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Öffentliche
Wissenschaftsförderung schläft: Junge deutsche Hirnforscher
wandern aus - Psychotherapeuten machen dicht
Bonn
(06.04.2000) - Die deutsche Hirnforschung braucht nach Ansicht von
Medizinern dringend mehr Geld, um Nachwuchsforscher in Deutschland
zu halten. Derzeit schauten die jungen Forscher fasziniert in
Richtung USA und gingen zum Teil weg, sagte der
Medizin-Nobelpreisträger von 1991, Professor Bert Sakmann vom
Max-Planck-Institut für medizinische Forschung Heidelberg, am
Donnerstag auf dem Petersberg bei Bonn. "Wir verlieren im
Moment unseren Nachwuchs", sagte er auf einer Pressekonferenz
anlässlich des Kongresses "Das Jahrzehnt des menschlichen
Gehirns", an dem 400 internationale Forscher teilnehmen.
Nach den Worten von Professor Hans-Jochen Heinze von der
Universitätsklinik Magdeburg können junge Leute in den USA in
exzellenten Zentren tätig sein. "Deshalb gehen sie
weg."
Wenn Deutschland international vorne mitreden wolle, müsse jetzt
investiert werden, forderte Professor Christian E. Elger, Direktor
der Klinik für Epileptologie an der Universität Bonn. "Wir
brauchen dringend Geld, die Hirnforschung ist extrem teuer. Wir
brauchen eine private Stiftung." Die öffentliche Hand sei zu
bürokratisch und wenig flexibel.
Bis Jahresende wollen die Hirnforscher die Stiftung
"Menschliches Gehirn" gründen. Sie soll mit Hilfe der
Industrie nach neuen Möglichkeiten zur Finanzierung der
Hirnforschung suchen. Die Stiftung will Großforschungsprojekte
fördern sowie möglicherweise so genannte "Centers of
Excellence" in Deutschland gründen. Der Grundstein für das
Stiftungskapital werde an diesem Freitag mit einer Gala in der
Bundeskunsthalle in Bonn gelegt.
Von solchen Lösungen ist die Psychotherapie weit entfernt. Die
öffentliche Wertschätzung ist - ganz im Gegensatz zum Nutzwert
für die Gesellschaft - gering, eine Lobby fehlt und die Politik
stiehlt sich aus ihrer Verantwortung davon. Professor Klaus Grawe,
weithin bekannter Psychotherapieforscher der Universität Bern und
Gutachter der Bundesregierung, wies auf die Konsequenzen für
Deutschland schon vor vielen Jahren hin: "Der die
Gemeinschaft am teuersten zu stehen kommende Umgang mit
psychischen Störungen ist der gegenwärtige. Die Nicht-Nutzung
der besten bestehenden Behandlungsmöglichkeiten führt zu den
größten Kosten, nicht deren Nutzung".
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