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Psychotherapie
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Urlaubsstress und Scheidung - oder Erholung für den Alltag: Der richtige Mix macht's - Psychotherapie besser als ScheidungRom/Bad Driburg/Stuttgart (08.08.2000) - An Italiens Stränden greift der "Ehepartner-Stress" um sich. Etwa jedes dritte italienische Urlauberpaar sei betroffen, teilte das Institut für Psychologie in Rom nach wissenschaftlichen Erhebungen gestern mit. Die "Krankheit" befalle etwa eine Woche nach Ferienbeginn hauptsächlich die Ehemänner und führe zu Kopfweh, Muskelschmerzen, Ausschlag und Appetitlosigkeit. Für die Untersuchung seien mehr als 400 Urlaubs-Ehekrisen analysiert worden.Demnach gehen sich viele Paare schon nach kurzer Zeit gegenseitig auf die Nerven. In 65 Prozent der Fälle seien die Ehemänner am stärksten betroffen. Sie empfänden es als Diktat, typisch weibliche Beschäftigungen wie Kinder hüten, Einkaufen gehen oder das Ferienhaus putzen erledigen zu müssen. Hauptrisikogruppen seien Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren; Ärzte, Anwälte und Selbstständige, die außerhalb der Ferienzeit wenig in den familiären Alltag eingebunden seien. Ein Szenario, das sich ähnlich wohl auch bei deutschen Familien abspielt: Jede dritte Scheidung wird nach dem gemeinsamen Urlaub eingereicht, sagt Dietmar G. Luchmann, Psychotherapeut und Direktor des Stuttgarter ABARIS Institutes für Moderne Psychotherapie und Verhaltensmedizin. Paare, die nach Ergebnissen statistischer Untersuchungen im Alltag gerade zehn Minuten am Tag miteinander reden, haben im Urlaub eine fast unbegrenzte Zeit füreinander. Oder gegeneinander, wenn sie an unterschiedlichen Wunschvorstellungen scheitern und eine ausgewogene Gestaltung der Urlaubswochen nicht gelingt. "Das ist ein Wechsel, den manche nicht so ganz verkraften", erklärte Paartherapeut Luchmann am 20.07.2000 in einem ARD-Gespräch zum Thema Urlaub und Streit: "Wo die Partner sich im Alltag noch hinter den Erfordernissen der täglichen Routine verstecken können, haben sie im Urlaub die ganze Breite der Selbstentfaltung zur Verfügung. Wenn zwei Menschen sehr verschieden sind, wird es naturgemäß schwierig. Das Problem ist, dass zu wenig in angemessener Weise vorher überlegt wird, wie der Urlaub so gestaltet werden kann, dass er den eigenen Bedürfnissen entspricht und gleichwohl miteinander in einer partnerschaftlichen Weise zu einem Konsens geführt werden kann." Überzogene Urlaubs-Erwartungen können nach Auskunft des Wirtschaftspsychologen Alfred Gebert die schönsten Tage des Jahres gründlich verderben. "Am vernünftigsten ist es, im Urlaub ganz normal zu leben", sagte der Wissenschaftler in einem Gespräch. "Jeder sollte auf seinen Körper hören und seine Wünsche nach Muße, Geselligkeit und Sport am gesunden Mittelmaß orientieren." Gebert lehrt an der Fachhochschule des Bundes in Münster und hat Gruppendiskussionen zum Thema Urlaub psychologisch ausgewertet. Das Motto "Je teurer der Urlaub, desto schöner muss er werden", sei weit verbreitet, berichtete Gebert. Doch dies sei oft ein Trugschluss. "Familien mit Kleinkindern quälen sich durch das fremde Amerika, statt sich bei Opa und Oma in der Nähe mit Ferien in Freibad und Garten zu begnügen." Ältere, oft unsportliche Menschen starteten zu mehrtägigen Fahrradtouren. "Am ersten Tag sind alle glücklich", gab Gebert Berichte von Teilnehmern wieder. "Am dritten Tag aber treten Spannungen auf. Es bilden sich Cliquen, und am Ende sind alle froh, wenn es vorbei ist." Dennoch planten sie dann umgehend eine Neuauflage der Strapazen - möglichst noch weiter entfernt. Nach Darstellung von Psychotherapeut Luchmann sind es nicht nur überzogene Urlaubserwartungen, die zum Desaster führen. Dem Alltag geben feste Regeln seine Struktur, die von Beruf, Haushalt und Kindern bestimmt werden. Im Urlaub ist aus der breiten Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten immerfort eine Auswahl zu treffen, jeder Schritt und jede Unternehmung erfordern neue Entscheidungen. Auch dies kann leicht zum Stress werden. Männer und