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 Psychotherapie News  Juli 2000   Psychotherapie
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Angst vor dem "Brüllaffen" von nebenan? - Forscher finden eine Ursache für Aggression im Hirn

Washington (27.07.2000) - Menschen, die sehr gewalttätig und aggressiv sind, könnten einer US-Studie zufolge veränderte Gehirnstrukturen besitzen. Die Forscher fanden bei 500 extrem aggressiven Menschen, darunter auch 41 Mördern, Störungen im Hirn, die sie für die Ursache impulsiver Gewaltausbrüche halten. Im Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 289, S. 591) vom Freitag beschreiben sie solche Aggressivität als "die Unfähigkeit des Hirns, Emotionen ordnungsgemäß zu verarbeiten".

Das menschliche Hirn sei mit einem Kontrollmechanismus zur Verarbeitung negativer Empfindungen ausgestattet. Wenn dieses System zusammenbreche, gebe es kein Halten mehr für gewalttätige Aktionen, berichtet das Team um Richard Davidson von der Universität von Wisconsin in Madison.

Eingebunden in dieses komplexe Kontrollsystem sind nach Erkenntnis der Forscher vor allem folgende Bereiche des Hirns: Das Stirnhirn direkt über der Augenhöhle (orbital frontal cortex), der so genannte Mandelkern, der beim Verarbeiten von Gefühlen eine Rolle spielt, und ein Bereich, der den Verbindungsbalken zwischen den beiden Hirnhälften ummantelt (anterior cingulate cortex).

Die entscheidende Rolle bei der Kontrolle impulsiver Ausbrüche spiele der Bereich im Stirnhirn. Die Ummantellung des Gehirnbalkens stelle als Reaktion auf einen Konflikt die Verbindung zu anderen Hirnregionen her. Der winzige, aber sehr einflussreiche Mandelkern (Amygdala) produziere dann die von Furcht und anderen negativen Gefühlen gesteuerte Reaktion.

Störungen in einem vergleichbaren Netzwerk seien bereits als Ursache psychischer Krankheiten bekannt, darunter Depressionen und schwere Angstzustände. Nach Meinung des Teams um Davidson stellt die jetzt gelungene Identifikation der beteiligten Hirnzentren in Aussicht, die Ursache gewalttätigen Handelns intensiv untersuchen und später auch behandeln zu können. Davidson und Kollegen waren bei der Analyse von Hirnaufnahmen der gut 500 krankhaft aggressiven Probanden auf die Gehirnbereiche gestoßen.

Bei vielen Probanden war die normale Hirnaktivität im Stirnhirnbereich und der Verbindungsstruktur gestört oder überhaupt nicht existent, während der Mandelkern normal oder sogar besonders aktiv arbeitete. Laut Davidson könnte die Unfähigkeit des Hirns, den Mandelkern über die zwei Kontrollregionen zu regulieren, für explosive Ausbrüche auf bedrohende Situationen verantwortlich sein. Erbfaktoren und schlechte soziale Bedingungen könnten diesen Prozess noch fördern und das Risiko für Gewaltausbrüche vervielfachen.


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