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Experten-Rat:
Nie wieder Diät - Füllige sollen essen wie Schlanke
Stuttgart
(03.02.2000) - Hungern scheint zum Volkssport geworden zu sein.
Die Hälfte der Deutschen ist ständig oder zumindest in
regelmäßigen Abständen dabei, Kalorien zu zählen oder sich zu
kasteien - die meisten allerdings ohne dauerhaften Erfolg. Die
Deutschen werden immer dicker, und die Zahl der Essgestörten
nimmt zu. "Nie wieder Diät", lautet deshalb das Credo
des Ernährungswissenschaftlers Nicolai Worm. Er ist davon
überzeugt: "Ihr Körper hat Besseres verdient." Dennoch
ist sein Buch kein Plädoyer für zügelloses Schlemmen und
grenzenlose Fülle. Freude am Essen und Spaß an der Bewegung,
lautet sein Rezept. Nicht zum Abnehmen, sondern zum
"Nichtzunehmen".
Ob Fasten, Eier- oder Reisdiät - alle Diäten wirken gleich, und
jede Diät scheitert, jedenfalls auf Dauer. Denn entscheidend ist
eben nicht, wie viel der Betreffende abspeckt, sondern wie lange
er das verminderte Gewicht hält, betont Worm. Meist aber sind die
mühsam abgehungerten Pfunde schnell wieder auf Rippen, Bauch,
Hüften und Po; oft sind es gar einige Pfunde mehr.
"Jojo-Effekt" nennen das Ernährungswissenschaftler.
Während der Diät stellt sich der Körper auf eine geringere
Kalorien-Menge ein. Essen Hungerkünstler wieder normal, nehmen
sie zu. Von Diät zu Diät kommt der Körper mit einer niedrigeren
Energiezufuhr zurecht. Das heißt: Will er auf Dauer schlank
bleiben, muss er immer weniger essen.
Was unterscheidet nun die Dicken von den - wie Worm sie nennt -
"natürlich" Dünnen? Im Gegensatz zu den Schlanken
hätten Dicke schon einige Hungerkuren hinter sich. Außerdem,
sagt Worm, genießen Füllige das Essen nicht, sondern stopfen es
schnell in sich hinein. Selbst wenn sie satt sind, essen sie
weiter - bis nichts mehr auf dem Teller ist. Dabei fragen sie sich
stets, wie viele Kalorien wohl in dem einen oder anderen Bissen
stecken.
Füllige müssen sich wieder darauf besinnen, dass Essen Spaß
macht, meint Worm. Dazu gehört, wieder zu lernen, was wirklich
schmeckt, und nur das zu essen. Schluss mit der Askese, die das
Verbotene umso reizvoller, umso begehrenswerter macht und oft
genug in einer Schokoladen-Fressorgie mit anschließenden
Schuldgefühlen ob der mangelnden Selbstbeherrschung endet, rät
er. In den Kühlschrank und in die Vorratskammer gehörten zudem
immer das Allerbeste, was man sich gerade noch leisten kann.
"Der Geldbeutel muss bei den Essenseinkäufen regelrecht
bluten", meint Worm. Denn wer kräftig hinblättert, wird
zögern zu essen, wenn er gar nicht hungrig ist.
Viel Bewegung kann übrigens dabei helfen, wieder ein Gefühl für
Hunger und Sättigung zu entwickeln. Viel Bewegung verbraucht
Kalorien und trainiert den Körper. Ein Fitness-Programm allein
kann aber nicht bewirken, dass die Pfunde purzeln und purzeln. Es
helfe aber dabei, dass man nicht oder mit den Jahren nur leicht
zunimmt, meint Worm. Ein mit dem Alter leicht steigendes Gewicht
sei in Ordnung. Ob Jung oder Alt - wer sich viel bewegt statt
passiv vor dem Fernseher zu sitzen, den belohnt der Körper mit
der Ausschüttung von Glückshormonen. Und sie sind allemal
willkommen. Denn wer glücklich ist, braucht nicht aus Frust den
Kühlschrank leer zu räumen.
Buchtipp - und hier können Sie
bestellen...
Worm, Nikolai: Diätlos
glücklich. Abnehmen macht dick und krank. Genießen ist gesund.
Stuttgart: Hallwag.
"Diät hilft nichts, und Abnehmen kann die
Lebenserwartung verkürzen", sagt der Autor im vorliegenden Buch. Er
behandelt darin aktuelle Themen wie Übergewicht, Diätkuren,
Schlankmacher, Bulimie, Magersucht. Er empfiehlt, das schlechte Gewissen
abzulegen, das tägliche Essen zu genießen, sich aber regelmäßige
Bewegung zu verschaffen. |
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