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 Psychotherapie News  Mai 2000   Psychotherapie
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Immer mehr Jugendliche greifen zur Zigarette: "Rauchen ist schlecht, aber Nichtrauchen noch blöder"

Berlin/München (30.05.2000) - Immer mehr Jugendliche in Deutschland greifen zur Zigarette. Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt bei zwölfeinhalb Jahren. Dies ergab eine internationale Vergleichsstudie "Health Behaviour in School-aged Children" (HBSC) in 26 Ländern, die am Montag in der AOK-Fachzeitschrift "Gesundheit und Gesellschaft" veröffentlicht wurde. Deutsche 13-jährige liegen demnach international in der Spitzengruppe der regelmäßigen Raucher. In diesem Alter stieg die Zahl der Raucher 1998 bei Jungen um fast sechs Prozent, bei Mädchen um vier Prozent im Vergleich zu 1994.

Auffällig sei der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen: Von den 15-jährigen deutschen Jugendlichen griffen 27,6 Prozent der Jungen und 35,8 Prozent der Mädchen zur Zigarette. Die Ursache sei möglicherweise, dass insbesondere Mädchen das Rauchen als Zeichen von Stärke, Freiheit und Unabhängigkeit werteten, hieß es in einem Bericht des Bielefelder Professors Wolfgang Settertobulte.

Die Präventionspolitik in Deutschland sei im internationalen Vergleich wenig rigide. Zigaretten seien vergleichsweise billig, es gebe keine Verkaufsbeschränkungen, warnte der Experte. Die Studie habe jedoch auch gezeigt, dass staatliche Restriktionen nicht ausreichten, um Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Sinnvoll sei eine umfassende Präventionsstrategie, die etwa Entwöhnungskurse für enthalte.

Die Studie wird in 26, überwiegend europäischen Ländern unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation Europe durchgeführt. Im Jahr 1998 wurden hierzu etwa 6.000 Jugendliche in Nordrhein-Westfalen repräsentativ befragt.

Psychologin: Nichtrauchen kommt bei Jugendlichen nicht an

Das Image des Nichtrauchens bei Jugendlichen ist nach Ansicht einer Expertin noch verbesserungsbedürftig. "Viele Kinder wissen zwar, dass Rauchen schlecht ist, aber Nichtrauchen finden sie noch blöder", sagte die Psychologin Eva Maiwald vom Münchener Institut für Therapieforschung in einem Gespräch zum Welt-Nichtrauchertag (31. Mai). Oft seien Kinder überzeugt, dass alle Erwachsenen rauchen.

"Jugendliche sollten lernen, Nein zu sagen - aber das allein reicht nicht", sagte Maiwald. "Wichtig ist die Begründung: Ich muss nicht so sein wie alle anderen." Das Institut entwickelte ein Unterrichtskonzept für "allgemeine Lebenskompetenzen und Fertigkeiten" (ALF), das bundesweit in 5. und 6. Schulklassen angewandt wird. Dabei lernen die Kinder in Rollenspielen, Gruppenzwang und Druck von außen erkennen zu können. Ob ein Kind anfängt zu rauchen, hänge in erster Linie davon ab, ob sein bester Freund oder die beste Freundin raucht, sagte Maiwald.

Der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranstaltete Weltnichtrauchertag steht unter dem Motto "Don't be duped" (Lass Dich nicht reinlegen). In Deutschland rauchen nach den neuesten Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Westen 26 und im Osten 34 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen. Damit hatte der Anteil der jungen Raucher zwischen 1993 und 1997 erstmals seit 1973 wieder zugenommen. Insgesamt 56 Prozent der Jugendlichen zählen sich zu den "Nie-Rauchern".


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