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Partner chronisch Kranker benötigen Hilfe: Sie können lernen,
"der beste Therapeut" zu sein
Frankfurt/Main
(02.03.2000) - Chronische Schmerzen sind ein Ergebnis vielfältiger
Einflüsse. Auf sie wirken körperliche, psychische und
Umweltfaktoren. Auch die Partner von chronisch Schmerzkranken
brauchen nach Überzeugung von Experten medizinischen Beistand.
"Wir müssen die Angehörigen als mit zu therapierende
Zielgruppe definieren", betonte der Präsident des Deutschen
Schmerztags 2000, Gerhard Müller-Schwefe, am Donnerstag in
Frankfurt. Das Thema "Schmerz und Partnerschaft" steht
im Mittelpunkt des Kongresses, an dem bis zum Samstag 1.200
Forscher, Ärzte und Betroffene teilnehmen.
US-Studien zufolge litten zwischen 17 und 20 Prozent der Angehörigen
von Patienten mit chronischen Schmerzen unter Alkoholismus oder
Depressionen, sagte Kati Thieme vom Institut für Psychologie der
Humboldt-Universität Berlin. Bei keiner anderen chronischen
Erkrankung als bei einem Schmerz-Leiden des Partners sei die
Erkrankungsrate unter den Angehörigen so hoch.
In einem Modellprojekt in Berlin wurden die Lebensgefährten daher
bei der Behandlung der Patienten mit betreut. Bei stationären
Patienten nahmen die Partner an jeder vierten Therapiesitzung
teil, bei ambulanten Behandlungen wurden Verhaltensvorschläge für
die Angehörigen auf Band gesprochen und mit nach Hause gegeben.
"Wir hatten damit deutliche Erfolge bei der
Schmerzreduktion", berichtete Thieme: "Wenn der Partner
sich richtig verhält, ist er der beste Therapeut."
"Richtig" ist nach Ansicht von Hanne Seemann von der
Psychosomatischen Klinik der Universität Heidelberg die richtige
Mischung aus Anteilnahme und Ablenkung. Der Partner müsse dem
Kranken zuhören, ihn ernst nehmen, gleichzeitig aber vermeiden,
dass der Schmerz mit Aufmerksamkeit "belohnt" wird und
sich so verstärkt. Gemeinsame Aktivitäten, gute Stimmungen seien
ein Erfolg versprechender Weg. "Den Schmerz ignorieren, nicht
den Menschen", formulierte Thieme dieses Prinzip.
Bei der somatischen Therapie erheben Schmerzärzte schwere Vorwürfe:
Krankenkassen betreiben "moderne Folter"
Eine "systematische Verzögerungstaktik" haben
Schmerztherapeuten den Krankenkassen bei der Genehmigung von
schmerzlindernden Verfahren vorgeworfen. Dies sei "moderne
Folter", sagte Thomas Nolte, Vizepräsident des
Schmerztherapeutischen Kolloquiums, am Freitag auf dem Deutschen
Schmerztag 2000, der am Samstag in Frankfurt zu Ende geht.
Hunderte von Anträgen auf Kostenübernahme befänden sich
monatelang in der Warteschleife, während die Patienten Höllenqualen
litten. "Das ist umso dramatischer als viele Betroffene auf
Grund ihrer unerträglichen Schmerzen stark suizidgefährdet
sind."
Oft müssten Patienten monatelang auf die Bewilligung so genannter
invasiver Methoden warten. Dabei kann eine kleine elektronische
Pumpe in den Bauch eingesetzt werden, die automatisch Medikamente
ins Rückenmark abgibt. Im anderen Fall wird eine Sonde in den Rücken
implantiert, die durch einen Stromreiz die Weiteleitung des
Schmerzes verhindert. Solche Verfahren sind Nolte zufolge häufig
die letzte Hoffnung für Patienten, bei denen alle anderen
Therapien fehlschlugen. Rund 100 von ihnen warteten in Deutschland
derzeit auf die Genehmigung für einem solchen Eingriff.
Nach Berechnungen des Instituts für medizinische Statistik in
Frankfurt geben die Kassen jährlich rund 858 Millionen Mark aus,
um mit klassischen Medikamenten Beschwerden zu lindern. Viele
chronisch Kranken verursachten über Jahre hinweg durch die
Einnahme von teueren Morphinen Kosten von mehreren hundert Mark täglich.
Lange Aufenthalte in Pflegeheimen und Kliniken kämen hinzu.
"Angesichts dieser Summen hat sich die einmalige Investition
für Testimplantation, Operation und Gerät in wenigen Monaten
amortisiert", sagte Tagungspräsident Gerhard Müller-Schwefe.
Scharfe Kritik übten Nolte und Müller-Schwefe am Medizinischen
Dienste der Krankenkassen (MDK), den sie als
"Verhinderungsinstrument" bezeichneten. Die Gutachter
dort seien häufig fachlich nicht in der Lage, die medizinisch
hochkomplexen Fälle zu beurteilen.
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