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Sprachlosigkeit
kann tödlich sein: Familienstress gefährlicher für Frauenherzen
als Arbeitsstress
Stockholm
(09.03.2000) - Stress in der Familie führt einer schwedischen
Studie zufolge eher zu Herzinfarkten von Frauen als Stress bei der
Arbeit. Wie Prof. Kristina Orth-Gomer vom Karolinska Institut in
Stockholm am Donnerstag sagte, ist dies das "sehr
eindeutige" Ergebnis einer Untersuchung mit 584 Frauen seit
1991, von denen die Hälfte bereits einen Infarkt erlitten hatte.
Sie bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung
vom Donnerstag.
"Es hat sich heraus gestellt, dass konkrete Probleme zu Hause
bei der Vorgeschichte von Infarkten sowie bei Komplikationen
danach eine viel wichtigere Rolle gespielt haben als Probleme bei
der Arbeit", sagte die Präventivmedizinerin in einem Gespräch
mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Ursachen seien vornehmlich
Krankheit in der Familie, Drogensucht und insbesondere Alkoholabhängigkeit
Angehöriger. Aber auch Gewalttätigkeit anderer sowie Ehebruch
durch den Mann zählten dazu. Generelle Beziehungsprobleme wirkten
ebenfalls Infarkt fördernd, oft sogar stärker als Scheidung oder
Trennung.
Bei Frauen mit sehr großem Familienstress stuft die schwedische
Untersuchung das Infarktrisiko um vier Mal höher ein als bei
Frauen mit sehr geringem Familienstress. Etwa in der Mitte sei das
Risiko eines ersten Infarktes bei hohem Arbeitsstress einzuordnen.
Mit einem achtfach erhöhtem Risiko als besonders gefährdet seien
Frauen, die familiäre Probleme haben und damit "nur schlecht
umgehen können". Orth-Gomer sagte: "Es zeigt sich ganz
klar, wie entscheidend es ist, dass über psychische und
Beziehungsprobleme in der Familie gesprochen wird." Zudem
gebe es einen Zusammenhang zwischen Beziehungsproblemen und einer
ungesunden Lebensweise mit Rauchen, fetter Kost sowie
Bewegungsmangel.
Für das Gesundheitswesen erwartet die schwedische Ärztin spürbare
Kosteneinsparungen, wenn es gelingt, Frauen den Zusammenhang
zwischen "einer besseren Lebensqualität auch zu Hause und
dem Infarktrisiko zu verdeutlichen". Bis auf zwei waren alle
der seit 1991 untersuchten und befragten Frauen im Alter zwischen
30 und 65 Jahren berufstätig, wie dies bei der großen Mehrheit
der Schwedinnen üblich ist.
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