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Heilfasten:
Eine Kur für Körper und Seele mit purzelnden Pfunden
Frankfurt/Main
(08.03.2000) - Gefastet wird heutzutage längst nicht mehr nur aus
religiösen Motiven. Zum Beginn der christlichen Fastenzeit am
Aschermittwoch hatten viele Deutsche ihre erste Fastenkur des
Jahres sogar schon hinter sich. Denn immer mehr Menschen entdecken
die heilsamen Vorzüge des freiwilligen Nahrungsverzichtes und
schwärmen von einem neuen Lebensgefühl durch das Verlieren der
Pfunde.
Fasten hat nichts mit Nulldiät und absolutem Verzicht auf Nahrung
zu tun. So nimmt der Fastende etwa bei einer Molke-Kur neben Tee
auch cholesterinfreie Molke zu sich. Wer nach der so genannten
Buchinger-Methode fastet, trinkt vorwiegend Tee, Gemüsebrühe und
Fruchtsäfte. Und auf dem Speiseplan der "F. X.
Mayr-Kur" stehen Tee, Milch und Weißmehlbrötchen.
Gefastet werden kann in Kliniken wie etwa dem F. X. Mayr-Zentrum
in Igls bei Innsbruck, immer öfter aber wird die Askese auf Zeit
auch in privaten Fastenkreisen, Pfarrgemeinden praktiziert - oder
allein zu Hause. Die Allgemeinärztin Sabine Heinken aus Frankfurt
am Main rät jedoch zum gemeinschaftlichen Fasten: "Es wird
schwierig, wenn Mitmenschen skeptisch bis verständnislos
reagieren und ständig den Hungertod des Fastenden fürchten."
Doch die Angst ist in der Regel unbegründet: Bei Fastenkuren
sorgen Getränke und Brühen für die notwendigen Vitamine und
Mineralstoffe. Im Laufe der Kur schaltet der Körper von äußerer
auf innere Ernährung um. Kohlenhydrat-Reserven der Leber und
Muskeln werden verbraucht, Eiweiße zerlegt und in Zucker
umgewandelt, schließlich schmelzen die Fettdepots. Dabei werden
Stoffwechselgifte über Darm, Haut und Nieren ausgeschieden.
"Beim Fasten geht es jedoch weniger um den
Gewichtsverlust", sagt Ute Venohr, Ärztin für
Allgemeinmedizin aus Friesoythe-Gehlenberg (Niedersachsen).
"Wichtiger ist das 'In-sich-gehen' und die innerliche
Reinigung des Körpers."
Wer sich zur Nahrungsaskese entschlossen hat, sollte das erste Mal
nur nach fachkundiger Anleitung fasten, empfiehlt Susanne
Hampel-Masfeld von der Verbraucher Initiative in Bonn. Fastenpläne
und Rezepte können bei Ärzten erfragt werden oder sind in vielen
Fastenführern nachzulesen. Außerdem rät Monika Erdmann von der
Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Frankfurt
"nur nach Rücksprache mit einem Arzt" zu fasten.
Menschen etwa mit Diabetes mellitus, Krebserkrankungen oder Ess-
und Magersucht sollten ausschließlich in Kliniken fasten. Während
der Schwangerschaft und Stillzeit muss auf eine Fastenkur
verzichtet werden.
Wie lange und wie oft gefastet wird, hängt von der körperlichen
Verfassung des Fastenden ab. "Eine Kur sollte zumindest 14
Tage dauern", so Venohr. Vom Fasten über mehr als 40 Tage
raten Ärzte ab. "Zweimal im Jahr reicht", sagt
Hampel-Masfeld.
Wer sich für eine Kur entschieden hat, sollte sich körperlich
und seelisch mit einem Entlastungstag bei verminderter
Kalorienzufuhr einstimmen. "Am besten mit einem Obst- oder
Gemüsetag", so Venohr. In den ersten beiden Fasttagen muss
der Darm gründlich geleert werden, damit die angesammelten Gifte
den Körper verlassen. Dabei kann ein Einlauf mit einem
Klistiergerät oder die Einnahme von im Wasser gelösten Glauber-
oder Bittersalz helfen, so Venohr.
Der Körper kann bei der Entschlackung unterstützt werden. Hier
gilt natürlich: Viel trinken, auch wenn der Fastende keinen Durst
verspürt. Sportliche Betätigung regt den Stoffwechsel an und
beugt dem Abbau der Muskelmasse vor. Und auch während der
Fastenzeit müssen Fastende nicht auf den schweißtreibenden
Saunabesuch verzichten. "Wer sich fit fühlt, kann täglich
in die Sauna gehen", so Sabine Heinken. Um die Entgiftung der
Leber zu begünstigen, rät die Ärztin zu einer Leberpackung.
Dabei wird heißes Wasser in eine Wärmflasche gefüllt und auf
den rechten oberen Bauchbereich gelegt.
Während des Fastens können neben den vielen positiven Effekten
auch unangenehme Nebenwirkungen auftreten. "Da viele Fastende
über kalte Füße klagen, sollte man das Fasten auf die warmen
Monate verlegen", rät etwa Venohr. Viele Fastende bemerken
zunehmende Müdigkeit oder Kopf- und Gelenkschmerzen. Gifte, die
über die Haut ausgeschieden werden, bewirken einen unangenehmen Körpergeruch.
Gegen das gräuliche Verfärben der Zunge - auch ein Zeichen des
Entgiftungsprozesses - hilft einzig kräftiges Bürsten.
"Wer fastet, hungert nicht", sagt Heinken. Denn der Körper
lebt während der Kur von seinen Nährstoffdepots. Bereits eine
kleine Nascherei kann das Hungergefühl allerdings wieder anregen.
Auch Alkohol stimuliert die Magensäfte und belastet die Leber
durch zusätzliche Entgiftungsaufgaben - deshalb sollte besser auf
ihn verzichtet werden.
Wer Selbstbeherrschung beweist und die Fastenzeit konsequent
durchsteht, sollte sich am ersten Nachfastentag keinesfalls mit
einem üppigen Mahl belohnen. Darm und Stoffwechsel dürfen nicht
überlastet werden. Zunächst sollte man sich auf kleine Portionen
beschränken und diese besonders langsam essen. Jetzt bietet sich
auch die Gelegenheit, auf eine gesunde Ernährung umzustellen.
Denn "Fastenkuren sind nur dann sinnvoll, wenn sie als Impuls
zur Ernährungsumstellung dienen", sagt Monika Erdmann von
der DGE.
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