Traumatisierung durch PsychoanalyseWas mir vor einigen Jahren in einer Therapie passiert ist, hätte mich beinahe meinen Verstand und fast meinen Sohn gekostet. Er war der einzige, der spürte, was mit mir geschieht, ohne eingreifen zu können. Rückblickend bin ich einem skrupellosen Verbrecher mit Dr.-Titel in Neurologie und Psychoanalyse und seiner Frau, die ihm in Skrupellosigkeit nicht nachsteht, zum Opfer gefallen. Es ist fast vier Jahre her und ich kann es immer noch nicht fassen, dass Menschen, ausgebildet in dieser Dienstleistung, wie es genannt wird, andere auf die perverseste Weise ausbeuten, ihr Wissen missbrauchen. Und die Hilflosigkeit entsteht vor allem, weil nichts zu beweisen ist. Keine Zeugen. Und wie leicht ist es, einen vorher psychisch belasteten Menschen zu stigmatisieren, als psychotisch oder sonst wie zu bezeichnen. Die Chancen sind gering, etwas dagegen zu tun, selbst, wenn man das Geld noch hätte, was einem aus der Tasche gezogen wurde. Es wäre wichtig, daß solche Menschen nicht mehr praktizieren dürfen. Aber weit gefehlt, die Manipulation solcher Typen ist perfekt und kommt einer Gehirnwäsche gleich. Was da mit mir gemacht wurde, hätte mich vielleicht sogar für einige Jahre daran glauben lassen, daß mir wirklich geholfen wurde, ehe der erneute Zusammenbruch gekommen wäre, der mich für immer und ewig in die geistige Umnachtung geschickt hätte. Weiterhin finde ich sehr bedenklich, daß dieses Geschäftsgebaren eher, wenn auch in abgewandelten Methoden, die Regel ist und nicht die Ausnahme. Ich habe zwischenzeitlich viele Kontakte gehabt, die mir das bestätigt haben. Diese so genannten Psychoanalytiker sind in einem unkontrollierbaren Vakuum, in dem sie nach belieben Patienten ausbeuten können. Als Patient hat man keine Möglichkeit. Eine Krähe hackt der anderen das Auge nicht aus. Nach dieser Therapie damals mußte ich in die Psychiatrie. Die Ärztin dort schien zu wissen, was mit mir passiert war, aber sie gab mir die Schuld. Mag sein, nur ich wurde drei Jahre in Regression gehalten, ich war machtlos wie ein kleines Kind. "Wie können sie nur so dumm sein", war ihre Reaktion. Wahrscheinlich ist niemanden aus dieser Fachwelt wirklich bewußt, wie man sich da fühlt und was da geschieht. Und sie sagte auch noch, sie hätten ja wahnsinnig werden können. Das alles hatte ich ja gespürt, was das alles bedeutet. Ich bin einfach entsetzt, auch heute noch. Ich habe verzweifelt danach Hilfe gesucht - das war aussichtslos. Ich wurde abgeschmettert von den so genannten Fachleuten oder ich erfuhr ihre Diagnosen, die so unterschiedlich waren, wie die Therapeuten, die ich aufsuchte. Für mich ist diese so genannte Fachwelt die personifizierte Ignoranz. Tut mir leid, aber andere Erfahrungen habe ich nicht. Inzwischen habe ich meine ersten 20 Lebensjahre so weit wie es ging erarbeitet, denn in dieser Therapie durfte ich darüber nicht sprechen. Und ich weiß, welche Kindheit ich hatte und mir ist bewußt, daß dieses Ehepaar sich Spaltungen und meine Situation zu Nutze gemacht hat, um mich bis zum Zusammenbruch auszubeuten. Kurios ist, daß dies niemand aus dieser Fachwelt glaubt, vielleicht bin ich als nächstes primär narzisstisch oder so. Vielleicht stimmt es auch, nur, warum wird ein Patient entmündigt um nicht zu merken und zu sehen, daß diese Störung ihre Ursache in der Lebensgeschichte hat. Eine Psychiaterin meinte sogar, ich sei Schuld, weil ich die Therapie durch Zusammenbruch vorzeitig