ein. Dass Arbeitnehmer gemeinsam ihren Chef mobben, komme seltener vor.

Die Folgen von monatelangem Mobbing: Die Betroffenen ziehen sich zurück, isolieren sich dadurch noch mehr und werden schließlich ernstlich krank. Zunächst körperlich oder psychosomatisch. Magengeschwüre oder Kopfschmerzen sind Wunderlich zufolge typische Mobbing-Symptome. Dazu kämen Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken und Suizidversuchen.

Mitunter ziehen die Opfer von sich aus die Konsequenzen und kündigen. Mobbing gehöre zu jenen triftigen Gründen für eine Eigenkündigung, bei denen es nicht zu einer zeitweiligen Sperre des Arbeitslosengeldes kommt, sagt die Pressesprecherin des Landesarbeitsamtes Sachsen-Anhalt/Thüringen, Bianka Kleschtschow.

Für die deutsche Wirtschaft ist Mobbing längst zu einem Kostenfaktor geworden. Produktionsausfälle und die medizinische Behandlung von Mobbing-Opfern kosten nach Hochrechnungen von Experten jährlich 25 Milliarden Mark.


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