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Schönheitsköniginnen
werden immer dünner: Experten fordern verbesserte Früherkennung
von Essstörungen
Frankfurt/Main/Hannover/Gräfelfing
(04.04.2000) - Schönheitsköniginnen werden immer dünner und
sind oft sogar untergewichtig. Das haben jetzt amerikanische
Wissenschaftler herausgefunden. Wie die in Frankfurt erscheinende
"Ärzte-Zeitung" am 24.03.2000 berichtete, sind die
Damen zwischen 1922 und 1999 im Durchschnitt nicht einmal um zwei
Zentimeter größer, aber um zwölf Prozent leichter geworden.
Ein Ärzte-Team aus Baltimore hat dem Blatt zufolge Größe,
Gewicht und den so genannten "Body-Mass-Index" aller
Misses America verglichen. In den 20er Jahren hätten die
Schönheitsköniginnen demnach einen Body-Mass-Index (BMI)
zwischen 20 und 25 gehabt, heute liege er zum Teil unter 18,5. Das
gelte laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unterernährt.
Die Originalstudie ist im Fachblatt JAMA (Bd. 283, S. 1569)
veröffentlicht.
Beim BMI wird das Körpergewicht in Kilogramm, dividiert durch die
Körpergröße im Quadrat. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer
Mensch mit 100 Kilo Gewicht kommt so auf einen Index von 30,9.
Gerechnet wird: 100 geteilt durch 3,24 (entspricht 1,80 x 1,80).
Zwischen BMI 25 und 29,9 spricht die WHO von Übergewicht,
darüber von Fettleibigkeit (Adipositas).
Essstörungen können nach Expertenmeinung vor allem Gynäkologen
und Zahnärzte frühzeitig erkennen. Wenn junge Mädchen an
Magersucht leiden, bliebe meist die Regel aus und sie suchten
einen Frauenarzt auf, erklärte der Professor für Psychosomatik
an der Medizinischen Hochschule Hannover, Friedhelm Lamprecht, bei
einer Fachtagung am 29.03.2000. Ein aufmerksamer Gynäkologe
könne für eine frühzeitige Behandlung sorgen, wenn er die
Symptome einer Essstörung erkenne. Bei der Konferenz berieten
Ärzte, Pädagogen, Vertreter von Selbsthilfegruppe und der
Krankenkassen über eine bessere Behandlung von Essstörungen.
Auch Zahnärzte müssten sensibilisiert werden, forderte
Lamprecht. Bei der Ess-Brechsucht (Bulimie) führten die
Erkrankten mehrmals am Tag ein unnatürliches Erbrechen herbei,
nachdem sie zuvor in kurzer Zeit große Mengen gegessen hätten,
erklärte der Mediziner. Die Magensäure, die beim Erbrechen in
den Mund gelange, greife besonders den Zahnschmelz an. "Der
Zahnarzt kann diese Symptome erkennen und die Patientin an einen
Facharzt verweisen".
Besonders bei der Magersucht sei eine Früherkennung bei vielen
Patienten lebensrettend. Laut einer Langzeitstudie würden knapp
17 Prozent der überwiegend weiblichen Patienten innerhalb von 20
Jahren nach der Diagnose an den Folgen ihrer Krankheit sterben,
erklärte Burkhard Jäger, Arzt im Zentrum für psychologische
Medizin in Hannover. In Deutschland seien mindestens 220.000
Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren von Bulimie oder
Magersucht betroffen.
Bei der Bulimie trage das gesellschaftliche Schlankheitsideal zu
einer Ausweitung der Krankheit bei. "Besonders bei Frauen mit
niedrigem Selbstwertgefühl greift die Werbeformel 'schlank gleich
attraktiv gleich erfolgreich' ", sagte Lamprecht. Da in den
vergangenen Jahren die Männer vermehrt ins Blickfeld der
körperorientierten "Life-Style"-Szene und Werbung
rückten, sei es denkbar, dass auch Männer bald vermehrt von
diesen Erkrankungen betroffen sind. Bislang sind lediglich etwa
zehn Prozent der Patienten männlich.
ABARIS® Gesundheits-Tipp: Lieber Sport
treiben als Abnehmen
Sport treiben ist wichtiger als Abnehmen. Wer dick ist, aber fit,
lebe nachweislich länger als untrainierte Schlanke, zitiert die
in Gräfelfing bei München erscheinende Zeitung "Ärztliche
Praxis" den Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm.
Körperliche Aktivität sei im Vergleich zu einer Diät der
wichtigere Faktor für eine überdurchschnittliche
Lebenserwartung.
Zudem habe bisher nicht bewiesen werden können, dass Diäten
langfristig erfolgreich sind. Dem Wissenschaftler zufolge dauere
es nicht einmal fünf Jahre, bis neun von zehn
"Hungerkünstlern" wieder ihr altes Gewicht auf die
Waage brächten. Welcher Art von körperlicher Aktivität die
Betroffenen nachgehen, ist laut Worm egal: Laufen, Tanzen oder
Gartenarbeit seien gleichermaßen effektiv.
Buchtipp - und hier können Sie
bestellen...
Worm, Nikolai: Diätlos
glücklich. Abnehmen macht dick und krank. Genießen ist gesund.
Stuttgart: Hallwag.
"Diät hilft nichts, und Abnehmen kann die
Lebenserwartung verkürzen", sagt der Autor im vorliegenden Buch. Er
behandelt darin aktuelle Themen wie Übergewicht, Diätkuren,
Schlankmacher, Bulimie, Magersucht. Er empfiehlt, das schlechte Gewissen
abzulegen, das tägliche Essen zu genießen, sich aber regelmäßige
Bewegung zu verschaffen. |
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