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 Psychotherapie News  April 2000   Psychotherapie
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Mangel an Therapeuten für psychisch kranke Kinder: Viele ostdeutsche Kinder haben Angst- und Essstörungen

Göttingen/Jena (06.04.2000) - Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an psychischen Störungen. Besonders im Osten Deutschlands seien Jungen und Mädchen seit der Wende von Angst- und Essstörungen betroffen: "Sie werden vom Schlankheitswahn terrorisiert", sagte Prof. Jürgen Margraf (Basel) am Donnerstag zum Auftakt eines Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGP) in Göttingen. Daran nehmen bis Samstag rund 250 Experten aus dem In- und Ausland teil.

Dramatisch sei, dass Störungen bei Kindern deutlich seltener als bei Erwachsenen erkannt und behandelt würden. Sorge macht den Psychologen die Behandlung von Kindern mit starken Medikamenten. Dieser Trend werde aus den USA nach Deutschland übertragen: "Jeder, der aneckt oder hyperaktiv ist, wird dort über Jahre mit Psychopharmaka behandelt", berichtete Margraf, der Institutsleiter an der Universität Basel ist.

Psychisch kranke Kinder und Jugendliche bekommen nach Ansicht von Experten in Deutschland zu wenig fachärztliche Hilfe. Die Zahl von 15.000 ambulant tätigen Psychotherapeuten und Psychiatern für diese Altersgruppe reiche nicht aus, sagte der Jenaer Bernhard Blanz, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (DGKJP), am Donnerstag der dpa. Bundesweit fehlten 500 Praxen. Besonders die neuen Länder seien unterversorgt. In Jena tagt seit Mittwoch der DGKJP-Bundeskongress, der sich mit Chancen für das seelisch kranke Kind beschäftigt.

In Deutschland leidet nach Auffassung von Experten etwa eine Million Kinder unter psychischen Störungen. Besonders verbreitet sind die so genannten hyperkinetischen Störungen ("Zappel-Philipp"), Ängste, Depressionen, Magersucht und andere Ess-Störungen.

Die gesellschaftlichen Folgen für die nicht angemessene Behandlung psychischer Störungen - insbesondere bei Kindern - sind nach Expertenmeinung gravierend und werden ein Vielfaches einer rechtzeitigen Behandlung kosten.

Weder die Politik noch die Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen (KÄVen) vermochten sich bislang durchgängig entschließen, die skandalöse Situation zu beseitigen, dass Psychotherapeuten nur ein Teil des Honorars gezahlt wird, welches das Bundessozialgericht als "mindestens" angemessen (145,00 DM) bezeichnet hat. Teilweise erhalten Psychotherapeuten bei Kassenversicherten weniger als 15 Mark für eine 50-minütige Behandlung.


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