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 Psychotherapie News  Juni 2000   Psychotherapie
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Ärzte und Psychotherapeuten kritisieren "unnatürlich dünne Frauen" in den Medien: Fernsehen schafft Essstörungen

London/Aachen/Neu-Isenburg (01.06.2000) - "Unnatürlich dünne" Frauen im Fernsehen und auf dem Laufsteg sind nach Angaben britischer Ärzte einer der Hauptgründe für Essstörungen von jungen Frauen. Die Britische Medizinische Gesellschaft (BMA) forderte in einem am 29.05.2000 veröffentlichten Bericht die Medien auf, mehr Frauen mit "realistischeren Körpermaßen" zu zeigen. Durch die dünnen Modells und Fernsehschauspielerinnen bekämen Millionen von Frauen den Eindruck, sie seien zu dick - was gar nicht stimme, schreibt die BMA.

"Ein geringes Selbstwertgefühl spielt eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Essstörungen, und die unnatürlich dünnen Models in den Medien können dazu beitragen", sagte Vivienne Nathanson bei der Präsentation des Berichts. "Junge Mädchen fangen immer früher mit Diäten an und sind unzufrieden mit ihrem Körper." Die BMA sei besonders besorgt wegen der sehr dünnen Models, die für die Produkte der Modebranche werben. Diese stünden "in scharfem Kontrast zu den Maßen der meisten Kinder und jungen Frauen", die zunehmend größer würden, sagte sie.

Einen Vergleich bietet der Body Mass Index (BMI). Normal für junge Menschen sei ein BMI zwischen 19 und 25, bei älteren bis 27. "Modells haben im Durchschnitt einen BMI von 16 bis 19", sagte der Pressesprecher des Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen, Sven-David Müller. "Sie sind oftmals krankhaft unterernährt." Das habe massive gesundheitliche Folgen wie etwa ein schwaches Immunsystem.

Der BMI ist das Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körperlänge in Metern zum Quadrat. Ein Beispiel: 70 Kilogramm geteilt durch 2,89 (1,7 Meter mal 1,7 Meter = 2,89) ergibt einen BMI von 24,2. Darunter sprechen Experten von Mangelernährung, darüber von Übergewicht.

Fernsehen schafft Essstörungen bei Mädchen auf Fidschi

Das Fernsehen auf den Fidschi-Inseln verändert einer Studie zufolge das Schönheitsideal der Bewohner und führt zu Essstörungen bei Frauen. Drei Jahre nach dem Start des ersten und einzigen Senders seien Essstörungen bei jungen Frauen fünf Mal häufiger als in der TV-freien Zeit, berichtete die "Ärzte Zeitung" (Neu Isenburg) am 27.04.2000. Vor wenigen Jahren sei es dagegen noch chic gewesen, stämmig zu sein.

Die Psychiatrie-Professorin Anne Becker aus Boston (US-Staat Massachusetts) hatte 129 junge Frauen auf Fidschi 1995 zu Beginn der TV-Ära befragt und erneut 1998. Ergebnis: Drei Jahre nach der Einführung des Fernsehens versuchten 15 Prozent der Teenager ihr Gewicht durch Erbrechen zu kontrollieren, zuvor waren es lediglich drei Prozent. Der Sender strahle vor allem westliche Programme aus und vermittle damit wahrscheinlich ein neues Schönheitsideal.

Die Originalstudie ist im Journal der Amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA, Bd. 283, S. 1409) veröffentlicht.


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