Gruppe
ohne Lobby: Eine Million Kinder brauchen psychische Behandlung
Köln/München
(09.05.2000) - Von den etwa 18 Millionen Kindern und Jugendlichen
in Deutschland sind mindestens eine Million psychisch erkrankt und
damit behandlungsbedürftig. Dies berichtete der Berufsverband der
Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in
Deutschland am Montagabend vor Beginn des Deutschen Ärztetages in
Köln (09.-12.05.2000).
Nach Einschätzung des Verbandes fehlt aber zur Behandlung
mindestens die Hälfte an fachärztlichen Kinderpsychotherapeuten.
In der ambulanten Versorgung arbeiteten etwa 500 Fachärzte für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie bei insgesamt
rund 2.000 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten verschiedener
Fachdisziplinen.
Die Verbandsvorsitzende Christa Schaff warnte, dass die schon
bestehende Unterversorgung mit neuen gesetzlichen Vorhaben der
Gesundheitsreform weiter verschärft werde. Fachärzte für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie erhielten kein
Mindesthonorar mehr und müssten mit sinkenden Einnahmen aus dem
Facharzttopf rechnen.
"Verlierer sind vor allem aber alle psychisch schwer
erkrankten Kinder und Jugendlichen, die fachärztliche
psychotherapeutische und psychiatrische Hilfe benötigen, da
qualifizierte psychotherapeutische Leistungen von Fachärzten für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie nicht mehr
kostendeckend erbracht werden können", betont die Kinder-
und Jugendpsychiaterin Schaff.
Auch Kinder leiden schon unter Migräne
Von chronischen Kopfschmerzen und Migräne werden auch schon
Kinder geplagt. Bei fast jedem fünften Kind bestehe der Verdacht
auf Migräne, berichtete die Deutsche Angestellten-Krankenkasse
(DAK) in einer am 20.04.2000 in München veröffentlichen
Mitteilung. Bei einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts
im Auftrag der DAK antworteten fast zwölf Prozent der Eltern, ihr
Kind leide häufiger unter behandlungsbedürftigen Kopfschmerzen.
Bei der Umfrage waren den Angaben zufolge 1.012 Eltern von drei
bis 14 Jahre alten Kindern befragt worden.