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Die mörderische Fratze der Profitgier: WHO legt Beweise für Anti-WHO-Machenschaften der Tabakindustrie vorGenf/Kopenhagen (02.08.2000) - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat schwere Vorwürfe gegen die Tabakindustrie erhoben. Die internationalen Tabakkonzerne hätten vermeintlich unabhängige Wissenschaftler heimlich bezahlt und in die Organisation geschleust, um den Kampf gegen das Rauchen zu untergraben, heißt es in einem WHO-Bericht, der am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurde. Vertreter der Entwicklungsländer seien massiv beeinflusst worden, um die WHO auf andere Themen als Anti-Raucher-Kampagnen zu verpflichten.Die Konsequenzen der Einflussnahme seien schwer abzuschätzen, sagte der Leiter des Tabak-Programms, Derek Yach. "Es sterben heute sicherlich mehr Menschen jedes Jahr an Raucherkrankheiten, als das ohne diese Machenschaften der Fall gewesen wäre." Nach Angaben der WHO sterben jedes Jahr vier Millionen Menschen an Krankheiten, die durch das Rauchen ausgelöst werden. Die WHO bezog sich bei ihren Recherchen auf mehrere tausend vertrauliche Strategiepapiere und interne Mitteilungen der Tabakkonzerne. Deren Veröffentlichung hatten US-Richter im Rahmen der Milliardenklagen amerikanischer Raucher im vergangenen Jahr erzwungen. Daraus geht etwa hervor, dass ein amerikanischer Rechtsanwalt in Diensten des WHO-Regionalbüros für Amerika dem Zigarettenhersteller British American Tobacco (BAT) ein monatliches Beraterhonorar in Rechnung stellte. Paul Dietrich habe sich dafür eingesetzt, mehr Ressourcen für Impfkampagnen und weniger für Anti-Tabak-Programme auszugeben. Den Autoren gegenüber bestritt Dietrich, von der Tabakindustrie bezahlt worden zu sein. Ein Forschungsinstitut der Tabakindustrie, CORESTA, platzierte ihren Mitarbeiter als Berater einer WHO-Kommission, die die Krebsgefahr von Pestiziden auf Tabakplantagen untersuchte. Gaston Vettorazzi, der die Pestizide als sicher einstufte, erhielt Anfang der 90er Jahre mehr als 100.000 Dollar (211.000 Mark) von CORESTA. Die Tabakindustrie spielte die Bedeutung des WHO-Berichts herunter. "Obwohl viele dieser Dokumente gegnerische Positionen und oft Konfrontationseinstellungen auf beiden Seiten widerspiegeln, glauben wir nicht, dass sie die Schlussfolgerung beweisen, dass Philip Morris Obstruktionen der WHO-Gesundheitsbotschaften über Tabak oder seine Tabak-Kontrollinitiativen betrieben hat", teilte David Davies, Vizepräsident von Philip Morris International, am Europasitz des Konzerns in Lausanne mit. Die WHO schließe die Tabakindustrie von jedem Dialog aus, sagte der BAT-Direktor Michael Prideaux am Mittwoch in London. "Vor diesem Hintergrund ist es nur natürlich und völlig legitim, dass British American Tobacco und andere - manchmal über Dritte - versuchen, neue Informationen in die wichtigen Debatten in der WHO einzubringen." Die Autoren fanden Beweise, dass die Tabakindustrie bei WHO- Konferenzen angeblich unabhängige Experten gezielt etwa auf Vertreter von Entwicklungsländern ansetzte. Die Botschaft: Anti-Tabak-Kampagnen schaden euren Tabakbauern. Die WHO sollte sich besser um Impfaktionen und Malaria kümmern. Setzt euch für eine Umverteilung der WHO-Ressourcen ein. "Dass die Tabakindustrie alle Versuche, das Rauchen einzudämmen, bekämpft, ist keine Überraschung", heißt es in dem Bericht. "Was aber hier klar wird, sind das Ausmaß, die Intensität und vor allem die Taktik der Kampagnen der Tabakindustrie." Die WHO-Experten empfehlen dringend, den Einfluss der Tabakindustrie in allen Mitgliedsländern zu untersuchen. Für Mitarbeiter der WHO wurde bereits die strikte Anweisung erlassen, alle finanziellen Beziehungen zu Industrieverbänden offen zu legen. Dänemarks Zigarettenindustrie veröffentlicht Liste mit Zusatzstoffen Die Zigarettenindustrie in Dänemark hat am heutigen Dienstag in Kopenhagen eine Liste mit allen bei der Herstellung verwandten Zusatzstoffen veröffentlicht. Unter den 37 bisher zum Teil geheim gehaltenen Stoffen sei mit Ammoniumhydroxid auch ein Stoff, der die Nikotinaufnahme in der Lunge beschleunige und so die Abhängigkeit des Rauchers erhöhe, erklärte ein Pharmakologe von der Universität Kopenhagen im Rundfunk. Er hob aus der Liste weiter Lakritze als Substanz zur Erhöhung des Zigarettenkonsums hervor, mit der die Reizung der Schleimhäute gemildert würde. Die ebenfalls aufgeführten Kakaoextrakte weiteten die Lungenoberfläche aus, was die Aufnahmefähigkeit für Nikotin erhöhe. Zur Verwendung von Magnesiumoxid hieß es, damit werde der Rauch optisch verändert, um passive Raucher zu beruhigen. Die Zigarettenindustrie in Dänemark hat sich eigenen Angaben zufolge nach Gesprächen mit der Regierung international als erste freiwillig bereit gefunden, die Zusatzstoffe zu veröffentlichen. Gesundheitsministerin Sonja Mikkelsen erklärte, die staatlichen Aufsichtsbehörden würden die Liste genau analysieren und der Regierung anschließend Verbote aller gesundheitsgefährdenden oder die Abhängigkeit von Nikotin zusätzlich fördernden Stoffe vorschlagen. Ein Sprecher der Skandinavisk Tobakskompagni als Marktführer erklärte, Ammoniak werde nicht in dänischen, sondern "wohl in einer importierten Marke" verwandt. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 02. August 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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