abbrach. Ich brach ja zusammen, weil ich merkte wie ich verarscht wurde und es gar nicht fassen konnte. Dieser Psychiater sagte zu mir, aus Ihnen muß ich erstmal einen Menschen machen, sie sind unfähig sexuell zu begehren und zu lieben. Und dann saß er hinter mir und aktivierte die Mißbrauchserlebnisse und ich befand mich in einem Vakuum, welches ich nicht einordnen konnte. Vorher hat er mich allerdings so bearbeitet, daß ich nicht mal mehr die Geburtsdaten meiner ehemaligen Familie wußte. Er brachte es fertig, daß ich meine wenigen Kontakte abbrach und völlig abhängig war. Ich hatte gar nichts zu sagen, er sagte mir, wie ich zu denken, zu fühlen und ob ich Schmerzen hatte oder nicht. Für ihn war ich die Unfähigkeit in Person, ein männerkastrierendes Monster. Im Nu war ich so niedergemacht, daß ich völlig in Lethargie verfiel, lebend tod war und funktionierte wie er es wollte. Seine Frau, mit der ich ab und an zu tun hatte, gab mir auch immer zu verstehen, wie egoistisch ich bin. Heute weiß ich natürlich, wie das möglich war, aber zu spät. Vielleicht interessiert Sie das alles herzlich wenig. Aber ich finde es ungeheuerlich, was ich gesehen habe, was die Fachwelt tut, wie sie Menschen behandelt, anmaßend und ignorierend. Dies sah ich auch in der Psychiatrie, nein diese Menschen können anderen nicht helfen. Sie können oder besser wollen erziehen. Menschen, die im Leben nur traumatisiert, geschockt, gequält wurden, meist von Kindheit an, was bilden sich diese Ärzte ein! Bereits Oscar Wilde beschreibt die Entstehung von Wahnsinn. Er beobachtete dies, als er selbst im Gefängnis saß vor über 100 Jahren. Viele Fachärzte scheinen es heute noch nicht zu wissen. Maria Guttmann* 28.04.2001
Antwort des Herausgebers: Es gibt viele erschütternde und bedrückende Berichte von Menschen wie Ihnen, die fast immer die Erfahrung machen, als Opfer vor dem Hintergrund falsch verstandener Kollegialität bei Ärzten und Psychotherapeuten "abgeschmettert" zu werden, wie Sie schreiben. Lesen Sie den Bericht der Vera Stein (PSYCHOTHERAPIE, 09.03.2001) und Sie werden mit Erschrecken feststellen, dass selbst Menschen, die man völlig unbegründet über Jahrzehnte in die Psychiatrie gesteckt hat, Schwierigkeiten haben, ihre Täter haftbar zu machen. Es bedarf in Deutschland noch immenser Arbeit, in der Psychotherapie (und Psychiatrie) eine wirksame Kontrolle, eine ausreichende Transparenz und ein ethisch vertretbares Selbstverständnis zu schaffen. Die Ärzte und Psychotherapeuten der PSYCHOTHERAPIE-Redaktion sind unabhängig genug, um - bei striktem Schutz der Opferidentität - auch die übelsten Zustände offen zu legen. Die maßgeblichen Vertreter des psychotherapeutischen Berufsstandes, von denen man erwarten würde, dass sie Effizienz und Reputation ihres Faches voranbringen, interessiert offenbar viel mehr, wie sie Macht und Pfründe erhalten und vergrößern können. Vor diesem Hintergrund ist die öffentliche Aufklärung der wirkungsvollste Beitrag zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie. Je mehr Betroffene im Schutz unserer Zeitschrift ihre Erfahrungen öffentlich machen und je besser die wissenschaftliche Information über Erhalt und Wiederherstellung der psychischen Gesundheit für jedermann ist, umso rascher wird Psychotherapie eine wertvolle Dienstleistung werden, die Leid mindert - und nicht Leid erzeugt.
*Name aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
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