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 Psychotherapie News  Februar 2000   Psychotherapie
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Verzerrter Schönheitsbegriff: Dicke sind fit - aber leiden unter Schlankheitsideal

Bremen (03.02.2000) - "Dicke Menschen sind fit, fröhlich und fruchtbar." Aber sie leiden in der heutigen Zeit immer mehr unter dem gesellschaftlich akzeptierten Schlankheitsideal. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Wonneproppen - dicke Menschen in 'mageren' Zeiten" der Bremer Universität, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Nicht das Dicksein an sich sei das Problem, sondern der Umgang damit, sagte die Projektleiterin, Professorin Gisla Gniech. Dicke hätten heute das Image von Gefräßigkeit, Haltlosigkeit und Undiszipliniertheit. Auch Vorurteile wie dick gleich kranker und genusssüchtiger seien durch keine Studie bewiesen, sagte Gniech.

Das Dicksein ist nach ihrer Ansicht eine natürliche Variation des Körpers, mit Ausnahme der "ganz Fetten". Jeder solle für sich entscheiden, was für ihn das Richtige ist und nicht dem Schlankheitsideal hinterher laufen, erklärte Gniech. "Man darf nicht mit dem Zentimetermaß sein Wohlbefinden definieren." Werden stramme, mollige Babys noch liebevoll betrachtet und als "Wonneproppen" bezeichnet, gerieten dickere Kinder bereits unter öffentlichen Druck. "Es isst zu viel oder hat wohl zu wenig Bewegung", müssten sich die Mütter dann anhören. Amerikanische Studien hätten gezeigt, dass bereits zehnjährige, normalgewichtige Kinder sich "für zu dick" hielten.

Die Entwicklung zum Schlankheitsideal begann nach den Recherchen um 1920. "Die strotzende Weiblichkeit wurde immer mehr zum Hässlichen", berichtete Gniech. Bis dahin war sie immer mit Fülle verbunden, sei es bei den Göttinnen der Antike, bei den gebärenden Frauen oder auch in vielen Kunstwerken. "Dicke Männer standen für Wohlstand und gutes Leben."

Heute sei der Schönheitsbegriff auf Schlankheit reduziert. Nach Angaben Gniechs wiegen weibliche Modells bis zu 23 Prozent weniger als normalgewichtige Frauen. "Männliche Models haben einen Waschbrettbauch." Die Folge seien Hungerkult, Diäten und exzessives Körpertraining. "Selbst vor einer Infizierung mit dem Bandwurm, der automatisch zum Abnehmen führt, wird nicht zurück geschreckt", berichtete Gniech. Dies alles sei eher gesundheitsschädigend als Dickleibigkeit. Auch dem Diätenreichtum seien keine Grenzen gesetzt. Das heute propagierte Ideal nütze nur der Diätindustrie, die mit ihren Artikeln einen Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Mark erziele.

Auch die Bekleidungsindustrie forciere den Schlankheitskult. "Wer 1,70 Meter groß ist, muss in Kleidergröße 38 passen, sonst ist man zu dick", sagte eine Studentin des Projektes. "Früher wurden die Klamotten für die Figur gemacht, heute muss die Figur in die Klamotten passen."

Als Fazit betonte Gniech, es gebe derzeit keinen Grund, den Dicken eine Diät zu verordnen. Wichtig sei, dass der Mensch "auf seine eigene Stimme und auf die Weisheit seines Körpers hört". Es gehe darum, die eigenen Bedürfnisse wahr zunehmen und "auf Appetit und Ekel" zu reagieren.


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Worm, Nikolai: Diätlos glücklich. Abnehmen macht dick und krank. Genießen ist gesund. Stuttgart: Hallwag.
"Diät hilft nichts, und Abnehmen kann die Lebenserwartung verkürzen", sagt der Autor im vorliegenden Buch. Er behandelt darin aktuelle Themen wie Übergewicht, Diätkuren, Schlankmacher, Bulimie, Magersucht. Er empfiehlt, das schlechte Gewissen abzulegen, das tägliche Essen zu genießen, sich aber regelmäßige Bewegung zu verschaffen.

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