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Stress
mit den Eltern macht Jugendliche anfällig für Drogen - 500.000
Jugendliche nehmen Partydroge Ecstasy
Köln/Berlin/Hamburg
(29.06.2000) - Eine intakte Familie kann Jugendliche vor dem Griff
zu Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen schützen. Häufige
Konflikte mit den Eltern machten dagegen anfälliger für
Suchtstoffe. Das teilte die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZGA) in Köln anlässlich des Welt-Drogentages am
26. Juni mit. Dabei beruft sie sich auf eine Studie des Zentrums für
Kindheits- und Jugendforschung der Universität Siegen, für die
840 Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren befragt
wurden.
Laut der Untersuchung verzichteten Kinder, die ihre Eltern schätzen
und sich bei ihnen wohlfühlen, eher auf Zigaretten und Alkohol
als Altersgenossen, die ihr Zuhause als stressreich erleben.
Beispielsweise rauchten 66 Prozent der Jugendlichen aus
Konfliktfamilien. In partnerschaftlich ausgerichteten Familien
dagegen sei das nur bei 30 Prozent der Befragten der Fall.
Ähnlich sehe es beim Thema Alkohol aus: Hier griffen 61 Prozent
der jungen Menschen aus Konfliktfamilien regelmäßig zur Flasche,
während es in intakten Familien nur 39 Prozent seien. Beim Konsum
illegaler Drogen wie Haschisch lagen die Kinder aus angespannten
Verhältnissen mit 13 Prozent ebenfalls vorne. Unter den
Jugendlichen aus funktionierenden Familien gaben nur fünf Prozent
an, bereits derartige Drogen konsumiert zu haben.
Rund eine Woche vor der Love Parade in Berlin hat das
Gesundheitsministerium vor der Partydroge Ecstasy gewarnt. Nach
Studien sei davon auszugehen, dass allein in Deutschland 500.000
junge Menschen Ecstasy nehmen. Dabei dürfte der Konsum in der
Techno-Szene höher sein als unter den Jugendlichen insgesamt,
vermutete die Drogenbeauftragte der Regierung und Parlamentarische
Staatssekretärin, Christa Nickels, am Donnerstag in Berlin. Zur
Love Parade am 8. Juli werden mehr als eine Million junge Menschen
erwartet.
Eine im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellte Studie der
Hamburger Universität, die am Donnerstag in der Hansestadt
vorgestellt wurde, macht die "Partydroge" Ecstasy für
teilweise dramatische Gehirnschäden verantwortlich. Dies ergab
die bisher größte medizinische und psychologische Untersuchung,
die von Wissenschaftlern der Hamburger Universität im Auftrag des
Bundesgesundheitsministeriums durchgeführt wurde.
In der über mehrere Jahre laufenden Studie mit 107 Ecstasy-
Konsumenten und 52 Vergleichspersonen fanden die Suchtforscher
"vielfältige Hinweise für das neurotoxische Potenzial der
Droge", die Gehirnnerven so stark vergiftet, dass messbare
Schäden entstehen. Bei 60 Prozent der Dauerkonsumenten stellten
sie durch Tests deutliche Gedächtnisstörungen fest, dazu
drastische weitere Leistungsminderungen.
Über ein Viertel der Pillen-Schlucker litt an schweren
psychischen Störungen wie Halluzinationen, Wahn und
Panikattacken. Aufnahmen von Gehirnschichten, die Nuklearmediziner
machten, und die Messungen von Gehirnströmen (EEG) zeigten bei
einigen Testpersonen deutlich verringerte Gehirnaktivitäten. Gedächtnisstörungen
und sonstige messbare Leistungsminderungen des Gehirns haben
demnach vor allem Dauerkonsumenten zu befürchten. Bei acht
Prozent der rund 100 Probanden seien die Folgen auf Ecstasy zurückzuführen,
bei 14 Prozent auf ein Gemisch mehrerer Drogen, schreiben die
Mediziner.
Auch Nickels warnte vor Ecstasy-Nebenwirkungen wie
Herz-Kreislauf-Störungen, Nieren- und Leberschäden bis zu
Angstzuständen und Depressionen. Die in der Studie zitierten
toxischen Hirnschäden können nach Ansicht Nickels jedoch nicht
auf den Konsum von Ecstasy allein zurückzuführen sein, sondern
nur auf ein Gemisch mehrerer Drogen.
Die Drogenbeauftragte wandte sich aber dagegen, jugendliche
Konsumenten strafrechtlich zu verfolgen. Vielmehr sehe das Gesetz
vor, dass die Staatsanwaltschaften bei geringen Mengen zum
Eigenkonsum das Verfahren einstellten. Ansonsten bestehe die
Gefahr, dass die Konsumenten in die harte Drogenszene abdriften
oder aus Angst vor der Polizei in Notfällen keine Hilfe holten,
meinte Nickels. Die Bundesregierung setze daher auf Aufklärung
und Prävention. Beispielhaft verwies sie auf ein Modellprojekt
"Designerdrogen-Sprechstunde" in Rostock.
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