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Welt-Alzheimer-Kongress 2000 sucht Ursachen des schweren Leidens - Hoffnung auf Impfung

Washington (11.07.2000) - Mehr als 5.000 Experten aus aller Welt versuchen bei einem zehntägigen Informationsaustausch in Washington, die Ursachen der Alzheimer-Krankheit zu ergründen. Der Welt-Alzheimer-Kongress 2000 wurde am Sonntag in Anwesenheit von Gästen wie Maureen Reagan, einer Tochter des früheren US-Präsidenten, eröffnet. Ronald Reagan leidet wie zwölf Millionen andere Menschen weltweit unter dieser am häufigsten vorkommenden Form geistiger Demenz.

In Deutschland dürfte sich die Zahl der Alzheimer-Kranken durch die Verschiebung der Alterspyramide in den kommenden zehn Jahren von derzeit 900.000 auf 1,7 Millionen fast verdoppeln, schätzen die Mediziner. Typisch für die Alzheimer-Krankheit sind erhebliche Gedächtnisstörungen. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis, es kommt zu Sprach- und Orientierungsstörungen. Im schweren Fällen können die Patienten nicht mehr kommunizieren und brauchen selbst bei einfachsten Handlungen, wie beim Ankleiden oder Waschen, Hilfe. Trotz jahrelanger intensiver Forschungen sind Demenzerkrankungen noch immer unheilbar.

Alzheimer-Forscher sind optimistisch, sich bald ein besseres Bild von dem rätselhaften Leiden machen zu können. Eine Reihe neuer Untersuchungen wirft Licht auf die molekularen Veränderungen im Hirn der Patienten. Die Hauptmerkmale sind dichte Klumpen aus Protein, so genannte Plaque, und lockenförmige Fibrillen in den Nervenzellen des Hirns. Doch noch ist nicht klar, ob die Plaque und/oder die Locken die Krankheit auslösen oder nur die sichtbaren Hinweise auf einen anderen, bisher noch unbekannten Prozess sind.

Das tückische Leiden ereilt jeden zehnten über 65 Jahren und jeden zweiten im Alter von 85 Jahren und darüber. Die Betroffenen haben nach der Diagnose der Krankheit im Durchschnitt noch acht Jahre Lebenserwartung. 70 Prozent von ihnen verbringen diese Zeit in der Obhut ihrer Familie.

Obwohl das Leiden bereits 1906 von dem deutschen Arzt Alois Alzheimer identifiziert worden war, gibt es bis heute kein Mittel, das den geistigen und körperlichen Verfall der Kranken aufhält oder revidiert. Hoffnung darauf, die Alzheimer-Krankheit in Zukunft früher diagnostizieren zu können, verheißen jüngste US-Studien mit der so genannten funktionalen Kernspintomographie. Die derzeit übliche Diagnose durch Eliminierung anderer Leiden trifft in etwa 90 Prozent aller Fälle zu und kann nur durch Autopsie nach dem Tod bestätigt werden.

Seit der deutsche Arzt Alois Alzheimer die Krankheit nach Autopsien seiner Patienten definierte, sind ihre zwei Hauptmerkmale bekannt: dichte Klumpen von Eiweißstoffen, so genannte Plaque, und lockenförmige Fibrillen in den Nervenzellen des Hirns. Doch auch knapp 100 Jahre nach der Identifizierung von Alzheimer ist Forschern noch nicht klar, ob die Plaque und/oder die Locken die Krankheit auslösen oder nur die sichtbaren Hinweise auf einen anderen, bisher noch unbekannten Prozess sind.

Wenigstens vier Gene sind an der Entstehung des Leidens beteiligt. Forscher testen derzeit mehrere Gentherapien und rund 60 Substanzen, darunter auch ein Vakzin, die der Krankheit einmal Einhalt gebieten könnten. Die bisher verfügbaren Medikamente bremsen lediglich ihren Verlauf und sind teils schwer verträglich. Im Endstadium der Krankheit sind 50 Milliarden Gehirnzellen ausgefallen, normalerweise sterben im Laufe des Alterungsprozesses zwei Milliarden Zellen ab. Medikamente, die die Hirntätigkeit unterstützen, können den Krankheitsverlauf verzögern. Hoffnung verheißen vor allem ein erster experimenteller Impfstoff gegen die Krankheit und mehrere Substanzen, die bei Tieren Erfolg hatten.

Einige Studien lassen schließen, dass alternative Wirkstoffe wie Vitamin E, Ginkgo Biloba und das Hormon Östrogen einen gewissen positiven Effekt in der Behandlung von Patienten haben. Huperzin A, ein Moos-Extrakt, das aus der traditionellen chinesischen Medizin bekannt ist, wirkt nach ersten Erkenntnissen von US-Forschern genau so wie die drei am häufigsten verschriebenen Alzheimer-Medikamente. Das alternative Mittel kann gefährlich werden, wenn es zusätzlich mit den Pharmamitteln eingenommen wird, weil es die Dosis der Wirkstoffe verdoppelt, warnt die amerikanische Alzheimer-Gesellschaft.

Experimenteller Impfstoff gegen Alzheimer nimmt erste Hürde:
Reduktion der Plaque um sensationelle 99 Prozent


Ein experimenteller Impfstoff gegen die Alzheimer-Krankheit ist nach ersten Erkenntnissen seines Herstellers auch für Menschen sicher und unbedenklich. Der Impfstoff hatte die Alzheimer-Krankheit im Tierversuch zum Stillstand gebracht und teils auch geheilt. Außerdem schützte er gesunde Mäuse vor der Entstehung dieser geistigen Demenz.

Forscher der Pharmafirma "Elan Pharmaceuticals" stellten ihre Daten heute auf dem ersten Welt-Alzheimer-Kongress in Washington vor. Sie äußerten die Hoffnung, die erste Phase der klinischen Versuche an Menschen noch in diesem Jahr abzuschließen. Danach könnte das Vakzin in Phase II der Studie an Hunderten von Menschen in Großbritannien und den USA auf seine Wirksamkeit untersucht werden.

Bei Mäusen hatte das Vakzin die typischen Eiweiß-Klumpen im Hirn, Plaque genannt, drastisch reduziert. Sprecher von Elan bezifferten den Abbau der Plaque auf bis zu 99 Prozent. Allerdings ist bisher noch nicht klar, ob Plaque die Ursache der Alzheimer-Krankheit ist oder nur ein von einem anderen, bisher noch unbekannten Prozess hervorgerufenes Symptom. Forscher des Brigham and Women's Hospital in Boston testeten eine ähnliche Substanz in Form von Nasenspray an Mäusen aus und fanden, dass sich nicht nur die Plaque in ihrem Hirn zurückbildete, sondern auch das Verhalten verbesserte.


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