PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753)
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Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
PSYCHOTHERAPIE
© PSYCHOTHERAPIE 01.09.2000

Sprechstunde mit Doktor Abaris®
Psychotherapeutensuche und Psychotherapeutenverzeichnisse (Teil 2)

Deutsche Universitätskliniken:
Psychotherapeutisch wird an ihnen "regelhaft schlechter behandelt"

"Ich habe den Eindruck, dass ich mir oft selbst im Weg stehe. Das könne man mit einer guten Psychotherapie ändern", schrieb Gerd und fragte: "Wie kann ich auf Anhieb herausfinden, welcher Psychotherapeut mir tatsächlich zu helfen vermag?" Die im Teil 1 dieses Beitrages begonnene Antwort wird fortgesetzt von

   
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Carmen Heerdegen
Fachärztin für Neurologie
Psychotherapie
Naturheilverfahren, Stuttgart:


Die "Ärzte-Zeitung" vom 04.02.2000, Seite 6, zitierte den Leiter der Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Ulm, einer Hochburg der Psychoanalyse: "Etwa zwei Drittel der psychotherapeutischen Behandlungen sind nach kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen. Das hat der Ulmer Psychotherapeut Professor Horst Kächele in München berichtet und damit einem weit verbreiteten Eindruck widersprochen, psychotherapeutische Behandlungen seien eine langwierige Angelegenheit. Es gebe nur wenige psychotherapeutische Behandlungen, die länger als 700 Stunden dauern, berichtete Kächele."

Sie haben richtig gelesen, lieber Gerd: Der Psychoanalytiker Horst Kächele betrachtet alle Psychotherapien als kurz, die weniger als 700 Stunden dauern - auch wenn sie unsinnigerweise über viele hundert Sitzungen gehen. Bei Therapiekosten von über 100.000,00 DM für 700 Stunden, wo im Durchschnitt einer effektiven Behandlung 25 Stunden zum Erfolg genügen, lässt die psychoanalytische Schule lediglich die bemerkenswerte Fähigkeit erkennen, die Realität auf den Kopf zu stellen und in unverantwortlichem Maße Kosten und verlängertes Leid zu produzieren.

Mit Blick auf diesen schier unglaublichen Zustand der deutschen Psychotherapie schrieb der Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Bern, Professor Klaus Grawe, in seinem Klassiker zur psychotherapeutischen Wirkungsforschung ("Psychotherapie im Wandel") bereits 1994: "Therapeuten, die für sich selbst feststellen müssen, dass die Mehrzahl ihrer Therapien länger als 40 Therapiesitzungen dauert, müssen über die Bücher. Sie sind Opfer einer falschen Ausbildung und/oder einer selbst produzierten Realitätsverzerrung" (Seite 698).

Freilich nannte Grawe, den die deutsche Bundesregierung als Gutachter beauftragt hatte, auch die Ursache für den "irrationale[n] Zustand" in der psychotherapeutischen Versorgung Deutschlands: "Ausgerechnet die Therapieform ..., die sich als auffällig ungeeignet für die Behandlung psychosomatischer Störungen erwiesen hat, die psychoanalytische Therapie, spielt in der psychosomatischen Versorgung und Ausbildung die dominierende Rolle. Jeder Lehrstuhl für Psychosomatik/ Psychotherapie ist in der BRD mit einem Psychoanalytiker besetzt. ... Für die Patienten, die innerhalb dieser Universitätsabteilungen behandelt werden, hat dieser Zustand handfeste negative Folgen. Sie rechnen aus gutem Grund damit, dort eine besonders qualifizierte Therapie zu erhalten, werden aber tatsächlich geradezu regelhaft schlechter behandelt, als es mit gleichem oder geringerem Aufwand möglich wäre" (S. 692f.).

Dem ist nichts hinzuzufügen. Es ist heute allgemein bekannt, dass keine Therapieform so überlegene und dauerhafte Therapie-Ergebnisse erzielt wie die kognitive Verhaltenstherapie. Die klassische Psychoanalyse nach Freud oder Jung taugt außer zur "Realitätsverzerrung", wie Grawe es nennt, nicht einmal als Antiquität. Echte Antiquitäten gewinnen an Wert; der Psychoanalyse hatte der Gesetzgeber in der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) bzw. für Psychologen (GOP) ab dem 01.01.1996 das vordem gleiche Honorar gegenüber der Verhaltenstherapie gemindert: Eine Behandlung von "mindestens 50 Minuten" durch Psychoanalyse ist nur 180,92 DM "wert" - so weit hat sich die Lobby der Psychoanalytiker noch einmal retten können. Die Behandlung mit der wirksamen Verhaltenstherapie wird hingegen mit 196,65 DM honoriert (jeweils Regelhöchstsatz).

