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Lang
anhaltende Zahnschmerzen haben oft psychosomatische Ursachen:
Statt Bohrer besser zum Psychotherapeuten
Karlsruhe
(26.03.2000) - Zahnschmerzen lassen sich nicht in jedem Fall durch
den Einsatz von Bohrer und Zange vertreiben. Darauf wiesen am
Freitag in Karlsruhe Zahnmediziner bei der 15. Karlsruher
Konferenz unter dem Motto "Nur nutzen, nie schaden - Neue
Impulse für eine dynamische zahnärztliche Therapie" hin.
"Bei lang anhaltenden, chronischen Schmerzen liegt die
Ursache oft gar nicht in konkreten Schädigungen der Zähne,
sondern im psychosomatischen Bereich", sagte Prof. Ulrich
Egle aus Mainz vor Journalisten. Bei bis zu 75 Prozent aller
Patienten, bei denen auch nach sechs Monaten die Ursache für
anhaltende Schmerzen nicht gefunden werde, könne davon
ausgegangen werden, dass ganz andere Faktoren - etwa Probleme in
der Partnerschaft oder depressive Verstimmung - der Auslöser
sind.
"Die Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Schmerz
ist in der gesamten Medizin noch zu wenig verbreitet",
kritisierte Egle. Schon in der Ausbildung der Zahnärzte kämen
Ansätze der Psychologie und Prävention zu kurz. "Wird die
wahre Ursache der Schmerzen nicht erkannt, kann es sogar zu einer
Schädigung des Patienten kommen, wenn die Ärzte auf der falschen
Interpretation des Schmerzes eine Therapie aufbauen", warnte
der Mediziner. Es sei wichtig, dass sich bereits praktizierende Ärzte
mit diesem Problem beschäftigten und schon in der Ausbildung künftig
verstärkt auf diesen Bereich hingewiesen werden, um betroffene
Patienten richtig zu betreuen.
Eine dem individuellen Problem angemessene Behandlung sei
erforderlich, die in der Regel nicht in der klassischen Praxis
geleistet werden könne: "Wir müssen unseren Patienten in
dieser Situation sagen, dass wir ihnen mit unserem Wissen und
unseren Möglichkeiten nicht helfen können und ihnen neue
Anlaufstellen nennen", sagte der Direktor der Akademie für
Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe, Prof. Michael Heners.
Experten empfehlen Patienten mit langdauernden Zahnschmerzen,
einen Psychotherapeuten zu konsultieren. Ein Beispiel für
stressbedingte Zahnschmerzen ist das zunehmende Zähneknirschen im
Schlaf, auf das 30 Prozent aller Zahnarztbesuche zurückgeführt
werden. Psychotherapeuten können hier mit einer
Anti-Stress-Therapie helfen.
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