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Internet
ohne Handicap: Websites für Behinderte
Hamburg
(22.03.2000) - Jung, dynamisch, erfolgreich - das sind die
Attribute mit denen das Internet häufig in Verbindung gebracht
wird. Doch das Netz ist mehr als elektronische Einkaufsmeile und
Spielwiese für Technikfreaks. Besonders Behinderte finden über
das Internet wichtige Informationen und Kontakt zu anderen
Menschen, der ihnen sonst oft durch steile Treppen und schräge
Blicke verwehrt wird. Online finden Rollstuhlfahrer schneller
Partner zum Basketball spielen, und Eltern von Kindern mit dem
Down-Syndrom können im Netz viel darüber erfahren, welche
finanziellen Leistungen ihnen vom Staat zustehen.
Seit einem Badeunfall vor drei Jahren ist der 28-jährige Florian
Seelmann-Eggebert aus Hamburg querschnittsgelähmt und auf den
Rollstuhl angewiesen. Im August 1999 initiierte er das Projekt
"startrampe.net", eine Website und Internetgemeinschaft
für Rollstuhlfahrer und Querschnittsgelähmte. Während es für
andere Körperbehinderte verschiedene Foren für Informationen und
Austausch gebe, seien entsprechende Angebote für Querschnittsgelähmte
im deutschsprachigen Raum eher selten, sagt Seelmann-Eggebert.
Dabei sei diese Gruppe auf die ortsunabhängige Form der
Kommunikation im Internet besonders angewiesen.
Wie nötig das Angebot von "startrampe.net" ist, zeigt
die Resonanz auf das Projekt: Seitdem die Homepage unter der
Adresse www.startrampe.net ins Netz gegangen ist, hat es rund
650.000 Zugriffe auf die Site gegeben. Dabei tritt "startrampe.net"
keinesfalls mitleidsheischend, sondern sehr selbstbewusst auf: Ein
Prospekt des Vereins zeigt im Comicstil gezeichnet einen
Superhelden im Rollstuhl, der gerade eine Schönheit aus einem
brennenden Haus rettet.
Die Inhalte der Website gliedern sich in drei Schwerpunkte: Unter
dem Stichwort "Information" finden sich Themen wie
Arbeit und Beruf, Leben und Wohnen, Körper und Geist. Zur Rubrik
"Kommunikation" gehören Chats, Foren und ein so
genanntes Unified Messaging - die Koppelung von Fax, E-Mail,
Anrufbeantworter und anderen Kommunikationsmitteln. Ebenso besteht
die Möglichkeit zur Einrichtung einer eigenen Homepage.
"Service" enthält Stellenangebote, Online-Banking und
Internet-Shopping.
Ein weiteres Angebot ist in Arbeit: "Wir wollen eine
Datenbank einrichten, mit deren Hilfe Rollstuhlfahrer
beispielsweise ein behindertengerechtes französisches Restaurant
in einer anderen Stadt finden", sagt Seelmann-Eggebert.
Um Aufklärung geht es in erster Linie auf der Website des
Arbeitskreises Down-Syndrom aus Bielefeld, die unter
www.down-syndrom.org zu finden ist. "Im Vordergrund steht die
Weitergabe von Informationen über Menschen mit Down-Syndrom sowie
über Hilfe- und Fördermöglichkeiten", sagt Hermann
Stuessel aus Bielefeld, der dem Arbeitskreis angehört und Vater
eines Kindes mit Down-Syndrom ist. Erreicht werden sollen unter
anderem Eltern, Ärzte, Pädagogen, Sozialarbeiter, aber auch Schüler
und Studenten.
Auf der Website werden beispielsweise Artikel zum Thema Stillen
oder zur Zweisprachigkeit von Kindern mit Down-Syndrom angeboten.
Auch auf rechtliche und wirtschaftliche Aspekte wird eingegangen.
Neben Informationen über Gesetze oder zu kostenlosen Fahrkarten
im öffentlichen Nahverkehr, gibt es hier auch Steuertipps für
die Eltern behinderter Kinder. Außerdem finden Besucher der Site
eine Linkliste und eine Reihe von Literaturhinweisen.
Im Oktober 1997 hat der Behinderten-Verein BM-Online seine Website
www.behinderte.de ins Netz gestellt. Seither steige die Zahl der
monatlichen Zugriffe langsam aber stetig, so Vereinssprecher
Hannes Heiler. Aber es gibt nicht nur positive Reaktionen auf die
angesprochenen Aspekte: "Ablehnung bezieht sich unter anderem
darauf, dass wir das Thema Sexualität und Beziehungen nicht
ausblenden", sagt Heiler.
"Das Internet ermöglicht behinderten Menschen ein großes Stück
Autonomie", sagt Heiler. Er nennt das Beispiel eines
Tetraplegikers, eines bis zum Hals gelähmten Menschen, der einen
Brief schreiben möchte: "Beim herkömmlichen Brief muss ihm
jemand das Papier hinlegen oder in eine Schreibmaschine
einspannen, den Brief falten und in einen Umschlag stecken, die
Briefmarke draufkleben, und den Brief einwerfen." Privatsphäre
könne dabei kaum bewahrt werden. Ein Computer mit entsprechender
Umrüstung ermögliche aber auch mehrfach Gelähmten, eigenhändig
Briefe beziehungsweise E-Mails zu verfassen.
Die Nutzung des Computers geht für viele Behinderte allerdings
weit über das Schreiben von Mails hinaus. "Ich kenne mehrere
Schwerbehinderte, denen der Computer so wichtig ist, weil so viele
Nutzanwendungen damit gesteuert werden, dass sie eine eigene
Notstromversorgung dafür haben", erklärt Heiler. Ärgerlich
sei allerdings, dass ein Rechner und die notwendigen Hilfsmittel
kaum von Kostenträgern anerkannt würden. Wer den PC nicht
beruflich nutze, sondern nur für Internet oder die Steuerung von
Telefon und Türsprechanlage, habe Probleme, diese Ausstattung
finanziert zu bekommen.
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