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Schlafstörungen
- ein unterschätztes Volksleiden
München
(16.06.2000) - Mehr als 40 Prozent aller Deutschen leiden
gelegentlich oder chronisch unter Schlafstörungen. Der gestörte
Nachtschlaf führe zu erheblichen gesundheitlichen Problemen wie
ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfall und
Krebs, berichtete Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen
Zentrums der Psychiatrischen Klinik der Universität Regensburg,
am Freitag in München.
Um Schlafstörungen geht es auch am 21. Juni dem "Tag des
Schlafes". Geplant sind ein Symposium in Bonn, bei dem
Wissenschaftler über die Möglichkeiten der Diagnose und Therapie
berichten. Zusätzlich werden in ganz Deutschland 50 Schlaflabore
interessierten Besuchern offen stehen.
Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch falsch oder gar nicht
behandelte Schlafstörungen entsteht, sei enorm. Nach Zulleys
Angaben leiden 95 Prozent der Schichtarbeiter unter Schlafstörungen.
Die Folgekosten für übermüdungsbedingte Unfälle würden allein
in Deutschland auf 20 Milliarden Mark jährlich geschätzt.
Weltweit beliefen sich die Kosten auf mehr als 400 Milliarden
Dollar.
Obwohl chronische Schlafstörungen nach Ansicht Zulleys eine
behandlungsbedürftige Krankheit darstellten, blieben Schlafstörungen
häufig unerkannt und daher unbehandelt. Auch die Betroffenen würden
ihren Schlafproblemen kaum Bedeutung beimessen. Höchstens die Hälfte
aller Schlafgestörten konsultiere deswegen einen Arzt. Nach
Expertenschätzungen werden nur zehn Prozent der Schlafstörungen
ärztlich behandelt, berichtete Zulley.
Die Folgen anhaltender Schlaf-Wach-Störungen seien nicht nur
Symptome wie Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen
oder erhöhtes Unfallrisiko. Schlaflosigkeit könne auf die Dauer
auch zu ernsthaften gesundheitliche Problemen führen, sagte
Zulley. Bei Menschen, die regelmäßig weniger als sechs Stunden
schlafen, erhöhe sich das Sterblichkeitsrisiko um 30 Prozent.
Fast jeder dritte Patient mit Tageschläfrigkeit entwickle eine
Depression.
Für die Behandlung chronisch Schlafgestörter habe sich vor allem
eine Kombination aus verhaltenstherapeutischen Maßnahmen und
Medikamenten bewährt, berichtete Geert Mayer, Chefarzt der
Neurologischen Klinik Hephata in Schwalmstadt-Treysa (Hessen).
Wesentliche Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie sei jedoch
eine frühzeitige qualifizierte Diagnose.
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