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Auf
der Suche nach dem perfekten Körper - Fitness-Sucht und Isolation
Los
Angeles (20.07.2000) - Von Ayala Goldmann. Sie fühlen sich
schuldig, wenn sie nicht jeden Tag 15 Kilometer joggen. Sie heben
Gewichte bis zum Umfallen und lassen Verabredungen sausen, um länger
im Fitness-Zentrum zu trainieren. Im Prominentenviertel Malibu bei
Los Angeles hat eine Privatklinik die Behandlung von Fitness-Süchtigen
fest in ihr Programm aufgenommen, und im Internet wimmelt es von
Betroffenen, die ihre Leidensgeschichten veröffentlichen.
"In Los Angeles kann man mehr Fitness-Süchtige finden als in
jedem anderen Ort", sagt die Psychologin Irene Rubaum-Keller,
die in der Filmmetropole eine private Praxis betreibt: "Hier
will jeder aussehen, wie ein Hollywood-Star."
Rubaum-Keller, die sich selbst als "geheilte Süchtige"
betrachtet, hat sich früher zwei Stunden täglich in Aerobic geübt
und danach noch Gewichte gehoben. "Aber irgendwann habe ich
gemerkt, dass das Training für mich eine Flucht war", sagt
sie. Unter den Joggern am Strand von Santa Monica, die dort mit
oder ohne Walkman ihre Meilen zurücklegen, blieben ihr die
Leidensgenossen nicht verborgen: "Es gab einen Mann, der
rannte dort jeden Morgen von sechs bis neun, und dann wieder
nachmittags von drei bis fünf - inzwischen hat er mit dem Joggen
aufgehört und ist ein fanatischer Hobby-Gärtner geworden."
Während nach landesweiten medizinischen Erhebungen 60 Prozent der
Amerikaner zu wenig oder gar keinen Sport treiben, ruiniert sich
eine Minderheit auf der Jagd nach dem "richtigen" Körperbild
die Gesundheit - angefangen von verstauchten Knöcheln bis hin zum
völligen körperlichen Zusammenbruch. Anfällig für die
Fitness-Sucht sind sowohl Männer als auch Frauen. Umfassende
statistische Erhebungen gibt es nicht. Unter den betroffenen
Patienten behandeln Psychologen nach eigenen Angaben häufig
magersüchtige Frauen, ehemalige Alkoholiker und Ex-Junkies, die
eine "gesündere" Abhängigkeit gewählt haben.
Der bekannte amerikanische Marathonläufer Richard Benyo bestätigt
diese Einschätzung in einem Beitrag der Internet-Website des
"Road Runners Club of America": "Manch einem hat
das Langstreckenlaufen geholfen, eine unlängst abgelegte
"negative" Abhängigkeit von Alkohol oder Zigaretten
durch eine "positive" Sucht zu ersetzen. Reino, der sich
ebenfalls als "geheilt" betrachtet, legt gefährdeten
Joggern einen Zehn-Punkte-Katalog vor, um den Grad ihrer Abhängigkeit
zu bestimmen. Eine der Fragen lautet: "Ist ein Tag ohne
Laufen wie ein Tag ohne Sonnenschein?"
Als "medizinische" Ursache für Fitness-Abhängigkeit
werden immer wieder Glückshormone (Endorphine) genannt, die während
intensiver Sportaktivität im Körper ausgeschüttet werden.
Psychologen dagegen sehen die Verantwortung bei den Abhängigen:
"Sie sind nicht fähig, mit Leuten umzugehen und über
Probleme zu sprechen. Stattdessen gehen sie lieber
trainieren", sagt eine Expertin. Und im Fitness-Zentrum kann
sich die Isolation sogar noch verschärfen: "Jeder übt für
sich allein. Man darf es ja gar nicht wagen, jemanden auf dem
Laufband nebenan anzusprechen", sagt ein Student in Los
Angeles.
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