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© PSYCHOTHERAPIE 01.09.2000
Sprechstunde mit Doktor Abaris®
Psychotherapeutensuche und Psychotherapeutenverzeichnisse (Teil 2)
Deutsche Universitätskliniken:
Psychotherapeutisch wird an ihnen "regelhaft schlechter behandelt"
"Ich habe den Eindruck, dass ich mir oft selbst im Weg
stehe. Das könne man mit einer guten Psychotherapie ändern", schrieb Gerd
und fragte: "Wie kann ich auf Anhieb herausfinden, welcher Psychotherapeut
mir tatsächlich zu helfen vermag?" Die im
Teil 1
dieses Beitrages begonnene Antwort wird fortgesetzt von
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| Wichtige rechtliche
Hinweise |
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Carmen Heerdegen
Fachärztin für Neurologie
Psychotherapie
Naturheilverfahren, Stuttgart:
Die "Ärzte-Zeitung" vom 04.02.2000, Seite 6, zitierte den Leiter der
Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität
Ulm, einer Hochburg der Psychoanalyse: "Etwa zwei Drittel
der psychotherapeutischen Behandlungen sind nach kurzer Zeit erfolgreich
abgeschlossen. Das hat der Ulmer Psychotherapeut Professor Horst Kächele in
München berichtet und damit einem weit verbreiteten Eindruck widersprochen,
psychotherapeutische Behandlungen seien eine langwierige Angelegenheit. Es
gebe nur wenige psychotherapeutische Behandlungen, die länger als 700
Stunden dauern, berichtete Kächele."
Sie haben richtig gelesen, lieber Gerd: Der Psychoanalytiker Horst Kächele
betrachtet alle Psychotherapien als kurz, die weniger als 700 Stunden dauern
- auch wenn sie unsinnigerweise über viele hundert Sitzungen gehen. Bei
Therapiekosten von über 100.000,00 DM für 700 Stunden, wo im Durchschnitt
einer effektiven Behandlung 25 Stunden zum Erfolg genügen, lässt die
psychoanalytische Schule lediglich die bemerkenswerte Fähigkeit erkennen,
die Realität auf den Kopf zu stellen und in unverantwortlichem Maße
Kosten und verlängertes Leid zu produzieren.
Mit Blick auf diesen schier unglaublichen Zustand der deutschen
Psychotherapie schrieb der Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie
und Psychotherapie der Universität Bern, Professor Klaus Grawe, in seinem
Klassiker zur psychotherapeutischen Wirkungsforschung ("Psychotherapie im
Wandel") bereits 1994: "Therapeuten, die für sich
selbst feststellen müssen, dass die Mehrzahl ihrer Therapien länger als 40
Therapiesitzungen dauert, müssen über die Bücher. Sie sind Opfer einer
falschen Ausbildung und/oder einer selbst produzierten Realitätsverzerrung"
(Seite 698).
Freilich nannte Grawe, den die deutsche Bundesregierung als Gutachter
beauftragt hatte, auch die Ursache für den "irrationale[n]
Zustand" in der psychotherapeutischen Versorgung
Deutschlands: "Ausgerechnet die Therapieform ..., die sich
als auffällig ungeeignet für die Behandlung psychosomatischer Störungen
erwiesen hat, die psychoanalytische Therapie, spielt in der
psychosomatischen Versorgung und Ausbildung die dominierende Rolle. Jeder
Lehrstuhl für Psychosomatik/ Psychotherapie ist in der BRD mit einem
Psychoanalytiker besetzt. ... Für die Patienten, die innerhalb dieser
Universitätsabteilungen behandelt werden, hat dieser Zustand handfeste
negative Folgen. Sie rechnen aus gutem Grund damit, dort eine besonders
qualifizierte Therapie zu erhalten, werden aber tatsächlich geradezu
regelhaft schlechter behandelt, als es mit gleichem oder geringerem Aufwand
möglich wäre" (S. 692f.).
Dem ist nichts hinzuzufügen. Es ist heute allgemein bekannt, dass keine
Therapieform so überlegene und dauerhafte Therapie-Ergebnisse erzielt wie
die kognitive Verhaltenstherapie. Die klassische Psychoanalyse nach Freud
oder Jung taugt außer zur "Realitätsverzerrung",
wie Grawe es nennt, nicht einmal als Antiquität. Echte Antiquitäten gewinnen
an Wert; der Psychoanalyse hatte der Gesetzgeber in der amtlichen
Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) bzw. für Psychologen (GOP) ab dem 01.01.1996
das vordem gleiche Honorar gegenüber der Verhaltenstherapie gemindert: Eine
Behandlung von "mindestens 50 Minuten" durch
Psychoanalyse ist nur 180,92 DM "wert" - so weit hat sich die Lobby der
Psychoanalytiker noch einmal retten können. Die Behandlung mit der wirksamen
Verhaltenstherapie wird hingegen mit 196,65 DM honoriert (jeweils
Regelhöchstsatz).
