 |

ABARIS®
Akademie
ABARIS®
Buchtipps

Web-Sprechstunde
Zu diesen Seiten
Presse und TV
Herausgeber
Nutzungshinweise
Mit der Nutzung dieser Seiten erkennen Sie diese Nutzungsbedingungen an.
|
 |
|
|
Das
Genie Carl Friedrich Gauß: Gehirn der Rechenmaschine wird
untersucht
Göttingen
(20.04.2000) Der Sohn eines Tagelöhners war eines der größten
Genies aller Zeiten: Der Astronom und Mathematiker Carl Friedrich
Gauß (1777-1855) gilt als Begründer der modernen Zahlentheorie.
Er entwickelte den Heliographen zum Fotografieren der Sonne und
den elektromagnetischen Telegrafen. Seine Arbeiten zur Physik und
Erdvermessung sind weltberühmt - jedes Kind kennt das Antlitz des
Göttinger Gelehrten von den Zehn-Mark-Scheinen.
Fast eineinhalb Jahrhunderte nach seinem Tod haben jetzt
Wissenschaftler das Gehirn, das zu den größten Schätzen der Göttinger
Universitätssammlung gehört, mit einem modernen
Kernspin-Tomographen untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass Gauß
bis ins hohe Alter geistig hellwach war. Sein ursprünglich 1.492
Gramm schweres Hirn weist keine anatomischen Besonderheiten auf,
die seine ungewöhnliche Begabung erklären können.
Gauß war am 23. Februar 1855 um 01.02 Uhr in der Göttinger
Sternwarte gestorben, die er seit 1807 leitete. Einen Tag später
gab sein Sohn Josef die Erlaubnis "zur sorgfältigen
Zergliederung des Gehirns und zu einer weiteren Benutzung und
Bekanntmachung".
Anders als bei Albert Einstein, dessen Hirnmasse in den USA in 240
kleine Blöcke zerteilt worden war, fertigten die Pathologen vom
Gauß-Hirn jedoch nur einen Gipsabdruck an. Seitdem ist das in
Formalin eingelegte Präparat im Besitz der Universität.
"Das Gaußsche Gehirn ist nie aufgeschnitten oder anderweitig
beschädig worden, sondern ist bis heute in einwandfreiem Zustand
erhalten", sagt Prof. Jens Frahm, Geschäftsführer der
gemeinnützigen Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.
Dort wurde die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) angefertigt, die
Lage, Anatomie und Funktionen einzelner Hirnpartien sowie mögliche
krankhafte Abweichungen darstellt. "Ein wesentlicher Vorteil
ist, dass die Untersuchung zerstörungsfrei ist und Ergebnisse in
digitaler Form liefert, die fast unbegrenzt archiviert und kopiert
werden können", erklärt Frahm, der 526 verschiedene
dreidimensionale Datensätze erstellt hat.
Diese Aufnahmen belegen, dass Gauß nicht an Altersdebilität
litt. "Es lassen sich keine unmittelbaren Anzeichen für
degenerative Veränderungen finden, wie sie etwa durch die
Alzheimersche Krankheit oder durch Verkalkung der Gefäße
hervorgerufen werden", sagt Andreas Frewer vom Institut für
Ethik und Geschichte der Medizin. Der Tod des Theoretikers gehe
auch nicht auf eine Gehirnblutung oder eine traumatische Schädigung
zurück.
Auf dem Totenschein war "Brustwassersucht" (Lungenödem)
notiert worden. Gauß hatte zuvor über Kurzatmigkeit und
Herzprobleme geklagt. Tatsächlich erlag er wahrscheinlich einem
Herzversagen. Der sechsfache Vater galt als Pedant. Frauen
verunglimpften ihn als "Uhu von Braunschweig", andere
Zeitgenossen schätzten seine Aufrichtigkeit und Bescheidenheit.
Viele seiner Entdeckungen hielt das Genie geheim, weil er sie nur
wirklich vollendet veröffentlichen wollte.
Der in Braunschweig geborene und als Einzelkind aufgewachsene Gauß
litt Zeit seines Lebens an Depressionen. Seine außergewöhnliche
Begabung bedrückte ihn. Nietzsche schrieb von der in der Kindheit
"geplatzten Genie-Ader, die den Knaben verseuchte und dem
armen Mann so zu schaffen machte". Voller Mitgefühl sprach
Einstein von der "nicht abstellbaren Rechenmaschine Gauß",
die erst durch den Tod habe zur Ruhe finden können.
Zum
Thema
Monats-Übersicht
Psychotherapie Reports
2000 (1): 11 10 09 08 07 06 05 04 03 02 01*
*Jahr
(Jahrgang): Monat
|
|
 |
 |