Was ist nun das Ergebnis vieler Bemühungen, eine wissenschaftlich fundierte Differenzierung zwischen tauglichen und untauglichen psychotherapeutischen Verfahren vorzunehmen? Ein gigantischer Etikettenschwindel: "Die Kollegen müßten ihre Behandlungen eben 'umbenennen'. Die Verbände riefen sogar schriftlich zur 'Guerillatherapie' auf", berichtete die Wochenzeitung "DIE ZEIT" (Nr. 8, Seite 27) am 12.02.1998 über den skrupellosen Lobbyismus des "Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen" (BDP) für seine Anhänger obskurer "Therapien".

Kaum verwunderlich ist darum, was Professor Hans-Ulrich Wittchen, Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden, 1996 in einem Sammelband mit dem Titel "Perspektiven der Psychotherapie" (Psychologische Verlags Union, Seite 165) feststellte: "Trotz Tausender sich verhaltenstherapeutisch nennender niedergelassener Psychologen ist es fast unmöglich, Kollegen zu finden, die eine lege artis durchgeführte Angsttherapie mit kognitiven oder Exposuretechniken durchführen."

So hilft die Suche nach qualifizierten und effektiv arbeitenden Psychotherapeuten auch in den Psychotherapeutenverzeichnissen oder Psychotherapeutenlisten in der Regel nicht weiter. Dies gilt insbesondere auch für die Psychotherapeutenverzeichnisse von Berufsverbänden, die - wie im Falle des BDP - eher den wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder dienen und offenbar vor Verfälschung nicht zurückschrecken, wie der von der Wochenzeitung "DIE ZEIT" berichtete Aufruf zur rechtsbrüchigen "Umbenennung" von nicht zugelassenen psychotherapeutischen "Methoden" belegt. Methode hat vielfach nur die schamlose Ausbeutung von Hilfesuchenden.

Ihr Bestreben, lieber Gerd, "auf Anhieb" einen Psychotherapeuten zu finden, der Ihnen "tatsächlich zu helfen vermag", ist - wie Sie sehen - schwierig, aber dennoch nicht aussichtslos. Es gibt einen Weg, den ich Ihnen eingangs empfahl: Informieren Sie sich umfassend, verlangen Sie nach harten Fakten und einer klaren therapeutischen Wegweisung. Vertrauen Sie durchaus Ihrem eigenen Urteilsvermögen: Wenn Sie nach spätestens fünf Stunden nicht erkennen können, wie Sie Ihr Therapieziel erreichen, dann scheuen Sie sich nicht, die Psychotherapeutin oder den Psychotherapeuten zu wechseln. Die ersten fünf Sitzungen sind dazu bestimmt, diese Frage zu beantworten, weshalb sie auch als probatorische Sitzungen bezeichnet werden.

   
 PSYCHOTHERAPIE Buch-Tipp
Grawe, Klaus et al.: Psychotherapie im Wandel.Klaus Grawe, Ruth Donati & Friederike Bernauer: Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. Göttingen: Hogrefe-Verlag, 1994. XIV + 886 S.
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Eine aufwändige wissenschaftliche Analyse, welche Form der Psychotherapie zum Erfolg führt, und eine erschütternde Dokumentation der absurden Situation Deutschlands, in dem die untauglichsten Psychotherapie-Methoden dominieren.
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Noch wird die Psychoanalyse von den Krankenkassen erstattet. Es ist jedoch absehbar, dass in einem qualitätsgesicherten und effizienten Gesundheitssystem für die Psychoanalyse mit ihren langdauernden und untauglichen Behandlungen kein Platz mehr sein wird. So lange psychoanalytische Behandler auf ihrem Praxisschild die Bezeichnung "Psychoanalyse" noch nicht überklebt haben, kann auch dieses als Entscheidungshilfe dienen.

Weitere Informationen können Sie in einer von dem Herausgeber von PSYCHOTHERAPIE, Dietmar G. Luchmann, im Jahre 1994 verfassten Beurteilung der Ergebnisse der größten deutschen Wirkungsstudie zur Psychotherapie von Klaus Grawe u.a. finden. Zu dieser Rezension unter dem Titel "Heilkunst ohne Gebetbuch: Empirische Psychologische Therapie" gelangen Sie über den PSYCHOTHERAPIE Buch-Tipp ("Rezension lesen" anklicken).

Zum Teil 1 der Antwort auf die Frage, wie man den besten Psychotherapeuten findet.

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