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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Die tolerante Familie: Homosexuelle sind laut Studien vorbildliche Eltern

Hamburg (03.08.2000) - Ein schwuler Vater oder eine lesbische Mutter sind mehreren Studien zufolge ebenso gute Eltern wie Heterosexuelle. Nach einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" vom heutigen Donnerstag lernen deren Kinder zudem eher Toleranz und sind emotional stabiler.

Das zählebige Vorurteil von der Promiskuität des schwulen Vaters und dem Männerhass der lesbischen Mutter unterstellt, beide taugten nicht als positives Vorbild. Für christliche Politiker gilt schon die rechtliche Gleichstellung jeder Liaison, die vom klassischen Muster der Fortpflanzungseinheit Mann-Frau abweicht, als ein "inakzeptabler Einschnitt in die gesellschaftspolitischen Grundvorstellungen" (Merkel) oder der "absolut falsche Weg" (Stoiber). Bis sich bei solchen Vorurteilen hierzulande gleichgeschlechtliche Paare ans Adoptieren oder mittels externer Hilfestellung ans Zeugen machen dürfen, kann es noch lange dauern. Allerdings: Die Wirklichkeit widerlegt diese Vorurteile.

Die Soziologin Gill Dunne vom Gender Institute der Londoner School of Economics hat in einer Studie die Kinder von hundert schwulen Männern untersucht. Demnach könnten heterosexuelle Väter sich die "Homokollegen" sogar zum Vorbild nehmen. "Ist der Papa anders, lernen die Kinder, mit Unterschieden zurechtzukommen. Ob schwul, ob Flüchtling, ob schwarz - die Kinder entwickeln ein größeres Maß an Toleranz gegenüber Menschen, die sich von der Norm unterscheiden", sagt Dunne. Sie vermutet, dass sogar die eigene Persönlichkeit schneller reift. "Die Kinder begannen, sich selbst zu definieren. Sie fragten sich: Wer bin ich? Wie bin ich?"

In den von Dunne untersuchten Vaterkarrieren erhielt jeder vierte geschiedene Schwule die Kinder zugesprochen und ebenso viele behielten das gemeinsame Sorgerecht. In fast allen übrigen Fällen blieben die Väter in engem Kontakt mit der Familie. Ein Ergebnis, das Dunne in der eher auf Freundschaft als nur auf sexueller Anziehung fußenden Beziehung begründet sieht.

Weitere Untersuchungen, vor allem aus den USA und England, haben laut "Zeit" ergeben, dass homosexuelle Väter im Durchschnitt eine stabilere Umwelt für ihre Kinder bereitstellten und mehr positive Beziehungen zu ihren Kindern aufbauten als heterosexuelle Väter. Schwule geben ihren Kindern mehr Erklärungen und reagieren stärker auf kindliche Signale als die heterosexuellen Kollegen, heißt es in dem Bericht. Von lesbischen Eltern erzogene Kinder zeichneten sich durch besondere emotionale Stabilität aus, belegte die US-Psychologin Charlotte Patterson in mehreren Studien.

Die negativen Wirkungen homosexueller Lebensstile resultieren nach Ansicht des Kieler Pädagogikprofessors Uwe Sielert aus Scheidungsfolgen, Negativreaktionen der Verwandten, Diskriminierungen in der Gemeinde oder ein spätes Coming-out des Vaters.

Ein weiteres Vorurteil, so der Bericht der "Zeit", ist längst ausgeräumt worden: "Keine Untersuchung konnte nachweisen, dass Schwule zum Schwul- und Lesben zum Lesbischsein erziehen. Die Kinder der Million homosexuellen Eltern in Deutschland werden also wie der Rest der Bevölkerung, zu sechs bis neun Prozent schwul oder lesbisch sein".

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 03. August 2000]

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