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 Psychotherapie News  März 2000   Psychotherapie
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Gesundheitsrat stellt Leitbild für den "autonomen Patienten" vor: Patient als mündiger Partner erwünscht

Stuttgart/Karlsruhe (09.03.2000) - Das Leitbild eines "autonomen Patienten" hat der Gesundheitsrat Südwest entworfen. Der moderne Rechtsstaat gehe von der Vorstellung einer in ihrer Würde unantastbaren und zur freien Entscheidung berechtigten Persönlichkeit aus, heißt es in den Grundsätzen, die der Vorsitzende des Gremiums, Professor Michael Arnold (Tübingen), am Donnerstag in Stuttgart vorstellte. Diese Entscheidungsfreiheit gelte es auch für den Patienten herzustellen.

Arnold vergleicht die Behandlung eines Patienten auch mit wirtschaftlichen Prozessen. Der Kosten/Nutzen-Rechnung in der Wirtschaft stehe im Krankheitsfall die Abwägung von Risiko und Nutzen gegenüber. Eine Entscheidung, bei der es im Extremfall sogar um den Tod gehe, könne dabei nur der aufgeklärte, der "autonome" Patient treffen. Der Patient als Partner des Arztes müsse das bisherige "paternalistische" (bevormundende) System ablösen. Damit werde die "Verantwortung zwischen Arzt und Patient geteilt". "Das läuft auf eine kleine Revolution hinaus", sagte Arnold.

Der informierte Patient werde idealtypisch nur das in Anspruch nehmen, was an Behandlung ausreichend und dazu geeignet sei, die beabsichtigten Zwecke zu erreichen, heißt es in den Empfehlungen. Dieser idealtypische Zustand werde jedoch sehr oft verfehlt, weil die Anreize im System grundsätzlich die Gefahren einer Überinanspruchnahme oder einer Überbehandlung in sich bergen.

Dies habe nicht nur finanzielle Konsequenzen, sondern sei auch mit Risiken behaftet, sagte Arnold. "Es werden Dinge gemacht, die nicht nötig sind." Ein informierter Patient könne die Behandlung "kritisch hinterfragen".

Die Bezirksärztekammer Nordbaden hat die Empfehlungen des Gesundheitsrates in Form eines Arzt-/Patienteninformationsdienstes bereits realisiert. Wie Kammerpräsident Professor Stefan Wysocki berichtete, stehen in Karlsruhe ein Arzt und eine Fachkraft bereit, um schriftlich wie telefonisch Auskünfte über ambulante und stationäre Behandlungen zu geben. Unter der Rufnummer 01805-150051 ist der Informationsdienst inzwischen in ganz Nordbaden präsent.

Finanziert wird die neue Einrichtung mit jährlich 300.000 Mark ausschließlich von der Bezirksärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordbaden, um wirtschaftliche oder politische Einflussnahme Dritter auszuschließen. Die bisherigen telefonischen Anfragen - im Februar waren es 320 - kamen zu 86 Prozent von Patienten, zu sieben Prozent von Ärzten und der Rest von Krankenkassen und Sonstigen.

Stichwort: Gesundheitsrat Südwest

Der Gesundheitsrat Südwest wurde von der Landesärztekammer im Jahre 1997 ins Leben gerufen in Anlehnung an die Runde-Tisch-Gespräche von Politik und Wirtschaft. Unabhängige und nur ihrem Gewissen verpflichtete Personen sollen damit in die Lage versetzt werden, frei von Weisungen Dritter Themen aus dem Gesundheitsbereich übergreifend zu diskutieren. Die Ergebnisse dieser Diskussion sollen als Ratschläge zunächst den Ärzten in Baden- Württemberg und dann der Bevölkerung vorgestellt werden. Der Gesundheitsrat versteht sich ausdrücklich nicht als Interessenvertretung der Ärzte.

Fünf Mitglieder des Gesundheitsrates werden auf Vorschlag der Landesärztekammer von der Vertreterversammlung der Kammer gewählt. Diese fünf Gewählten können bis zu zehn weitere Mitglieder bestellen. Vorsitzender ist Professor Michael Arnold (Universität Tübingen), stellvertretende Vorsitzende die frühere baden-württembergische Sozialministerin Helga Solinger (SPD).


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