Frauen unterscheiden sich, was häufig übersehen wird, durch unterschiedliche Strukturen ihrer Nervenbahnen. Während Männer eher handlungsorientiert sind, suchen Frauen Lösungen mehr über das Gespräch zu finden. Aus diesen unterschiedlichen Lösungsstrategien der Partner entstehen viele Konflikte. Urlaubskrisen haben indes auch positive Seiten. "Wenn das Paar die Krise als Chance zur Veränderung erkennt, den Konflikt zur Weiterentwicklung der Beziehung und der eigenen Persönlichkeit zu nutzen vermag", sagt Luchmann, "dann kann der Urlaub sehr wohl zum schönsten Teil des Jahres werden und die Beziehung zu neuem Leben erwecken". Statt alle paar Jahre einen Scheidungsanwalt zu bezahlen, solle das Geld besser in die Entwicklung der Beziehung gesteckt werden. "Eine Scheidung ist in der Mehrzahl der Fälle die schlechtere Lösung, weil den Betroffenen ihre Fehler nicht bewusst sind, die dann in der nächsten Beziehung wiederholt werden", sagt Luchmann und fügt hinzu: "Ich habe großen Respekt vor Klienten, die zur Paartherapie kommen und sagen, 'Meine Beziehung ist mir den Preis von zwei Wochen Karibik wert'." Doch auch wer den Urlaub zum "Auftanken" nutzen konnte, kann den Erholungseffekt nicht immer in den Alltag retten: Wenn die braun gebrannten, gut erholten Kollegen mit ihren überschäumenden Berichten von Strand, Sonne und Sangria in deutschen Büros oder Fabrikhallen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, hat der Alltagstress die Urlaubsrückkehrer meist schon nach kurzer Zeit wieder genauso fest im Griff wie die Daheimgebliebenen. Wer verhindern will, dass sich seine gut gefüllte "Urlaubsbatterie" allzu schnell wieder entlädt, sollte das tun, was die meisten Touristen intuitiv richtig machen, rät Wolfram Enders, Präsident des Verbandes deutscher Badeärzte in Bad Oeynhausen: Einen vernünftigen Mix aus Bewegung und Ruhepausen, aus Stress und Gammeln suchen. Mit weniger als drei Wochen Urlaub, so schickt der in Bad Driburg bei Paderborn praktizierende Badearzt vorweg, lasse sich allerdings kein Erholungseffekt erzielen. Erst nach dieser Frist zeigten sich spürbare Verbesserungen, die subjektiv darin zu erkennen sind, dass man morgens frisch und ausgeschlafen sei und sich einfach wohl in seiner Haut fühlt. Diese Stimmung lässt sich konservieren, wenn der Heimkehrer nicht versucht, das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung im Alltag nur auf die Zeit nach der Arbeit zu verschieben. "Notwendige Ruhephasen kann man nicht nachholen. Das widerspricht dem biologischen Rhythmus", warnt Enders. Wer acht Stunden arbeite, brauche zwischendurch eine halbstündige Pause. Allerdings sei von einem hastigen Mittagessen in der Kantine, bei dem zudem die ganze Zeit mit den Kollegen geredet werde, kaum Erholung zu erwarten. "In einigen Betrieben gibt es Ruheräume mit gemütlichen Sesseln, wo die Mitarbeiter sich wirklich für eine Weile aus dem Trubel ausklinken können." Alternativen seien der Spaziergang im Park oder das Ausruhen in einer ruhigen Ecke des Betriebes. Dabei sollte das Mittagsmahl nicht allzu üppig ausfallen, die Essgewohnheiten am Urlaubsort seien auch für den Alltag empfehlenswert: "Das Richtige sind häufige, aber kleinere Mahlzeiten", so Enders. Doch so schön die lockere Atmosphäre im Urlaub war: In der Heimat sollte die Freizeit nach Auffassung des Mediziners geplant werden. "Man muss seiner emotionalen Trägheit entgegenwirken." Dazu könne gehören, sich abends nicht einfach vom Fernseher berieseln zu lassen, sondern ein gutes Buch zu lesen, das der eigenen "geistigen Enge" entgegenwirke. Auch ein individuelles Fitness-Programm sollte festgelegt werden. Am besten ist es laut Enders, im Terminkalender mindestens zweimal wöchentlich fest eine halbe Stunde sportliche Betätigung einzutragen - beispielsweise mit Tennisfreunden ein regelmäßiges Match am Donnerstag- oder Freitagabend. "Wer dann fehlt, kriegt von den anderen Dampf." [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 08. August 2000] In den Medien
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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