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 Psychotherapie News  Mai 2000   Psychotherapie
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Der "kleine Unterschied" - Frauen haben andere Krankheitsrisiken als Männer

Hamburg (04.05.2000) - Die Medizin entdeckt den "kleinen Unterschied" - Frauen sind anders als Männer, auch wenn es um die Gesundheit geht. Nach einem Bericht in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Vital" erkennen immer mehr Ärzte, dass Frauen andere Krankheitsrisiken haben und auch andere Symptome entwickeln als Männer. Diese Erkenntnis sei noch relativ neu, weil Frauen lange Zeit von klinischen Test ausgeschlossen gewesen seien. Wegen der hormonellen Schwankungen ihres Zyklus hätten sie als "unsichere Versuchskandidaten" gegolten. Dabei ist schon lange klar, dass Frauen beispielsweise sehr viel häufiger als Männer unter Osteoporose, Migräne oder Depressionen leiden. Doch die Erkrankungsgefahr lässt sich nach Ansicht von Experten durch eine richtige Lebensweise deutlich senken.

So können Frauen etwa die Gefahr, an Osteoporose zu erkranken, nach den Erkenntnissen der Vorstandsvorsitzenden des Kuratoriums Knochengesundheit, Dr. Jutta Semler, enorm reduzieren, indem sie auf die richtige Ernährung achten. Insbesondere nach den Wechseljahren könne eine optimale Versorgung mit Kalzium und Vitamin D das Risiko, an Knochenschwund zu erkranken enorm reduzieren, sagt Frau Semler in "Vital". Außerdem sollten gefährdete Frauen Alkohol, Nikotin sowie Koffein meiden und sich sportlich betätigen. Letzteres kann nach Ansicht des Wiener Schmerzexperten Professor Dr. Hans-Georg Kress auch die "Frauenkrankheit" Migräne zumindest dämmen. Gegen den unerträglichen Kopfschmerz könne es "sehr hilfreich" sein, "regelmäßig Ausdauersport zu treiben, allerdings nicht bei akuten Schmerzen", sagt der Mediziner. Außerdem sei zur Vorbeugung ausreiche Entspannung und "ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus" wichtig.

Frauen, die Sport treiben, ihr Leben selbst in die Hand nehmen und Probleme nicht verdrängen, sondern aktiv bearbeiten, laufen auch weniger Gefahr, an Depressionen zu erkranken. Darüber hinaus sollten potentiell von der Seelentrauer betroffene Frauen nach Meinung der Berliner Spezialistin Dr. Barbara Grube soziale Beziehungen pflegen, "die von gegenseitigem Wohlwollen geprägt sind". Erkrankte dürften nicht von ihrer Umgebung unter Druck gesetzt werden, sagt Barbara Grube. Ratschläge wie "Reiß dich zusammen" seien kontraproduktiv für depressive Menschen. Und auch die Aufforderung "Fahr doch mal in den Urlaub, da kommst du auf andere Gedanken" ist wenig hilfreich. Barbara Grube: "In fremder Umgebung verstärken sich die Probleme oft noch."

Sogar Herzerkrankungen haben nach den Erkenntnissen der Spezialistin Professor Dr. Ingeborg Siegfried besondere Frauen-Aspekte. Von den 280.000 Patienten, die in Deutschland jährlich einen Infarkt haben, seien 129.000 Frauen, sagt die wissenschaftliche Leiterin des Kongresses "Schlagen Frauenherzen anders?". Neue Studien zeigten, dass familiäre Belastungen bei Frauen das Infarktrisiko stärker erhöhen, als beruflicher Druck, der bei Männern oftmals die Ursache der Erkrankung sei. Zur Vorbeugung sollten gerade Frauen auf eine gesunde Ernährung achten und regelmäßig Sport treiben, um ihr Normalgewicht zu halten. Wenig Alkohol und vor allem "nicht rauchen, schon gar nicht, wenn man die Pille nimmt", rät die Professorin.

Frauen sprechen übrigens oftmals auf Medikamente ganz anders an als Männer. Darum ist es gerade für Patientinnen wichtig, auf die eigene Wahrnehmung zu vertrauen und beim Arzt auf einer Klärung zu bestehen, wenn eine Medizin unerwünschte Nebenwirkungen zeigt. Die Apotheken in Deutschland starten mit Unterstützung von "Vital" im Mai eine große Kampagne zum Thema "Frauengesundheit". Und in den USA ist gerade mit 168.000 Teilnehmerinnen eine gigantische Studie die speziellen Aspekte von Krankheiten bei Frauen gestartet.


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