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Psychostress hemmt das Wachstum von Kindern - Früherkennung oft
unzureichend
Hannover
(29.07.2000) - Immer mehr Kinder in Deutschland bekommen aus
psychosozialen Gründen Wachstumsstörungen. "Vor allem
Kleinkinder reagieren auf schlechte soziale Umstände", sagte
Prof. Michael Ranke, Kinderarzt und Leiter der Abteilung für
Hormon- und Wachstumsstörungen der Universitätsklinik Tübingen,
in Hannover. Dort stand der Weltkongress "Medicine meets
Millennium" am Samstag unter dem Motto Kindergesundheit. Die
Betroffenen stellten dabei ihr Wachstum nicht bewusst ein, wie
etwa der Blechtrommler Oskar Matzerath im Roman von Günter Grass.
Vielmehr wirkten die Einflüsse auf das Großhirn, das bei der
Ausschüttung von Wachstumshormonen eine Rolle spiele.
Generell würden in Deutschland Wachstumsstörungen bei Kindern
oft erst spät erkannt. "Das regelmäßige Messen von Gewicht
und Körpergröße gehört eigentlich zum normalen Vorsorgekanon
beim Kinderarzt. Doch es wird oft nicht genügend ernst
genommen", sagte Ranke. Dabei sei es sehr wichtig, dass
derartige Probleme rechtzeitig behandelt würden. "Je
früher, desto besser - denn spätestens bei Schulantritt merkt
ein Kind, dass es klein ist und spürt die soziale
Zurücksetzung."
Während Großwuchs auch durch die Zahl hoch gewachsener Models
mittlerweile gesellschaftlich relativ anerkannt sei, stelle
Kleinwuchs für die meisten Betroffenen immer noch ein Problem
dar. "Es geht auch um die soziale Größe - Kleinsein gilt
immer auch als schwach, feige, wenig kompetent", sagt Ranke.
Wenn ein Mädchen absehbar nicht größer als 1,50 Meter werde und
ein Junge höchstens 1,60 Meter, dann sei eine Behandlung
angezeigt. Etwa eines von 4.000 Kindern hat einen Mangel an
Wachstumshormonen, die ihm dann ein Leben lang verabreicht werden
müssen. Die Ersatztherapie sei zum Glück relativ
nebenwirkungsarm.
Meist sei dieser Mangel angeboren. Es gebe aber auch eine
wachsende Zahl von Kindern, die nach einer erfolgreichen
Krebstherapie, etwa nach Leukämie, Probleme mit dem Wachstum
bekämen, erläuterte Ranke. 95 Prozent der Wachstumsstörungen
sei jedoch durch andere, zum Teil noch unbekannte Ursachen
bedingt. Oft seien sie auch vorübergehend und würden
anschließend problemlos wieder aufgeholt. "Auch wenn ein
Kind eine Grippe hat, wächst es in diesen Tagen nicht."
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