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 Psychotherapie News  Februar 2000   Psychotherapie
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Zähne knirschen im Schlaf nimmt zu: Ursache Stress - Psychotherapeuten empfehlen Anti-Stress-Therapie

London/Düsseldorf (12.02.2000) - Immer mehr junge, berufstätige Menschen knirschen nach Angaben britischer Ärzte im Schlaf mit den Zähnen. Die Folgen seien oft Kopf- und Zahnschmerzen, ein schmerzender Unterkiefer oder Töne im Ohr. Das Knirschen sei auch schlecht für Plomben und für das Aussehen der Zähne. "Es nimmt ganz sicher zu, und einer der Gründe dafür ist der zunehmende Stress im Beruf und im Leben überhaupt", sagte der Geschäftsführer der Britischen Stiftung für Zahngesundheit, Nigel Carter, am 27.01.2000 in der Zeitung "The Guardian" (London).

Mehr und mehr junge Leute zwischen 20 und 40 Jahren hätten Zähne, die so abgewetzt seien, wie man dies eigentlich erst bei wesentlich Älteren erwarten würde. Die wenigsten wüssten aber, woher dies komme. Viele hätten auch die Angewohnheit, die Zähne tagsüber zusammenzubeißen, wenn sie sich konzentrierten und die Hände bewegten, etwa beim Tippen auf einer Computer-Tastatur. Im fortgeschrittenen Stadium mache das Zähne knirschen Krach "wie eine Kreissäge". Oft könnten dann nachts nur Gebiss-Schützer aus Plastik helfen.

Auch jeder dritte Deutsche leidet unter oft stressbedingtem Zähneknirschen im Schlaf. "Etwa 30 Prozent der Zahnarztbesuche sind auf Schäden des nächtlichen Knirschens zurückzuführen", erklärte Professor Matthias Franz, der das Phänomen mit einer Forschungsgruppe der Düsseldorfer Universität untersucht hat. Bei den Betroffenen entstünde durch das Reiben der Kiefer aufeinander Schäden an den Zähnen.

Die Gruppe stellte bei ihren Untersuchungen fest, dass viele Betroffene tagsüber gelassen auf Stress reagierten und die Belastung dann nachts durch das Knirschen nachträglich verarbeiteten. Diese Knirsch-Patienten seien mit konservativen zahnärztlichen Methoden nur schwer zu behandeln, so Franz.

Zur Zeit arbeitet die Wissenschaftlergruppe, die aus Zahnmedizinern und Psychologen besteht, an einem Folgeprojekt. Dabei sollen zwei Gruppen von jeweils 30 Zähneknirschern, Bruxisten genannt, an einer Stressbewältigungstherapie teilnehmen, der anderen Teil hingegen nicht. Nach Erwartung der Wissenschaftler müsste sich im Laufe des zweijährigen Versuchs bei den therapierten Patienten eine Besserung der nächtlichen Symptome einstellen. Daraus könnten dann praktische Schlüsse für die Behandlung der Knirscher gezogen werden.

Die zahnärztlichen Hilfsmittel setzen nicht an der Ursache des Problems an. Wirksamer und effizienter ist es, einen gesünderen Umgang mit Stress zu erlernen. Am besten hierzu geeignet hierzu ist eine Psychotherapie, z.B. kognitive Therapie. Im Spannungsfeld zwischen beruflicher Höchstleistung beim Konkurrenzkampf auf der einen Seite und dem Erhalt der körperlichen und psychischen Unversehrtheit auf der anderen Seite hilft kognitives Training, ruhig und locker zu werden und zu bleiben. So wie der Wettbewerb zwischen den Konzernen heute zu einem erheblichen Teil über psychologisches Know How geführt wird, so sinnvoll ist es auch für den einzelnen Menschen, sich psychologischen Wissens für das ganz persönliche Wohlbefinden und berufliche Überleben zu bedienen.

"Ein weitsichtiges Management großer Konzerne bietet seinen Mitarbeitern psychotherapeutische Beratung heute in geeigneter Form bereits an", so die Psychotherapeutin und Neurologin Carmen Heerdegen vom Stuttgarter ABARIS Institut für Psychotherapie, "denn die wahren Kosten für Reibungsverluste in der betrieblichen und zwischenmenschlichen Kommunikation sind dramatisch höher als nur abgewetzte Zähne".


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