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Geschwister
sollten drei Jahre Abstand haben - Ideale Familie immer seltener
Bamberg
(23.05.2000) - Für ein gutes Verhältnis zueinander sollten
Geschwisterkinder idealerweise drei Jahre Abstand voneinander
haben. "Diese Geschwister haben maximalen Profit
voneinander", sagte der Bamberger Familienforscher Prof.
Hartmut Kasten in einem Gespräch.
Im Alter von drei Jahren akzeptiere das größere Kind die Ankunft
eines Geschwisterchens problemlos. "Mit drei hat ein Kind
sein Vertrauen und seine Persönlichkeit so weit entwickelt, dass
es gelassen reagiert." Das jüngere profitiere von den
Erfahrungen des großen Kindes. Zudem könnten beide Kinder
miteinander spielen.
Wenn der Abstand zwischen den Kindern jedoch kleiner sei, komme es
vor allem bei gleichem Geschlecht häufig zu Konflikten. "Da
gibt es viel Zoff, besonders zwischen zwei Brüdern, die
miteinander rivalisieren", sagte der Psychologe und Pädagoge.
Sehr harmonisch gehe es in einer Familie mit einem älteren Sohn
und einer jüngeren Tochter zu. "Der große Bruder ist der
Stammhalter, er beschützt als Kavalier seine kleine Schwester und
ist gleichzeitig ein Vorbild für sie." Die Eltern könnten
ihre Aufmerksamkeit auf die beiden Kinder aufteilen und
geschlechtsspezifische Vorbilder sein.
Nach neuesten Forschungen seines Teams sei für das Verhältnis
von Geschwistern aber weniger die Geburtsrangfolge, sondern vor
allem die Erziehung der Eltern entscheidend. Insgesamt beeinflusse
die Geschwisterkonstellation nur zu fünf Prozent die Persönlichkeit
eines Kindes; andere Faktoren wie soziale Schicht, Schule und
Erziehung seien viel wichtiger. Dass ein erstgeborenes Kind
erwachsenenorientierter und ängstlicher sei, "stimmt hinten
und vorne nicht."
Laut Kasten sind die Geschwisterbeziehungen die längsten
Beziehungen zwischen Menschen und gelten in der Regel lebenslang.
"Ein Kind wird in eine Familie schicksalhaft hinein geboren.
Selbst wenn sich Geschwister hassen, kommt es ganz, ganz selten
zum Bruch."
In Deutschland leben nur 40 Prozent der Bevölkerung in Familien.
Davon haben nach Kastens Angaben 53 Prozent ein Kind, 36 Prozent
zwei Kinder und elf Prozent drei oder mehr Kinder. "Die
idealen Familien mit zwei Kindern unterschiedlichen Geschlechts
werden immer seltener." Das heute übliche Aufwachsen als
Einzelkind sei kein Problem. "Einzelkinder können sich
genauso einfühlen, sich genauso durchsetzen und zeigen das
gleiche soziale Verhalten wie Geschwisterkinder." Eltern dürften
nur nicht den Fehler begehen, und ihr einziges Kind mit
Erwartungen und Leistungsansprüchen überfordern.
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