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Brillenträger in Deutschland - gestiegenes Sehbewusstsein überwindet
Eitelkeit
Köln
(10.02.2000) - Immer mehr und insbesondere jüngere Menschen in
Deutschland tragen eine Brille. In der Gruppe der 21- bis 29-jährigen
sei die Quote innerhalb von 50 Jahren überdurchschnittlich von 13
Prozent auf 31 Prozent gestiegen, sagte Rüdiger Schulz vom
Institut für Demoskopie Allensbach am Mittwoch in Köln bei der
Präsentation einer Studie. Grund für den Anstieg in dieser und
anderen Altersgruppen sei der Trend zur Bildschirmarbeit. Dabei
werden die Augen mehr angestrengt. Kleinere Sehschwächen, die
sonst nicht in Gewicht fielen, bedürften so eher einer Korrektur.
Rund 61 Prozent der Menschen ab 16 Jahre gehörten nach der neuen
Studie 1999 zu den Brillenträgern. Vor 50 Jahren habe der Anteil
bei 43 Prozent gelegen. "Brillenträger sind heute sehr viel
selbstbewusster. Man sieht mit Brille nicht naturgegeben
schlechter aus", sagte Schulz, Projektleiter der Studie
"Sehbewusstsein der Deutschen - Klarer Blick für Zeit und
Raum".
Im Durchschnitt besitze heute jeder Brillenträger 1,7
sehtaugliche Brillen. 1,9 Millionen Menschen tragen außerdem
Kontaktlinsen. Der Anteil der Brillenträger sei generell in allen
Altersgruppen angestiegen. In den neuen Bundesländern seien seit
1991 fast sechs Prozent mehr Brillenträger gezählt worden,
berichtete Schulz. Insgesamt seien es rund 60 Prozent.
Gut 78 Prozent der Menschen hätten sich während der vergangen
drei Jahre wenigstens einer Augenuntersuchung unterzogen.
Alarmierend sei, dass jeder dritte Autofahrer im Alter zwischen 40
und 50 Jahren seit mindestens sechs Jahren keinen Sehtest mehr
gemacht habe.
Die früher weit verbreitete Angst, mit einer Brille "das
Gesicht zu verlieren", hat nach Angaben des Vorsitzenden des
"Kuratoriums Gutes Sehen" (KGS), Randolf Rodenstock, an
Bedeutung verloren: "Das Gesicht ist der heikelste Teil der
menschlichen Persönlichkeit." Mittlerweile seien 89 Prozent
der Brillenträger und 81 Prozent der Nicht-Brillenträger davon
überzeugt, dass es "heute für jeden die zu ihm passende
Brille gibt". Dennoch sind nach Angaben von Schulz 70 Prozent
der Befragten sicher, dass Kinder wegen ihrer Brille gehänselt
werden: "Das ist ein merkwürdiges Phänomen, das über Jahre
nicht abgetragen werden konnte."
Die vom KGS in Auftrag gegebene Studie stütze sich auf die
Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse mit rund 20.000
Befragten, sagte Schulz. Zur Ermittlung des Sehbewusstseins seien
weitere rund 4.100 Menschen befragt worden, die Hälfte davon
seien Brillenträger gewesen. Die Allensbacher Brillenstudie sei
die weltweit umfangreichste Studie dieser Art, betonte der
Projektleiter.
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