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 Psychotherapie News  März 2000   Psychotherapie
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Intime Rituale: Gar nicht so außergewöhnlich sind die Rezepte von Paaren, die glücklich miteinander alt werden

Stuttgart (27.03.2000) Von Annette Vorpahl - Ein kleiner Liebesbrief im Kühlschrank, das Kompliment fürs gelungene Essen, gemeinsam kuschelnd Tatort gucken, oder die entscheidende Frage am Abend: Wie war dein Tag?: Glückliche Paare zeichnen sich durch viele Stärken aus. Eine ist: Sie haben Rituale entwickelt. Rituale schaffen Intimität.

Glückliche Paare bestärken sich gegenseitig. Die positiven Zuwendungen überwiegen die kritischen Bemerkungen. Ein negatives Verhalten des einen Partners wird mit einer neutralen Reaktion des anderen vergolten. Glückliche Paare befolgen vor allem eine Strategie der Deeskalation. Auf einen Angriff wird nicht noch eins draufgesetzt, sondern beide versuchen, die grundsätzliche Einigkeit herzustellen.

Glückliche Paare streiten fair. Dabei geht es nicht ums Recht haben, sondern darum, die gegenseitigen Standpunkte zu beleuchten und sie zu vergleichen. Sie bemühen sich um Lösungen. Kommen sie zu keiner Einigung, reicht es, die Meinung des anderen zunächst als solche stehen zu lassen. Im Streit tritt jeder aus sich heraus, fragt, warum ihn dieses oder jenes eigentlich so aufregt.

Glückliche Paare gehen Arm in Arm und kuscheln miteinander: Lust und Freude an der gegenseitigen körperlichen Berührung ist etwas Grundlegendes, das trägt, auch wenn die Sexualität im Lauf der Jahre an Intensität verliert.

Glückliche Paare haben gemeinsame und getrennte Interessen. Sie pflegen ein Hobby zusammen wie gemeinsames Reisen oder engagieren sich sozial. Jeden Abend stumm vor dem Fernseher zu hocken oder an der Riviera vor sich hinzudämmern, ist ihnen zu öde. Glückliche Paare wirken lebendig, weil sie persönlichen Interessen nachgehen. Jeder behält eine Welt für sich: eigene Kontakte, Meinungen und Ziele.

Manchmal helfen auch Verträge

Glückliche Paare haben feste Absprachen und Regelungen. Manchmal schließen sie Verträge, damit sich Geben und Nehmen die Waage halten: wer saugt wann Staub, wer macht die Steuererklärung, womöglich Dauer, Länge und Intensität eines Kusses. Verhandeln heißt: die eigenen Interessen vertreten, aber sich auch in die Bedürfnisse des anderen hineinversetzen. Glückliche Paare verhandeln viel, um den gemeinsamen Stress zu bewältigen und schaffen sich dadurch wieder Platz für Romantik.

Glückliche Paare strahlen eine Haltung gegenseitiger Achtung und des Respekts aus. Sie denken: "So wie Du bist, bist Du mir recht." Das heißt nicht, daß sie alles akzeptieren. Schlechte Gewohnheiten können die tiefste Liebe abtöten: Wenn der eine dauernd zu spät kommt, sich immer wieder ungeschickt anstellt oder sich nicht wäscht, kann ihn der andere irgendwann nicht mehr riechen.

Glückliche Paare erinnern sich immer wieder an die Zeit ihrer Verliebtheit. Als es am Fotokopierer "Zoom" machte und man dachte: Die ist es. Durch Verliebtheit entsteht Bindung, die nicht so leicht wieder bricht. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit hilft glücklichen Paaren, Klippen zu umschiffen Durststrecken zu überstehen und viele Jahrzehnte miteinander zu leben. (bdw)


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© 1995-2000 Dietmar G. Luchmann, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut. Alle Rechte vorbehalten. 
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