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Außersinnliche
Wahrnehmung? - Skepsis bleibt trotz erstaunlicher Befunde
Feiburg
(01.05.2000) - Fast 90 Prozent der Erwachsenen in Deutschland
glauben an übersinnliche Phänomene. Hierzu gehören etwa
Gedankenübertragung, Hellsehen und das "Erkennen" zukünftiger
Vorgänge. Trotz erheblicher wissenschaftlicher Erklärungsdefizite
werden sie von den meisten Menschen nicht für Lug und Trug
gehalten.
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit sind neuerdings
Erkenntnisse gewonnen worden, die zu zeigen scheinen, dass es eine
außersinnliche Wahrnehmung und auch eine Beeinflussung von
Materie durch das Bewusstsein (Psychokinese) wirklich gibt. Unter
den Erkenntnissen sind Ergebnisse tausender Versuchsdurchgänge
einer interdisziplinären Arbeitsgruppe in den USA, der Princeton
Engineering Anomalies Research Project (PEARP). Die Zeitschrift
"Psychologie heute" (Weinheim) berichtet in ihrer
neuesten Ausgabe über den Wissensstand in diesem zunehmend nicht
mehr Parapsychologie (para = neben), sondern psychophysikalische
Anomalienforschung genannten Bereich.
Wie der Physiker und Psychologe Walter von Lucadou, Gründer und
Leiter der "Parapsychologischen Beratungsstelle" in
Freiburg, im Gespräch mit der Zeitschrift sagte, zeigen die
Psychokinese- Ergebnisse zwar relativ schwache Anomalien im Sinne
von "Trefferquoten" von wenigen Promille Abweichung von
der Zufallswahrscheinlichkeit. Gleichzeitig seien die Befunde aber
wegen der großen Anzahl der Einzelergebnisse so überzufällig,
dass eine noch unverstandene Wechselwirkung zwischen Geist und
Materie angenommen werden müsse: "Dem Bewusstsein ist
demnach in der physikalischen Welt eine neuen Qualität
beizumessen."
Unter den PEARP-Forschungen waren auch "Fernwahrnehmungs"-
Experimente mit einer Versuchsperson und einem
"Agenten". Dieser fuhr an einen Ort, den die
Versuchsperson nicht kennen konnte. Beide machten Notizen oder
Zeichnungen - der Agent von dem Ort, die Versuchsperson von ihren
wahrgenommenen inneren Bildern. Sie wurden dann verglichen und in
streng codierter Form statistisch ausgewertet. Es gab schwache,
aber doch weit überzufällige Befunde. Bei
Psychokinese-Experimenten ging es unter anderem darum, dass
Teilnehmer in zufälliger Reihenfolge aufleuchtende Lämpchen oder
Zahlenfolgen beeinflussen sollten.
Bei weltweit etwa 2.500 so genannten Ganzfeldexperimenten, die in
40 Untersuchungsberichten dokumentiert sind, hat es eine
durchschnittliche Trefferquote von 8,2 Prozent über der
Zufallswahrscheinlichkeit gegeben. Dabei ging es um das
"mentale Senden" eines Bildes an eine Person im
Ganzfeldzustand - von akustischen und optischen Außenreizen
abgeschirmt. Ihr wurden dann neben dem Zielbild noch drei weitere
Bilder vorgelegt. Die Zufallswahrscheinlichkeit, das richtige Bild
zu erraten, war also 25 Prozent. Doch war die durchschnittliche
Trefferquote 33,2 Prozent.
Die PEARP-Forscher Robert Jahn und Brenda Dunne vertreten die
These, dass Bewusstsein, wie das Licht, wellen- und teilchenartige
Eigenschaften besitzt. Während die Teilchennatur die
konventionelle, kausale Realität beschreibe, eröffne die
masselose, traditionelle Raum- und Zeitkategorien übersteigende
Wellennatur vielfältige parapsychologische Optionen.
Lucadou hat ein "Modell der pragmatischen Information"
formuliert. Darin spielt die nichtlokale Wechselbeziehung eine
zentrale Rolle. In der Quantenphysik wurde der Begriff der
nichtlokalen Korrelation eingeführt, um beschreiben zu können,
dass zwei Elektronen ein koordiniertes, "sinnvolles"
Verhalten zeigen, obwohl keinerlei räumliche oder zeitliche
Verbindung zwischen ihnen besteht.
Der Physikprofessor Martin Lambeck von der Technischen Universität
Berlin, der sich mit diesen Forschungen beschäftigt hat,
betrachtet sie mit großer Skepsis. Wie er im Gespräch mit dpa
sagte, kennt die heutige Physik zur Übertragung von Wirkungen
durch den leeren Raum nur die elektrische Kraft. Nach der
Erfahrung der Neurobiologie sende der Mensch beim Denken keine
elektrischen Signale aus. Also könne kein Mensch durch reines
Denken Wirkungen außerhalb des eigenen Körpers hervorbringen.
"Sollten also die besagten Experimente zur Telepathie und
Psychokinese richtig sein, dann wäre die heutige Physik grob
unvollständig", sagte der Professor weiter, "so
unvollständig, dass die Vervollständigung, das heißt das Schließen
der Wissenslücke, nobelpreisfähig wäre. Es ist also abzuwarten,
ob unabhängige Forschergruppen alle diese Experimente
reproduzieren können. Wenn ja, wenn die Befunde sich also
wirklich als unanfechtbar erweisen, dann würde durch die Physik
ein Sturm fegen, verglichen mit dem Quanten- und Relativitätstheorie
nur eine müde Brise waren".
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