Was ist nun das Ergebnis vieler Bemühungen, eine wissenschaftlich fundierte
Differenzierung zwischen tauglichen und untauglichen psychotherapeutischen
Verfahren vorzunehmen? Ein gigantischer Etikettenschwindel: "Die Kollegen müßten ihre Behandlungen eben 'umbenennen'. Die
Verbände riefen sogar schriftlich zur 'Guerillatherapie' auf",
berichtete die Wochenzeitung "DIE ZEIT" (Nr. 8, Seite 27) am 12.02.1998 über
den skrupellosen Lobbyismus des "Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen
und Psychologen" (BDP) für seine Anhänger obskurer "Therapien".
Kaum verwunderlich ist darum, was Professor Hans-Ulrich Wittchen, Inhaber
des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Technischen
Universität Dresden, 1996 in einem Sammelband mit dem Titel "Perspektiven
der Psychotherapie" (Psychologische Verlags Union, Seite 165) feststellte: "Trotz Tausender sich verhaltenstherapeutisch nennender
niedergelassener Psychologen ist es fast unmöglich, Kollegen zu finden, die
eine lege artis durchgeführte Angsttherapie mit kognitiven oder
Exposuretechniken durchführen."
So hilft die Suche nach qualifizierten und effektiv arbeitenden
Psychotherapeuten auch in den Psychotherapeutenverzeichnissen oder
Psychotherapeutenlisten in der Regel nicht weiter. Dies gilt insbesondere
auch für die Psychotherapeutenverzeichnisse von Berufsverbänden, die - wie
im Falle des BDP - eher den wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder
dienen und offenbar vor Verfälschung nicht zurückschrecken, wie der von der
Wochenzeitung "DIE ZEIT" berichtete Aufruf zur rechtsbrüchigen "Umbenennung"
von nicht zugelassenen psychotherapeutischen "Methoden" belegt. Methode hat
vielfach nur die schamlose Ausbeutung von Hilfesuchenden.
Ihr Bestreben, lieber Gerd, "auf Anhieb" einen
Psychotherapeuten zu finden, der Ihnen "tatsächlich zu
helfen vermag", ist - wie Sie sehen - schwierig, aber dennoch nicht
aussichtslos. Es gibt einen Weg, den ich Ihnen eingangs empfahl: Informieren
Sie sich umfassend, verlangen Sie nach harten Fakten und einer klaren
therapeutischen Wegweisung. Vertrauen Sie durchaus Ihrem eigenen
Urteilsvermögen: Wenn Sie nach spätestens fünf Stunden nicht erkennen
können, wie Sie Ihr Therapieziel erreichen, dann scheuen Sie sich nicht, die
Psychotherapeutin oder den Psychotherapeuten zu wechseln. Die ersten fünf
Sitzungen sind dazu bestimmt, diese Frage zu beantworten, weshalb sie auch
als probatorische Sitzungen bezeichnet werden.
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Klaus Grawe, Ruth Donati & Friederike
Bernauer: Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur
Profession. Göttingen: Hogrefe-Verlag, 1994. XIV + 886 S.
Hier bestellen
Eine aufwändige wissenschaftliche Analyse, welche Form der
Psychotherapie zum Erfolg führt, und eine erschütternde
Dokumentation der absurden Situation Deutschlands, in dem die
untauglichsten Psychotherapie-Methoden dominieren.
Rezension lesen
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Noch wird die Psychoanalyse
von den Krankenkassen erstattet. Es ist jedoch absehbar, dass in einem
qualitätsgesicherten und effizienten Gesundheitssystem für die
Psychoanalyse mit ihren langdauernden und untauglichen Behandlungen
kein Platz mehr sein wird. So lange psychoanalytische Behandler auf
ihrem Praxisschild die Bezeichnung "Psychoanalyse" noch nicht überklebt
haben, kann auch dieses als Entscheidungshilfe dienen.
Weitere Informationen können Sie in einer von dem Herausgeber von
PSYCHOTHERAPIE, Dietmar G. Luchmann, im Jahre 1994 verfassten Beurteilung
der Ergebnisse der größten deutschen Wirkungsstudie zur Psychotherapie von
Klaus Grawe u.a. finden. Zu dieser Rezension unter dem Titel "Heilkunst
ohne Gebetbuch: Empirische Psychologische Therapie" gelangen Sie über
den PSYCHOTHERAPIE Buch-Tipp ("Rezension lesen" anklicken).
Zum Teil
1 der Antwort auf die Frage, wie man den besten Psychotherapeuten
findet.
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