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Kassenarzt-Chef Oesingmann in Münster: "Psychotherapie zu Lasten der Krankenkassen steht vor dem Aus"

Münster (02.02.2000) - Für ein "angemessenes" Honorar wollen Psychotherapeuten am Mittwoch vor dem nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf demonstrieren. Das kündigte der 1. Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KÄV WL), Dr. Ulrich Oesingmann, am Dienstag in Münster an. "Die für jeden Bürger zugängliche Psychotherapie zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen steht vor dem Aus", sagte Oesingmann.

Seit dem 1. Januar 1999 gehört die Psychotherapie durch psychologische und ärztliche Psychotherapeuten sowie durch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten per Gesetz zum normalen Leistungsangebot der ambulanten Versorgung und der gesetzlichen Krankenkassen. Diese lange angestrebte und von allen Beteiligten begrüßte Leistungsverbesserung für die Bürgerinnen und Bürger hat aber kein solides finanzielles Fundament erhalten. Die auf der gesetzlichen Basis von den Krankenkassen zur Verfügung gestellten Mittel reichen bei weitem nicht aus. "Zur Zeit kann die KÄV WL für eine Therapiestunde 73,95 Mark als Honorar ausschütten", legt Dr. Oesingmann dar. "Nach einem höchstrichterlichen Urteil sollte den Therapeuten allerdings ein doppelt so hoher Umsatz, nämlich 145 Mark pro Stunde zustehen. Mit einem Honorar, wie es zur Zeit gezahlt wird, kann kein Therapeut eine Praxis betreiben."

Im Namen der rund 1.140 psychologischen Psychotherapeuten, die in der KÄV WL organisiert sind, fordert Oesingmann die Bundesgesundheitsministerin auf, den Bereich der psychotherapeutischen Versorgung endlich auf eine angemessene finanzielle Grundlage zu stellen. "Im Interesse der Kolleginnen und Kollegen", so der Vorsitzende der KÄV WL, "werden wir in unseren Verhandlungen mit den Kassen und in den Protesten an die Politik nicht locker lassen."

"Die Bundesgesundheitsministerin verweigert hartnäckig", so Oesingmann, "dass dieser neue Zweig der ambulanten Versorgung angemessen finanziert werden kann. Unsere psychotherapeutisch tätigen Kolleginnen und Kollegen stehen vor dem Ruin. Deshalb haben wir großes Verständnis für die Demonstration der psychologischen Psychotherapeuten".


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