 |

ABARIS®
Akademie
ABARIS®
Buchtipps

Web-Sprechstunde
Zu diesen Seiten
Presse und TV
Herausgeber
Nutzungshinweise
Mit der Nutzung dieser Seiten erkennen Sie diese Nutzungsbedingungen an.
|
 |
|
|
Ärzte-Kunst
oder -Pfusch:
Patienten werden immer kritischer
Hamburg
(17.01.2000) - Vor acht Jahren starb Ulrike S. Die 39-jährige
durchtrainierte Sportlehrerin überlebte eine Kniespiegelung unter
Vollnarkose nur wenige Stunden. Seit sieben Jahren prozessiert
ihre Familie gegen die verantwortlichen Ärzte. Sie stehen nicht
allein mit ihrem Problem. Die Zahl der Patienten, die sich als
Opfer ärztlicher Fehler sehen und ihre Rechte einklagen wollen, wächst
ständig.
Wie Ulrikes Bruder, selbst Arzt von Beruf, und ihre Schwester,
eine OP-Schwester, sind sie überzeugt, dass der behandelnde Arzt
gepfuscht hat. Bei Ulrike soll der Tubus zur Beatmung während der
Narkose nach Überzeugung ihrer Angehörigen nicht in die Luft-,
sondern in die Speiseröhre geschoben worden sein. Todesursache:
Sauerstoffmangel. Für Christian Zimmermann, Präsident des
Allgemeinen Patienten-Verbandes in Marburg, ist dieser Fall nur
eines von vielen "abenteuerlichen" Beispielen, wie
Patienten krank statt gesund gemacht werden. "Eine Krähe
hackt der anderen kein Auge aus", kommentiert er die Haltung
der Ärzteschaft, wenn sie mit Patientenbeschwerden konfrontiert
wird. Deshalb gingen auch die Pläne von Gesundheitsministerin
Andrea Fischer (Grüne), ein Netz unabhängiger Anlaufstellen für
Patienten zu knüpfen, in die richtige Richtung, meint Zimmermann
- ganz im Gegensatz zu den Ärzten.
Die halten die Gutachterkommissionen in den Ärztekammern der Länder
für ausreichend, um Rechten der Patienten zum Sieg zu verhelfen.
Frank Montgomery, Vorsitzender des Marburger Bundes in Köln,
bescheinigt den Schiedsstellen bei den Kammern eine hohe Qualität.
Im Schnitt werde in einem von drei Fällen ein ärztlicher
Kunstfehler anerkannt.
Die Kommissionen entschieden auch keineswegs
"parteiisch" zu Gunsten der Ärzte, betont der Präsident
der Bundesärztekammer in Köln, Jörg-Dietrich Hoppe, der wegen
des "bürokratischen Aufwandes" und hoher Kosten ebenso
wenig von den Fischer-Plänen hält wie Montgomery. "Die
Schlichtungsstellen arbeiten hervorragend", meint unisono mit
den anderen Ärztefunktionären auch der Sprecher des
Hartmannbundes (Bonn), Peter Orthen-Rahner.
Der Patientenverband hingegen rät ausdrücklich davon ab, zu den
Kommissionen der Kammern zu gehen. "Wir gehen davon aus, dass
mindestens 60 Prozent der dort vorgebrachten Klagen gegen Ärzte
berechtigt sind", meint Zimmermann. Er plädiert dafür,
statt vieler kleiner Beratungsstellen ein "Forschungszentrum
für Medizinschäden" einzurichten, in dem Ärzte
"repressionsfrei" urteilen könnten.
Ungeachtet dessen steigt die Zahl derjenigen Patienten ständig,
die sich gegen ärztliche Behandlungen zur Wehr setzen. Da sind
sich Patienten-Verband und Ärztekammern einig. Nach Zimmermanns
Aussage haben die Gutachterkommissionen zur Zeit jährlich rund
30.000 Fälle zu bearbeiten - im Jahr 1986 waren es hingegen nur
etwa 6.000.
Dabei ist die Dunkelziffer aus der Sicht der Patientenorganisation
wesentlich höher. Nach Einschätzung Zimmermanns werden jährlich
rund 100.000 Patienten Opfer ärztlicher Kunstfehler. Jeder vierte
von ihnen sterbe an den Folgen: Allein 10.000 Menschen würden das
Opfer unzureichender Hygiene, 6.000 würden mit falschen
Medikamenten behandelt und weitere 2.000 stürben an den Folgen überflüssiger
Röntgenbestrahlungen. Andere fänden wegen unsachgemäßer
Narkose, falscher Behandlung bei der Geburt oder während einer
Operation den Tod.
Zum
Thema
Monats-Übersicht
Psychotherapie Reports
2000 (1): 11 10 09 08 07 06 05 04 03 02 01*
*Jahr
(Jahrgang): Monat
|
|
 |
 |