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 Psychotherapie News  Februar 2000   Psychotherapie
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Medizinische Kunstfehler: US-Regierung will Fehlerquote innerhalb von fünf Jahren halbieren

Washington (23.02.2000) - Die US-Regierung geht gegen gefährliche Irrtümer bei der Behandlung von Kranken vor, die nach Statistiken jährlich bis zu 98.000 Amerikaner das Leben kosten. Präsident Bill Clinton verkündete am Dienstag in Washington ein Maßnahmenbündel, das die Zahl von vermeidbaren Kunstfehlern, Schlampereien und Verwechslungen bei der Ausgabe von Medikamenten in einem Zeitraum von fünf Jahren um die Hälfte senken soll.

Kernpunkte ist die Einführung einer Pflicht zum Melden von medizinischen Fehlern für Krankenhäuser und Arztpraxen. 20 Millionen Dollar sollen zur Erforschung von Kunstfehlern und Schritten zur Verhinderung ausgegeben werden. Außerdem soll es neue Gesetze geben, um Verpackungsbeilagen von Medikamenten besser lesbar und verständlicher zu machen.

Die im vergangenen Jahr von der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentliche Statistik über die Zahl der Irrtümer (Nachrichten vom 17.01.2000) hatte hohe Wellen geschlagen. Danach sterben durch Fehler bei der medizinischen Behandlung mehr Menschen in den USA als an Autounfällen, Brustkrebs und Aids. Allein die Zahl der Toten durch Irrtümer beim Verschreiben oder der Ausgabe von Medikamenten wurde auf jährlich etwa 7.000 geschätzt.

Als Ursache für diese erschreckenden Zustände gelten die im Gesundheitswesen nicht ausreichend entwickelten Selbstkontrollmechanismen. Viele Ärzten haben sich im Verlauf ihrer langjährigen Ausbildung innerhalb rigider Strukturen von selbstgerechten Ausbildern und Vorgesetzten knechten und unterwerfen lassen. So ist ihnen die wichtigste Voraussetzung für Fehlervermeidung abhanden gekommen: Der Mut zur Kritik. Dies ist freilich keine Besonderheit der modernen Medizin: "Ein Lehrer wird keinen Lehrer kritisieren, noch ein Arzt einen Arzt", besagt eine alte chinesische Weisheit.

"Das Betreten einer Arztpraxis oder eines Krankenhauses ist für einen Patienten dreißigmal gefährlicher als eine Expedition auf den Himalaya oder in die Urwaldhölle am Amazonas", warnte einst Prof. Dr. Julius Hackethal (1921-1997). Ungebrochen aktuell ist darum der Rat des Schriftstellers Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803): "Der beste Arzt ist jederzeit des Menschen eig'ne Mäßigkeit."

"Freunde, Mäßigkeit und Ruh schließt dem Arzt die Türe zu," empfahl der deutsche Epigrammatiker Friedrich Freiherr von Logau (1604-1655) bereits vor Jahrhunderten als den sichersten Weg, einem Behandlungsfehler zu entgehen.


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