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 Psychotherapie News  Januar 2000   Psychotherapie
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Herzkrankheiten hängen vom Erwachsensein und nicht von Kindheit ab: Montags mehr Herzinfarkte

London (29.01.2000) - Zum Kampf gegen Herzkrankheiten hat ein britischer Arzt eine Mehrwertsteuer von 17,5 Prozent auf fettige Lebensmittel gefordert. Dies könne zwischen 900 und 1.000 Todesfälle in Großbritannien vermeiden, schreibt Tom Marshall von der Universität Birmingham im "British Medical Journal" vom Freitag. Derzeit sind dort die meisten Lebensmitteln von der Mehrwertsteuer befreit. Fetthaltige Milch, Käse, Kekse, Kuchen, Gebäck, Puddings und Speiseeis trügen zu hohen Cholesterinwerten und damit zur Gefahr für den Kreislauf bei. Die niedrigen Preise ermutigten viele Menschen, zu viel Sachen zu essen, die nicht gut für sie seien.

In einem Kommentar zu dem Artikel erklärte die britische Stiftung für Ernährung (British Nutrition Foundation), sie glaube nicht an die Verringerung der Sterberaten durch Steuern. "Zigaretten werden hoch besteuert und das hindert die Leute nicht am Rauchen." Eileen Kennedy vom US-Landwirtschaftsministerium äußerte ebenfalls Zweifel. Marshall lasse bei seiner Argumentation den genetischen Faktor außer Acht, der bei Herzerkrankungen eine Rolle spiele. Auch zeige die Erfahrung, dass Menschen von fettarmer Nahrung mehr äßen und daher letztlich die gleiche Menge Fett wie vorher zu sich nähmen.

Der Argumentation, die auf genetische Faktoren oder die Umstände in Kindheit und Jugend verweisen, hält der Arzt Douglas Lamont von der Universität Newcastle entgegen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen werde vor allem durch den Lebensstil im Erwachsenenalter bestimmt. Dieses Ergebnis stellt der Douglas Lamont von der Universität Newcastle im British Medical Journal (Bd. 320, S. 273) vor.

Lamont hatte 154 Männer und 193 Frauen des Geburtsjahrgangs 1947 untersucht und dabei vor allem die Dicke der Halsschlagader gemessen, weil das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung mit der Dicke der Arterienwand zunimmt. Er setzte diese Messungen in Beziehung zu der frühen Jugend (Geburtsgewicht, Wachstum, Krankheiten, Probleme in der Umgebung) und zum Lebensstil der Erwachsenen (Zigaretten, Alkohol, Ernährung, Sport).

Beispielhaft belegt dies eine andere britische Studie, nach der montags bis zu 20 Prozent mehr Menschen an einem Herzinfarkt sterben als an anderen Tagen. Für die im "British Medical Journal" am 21.01.2000 veröffentlichte Studie wurden die Todestage von 80.000 Männern und Frauen in Schottland verglichen. Alle waren zwischen 1986 und 1995 an einem Herzinfarkt gestorben.

Als Gründe für die höhere Todesrate an Montagen vermuten die Forscher den Stress zu Beginn der Arbeitswoche und die Folgen übermäßigen Trinkens am Wochenende. Auffällig war, dass der Infarkt am Montag vor allem Leute unter 50 Jahren traf, die zuvor noch nie wegen Herzproblemen in Behandlung gewesen waren. Unter Herzpatienten erhöhte sich die Todesrate am Montag dagegen nicht. Dies erklären die Wissenschaftler damit, dass herzkranke Menschen Warnsignale während des Wochenendes wahrscheinlich eher erkennen und dann direkt zum Arzt gehen.

Das Leben als Erwachsener habe eindeutig größere Bedeutung für die Gefahr, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden. Zwar sei es wichtig, Kinder möglichst gesund aufwachsen zu lassen, doch hänge die Bekämpfung von Herzkrankheiten sehr viel stärker davon ab, ob es gelinge, den Lebensstil des Erwachsenen positiv zu verändern.


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