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Schönheitsideal und Realität klaffen auseinander: Barbie-Image macht krankHannover/Aachen (09.08.2000) - Die Kluft zwischen Schönheitsideal und Realität kann nach Expertenansicht psychosomatische Erkrankungen auslösen. Das so genannte Barbie-Image mit Idealmaßen sei ein Beispiel für das krankhafte Streben nach äußerlicher Perfektion, sagte Mechthild Neises von der Abteilung für psychosomatische Gynäkologie der Medizinischen Hochschule Hannover anlässlich der Ausstellung "Brustbilder" am 08.08.2000. Das Projekt der Internationalen Frauenuniversität (ifu) kann bis zum 31.08.2000 besucht werden.Die betroffenen Frauen betrachteten in vielen Fällen ihre Brust als Symbol ihrer Weiblichkeit sehr kritisch. Wenn ihre Brust nicht oder nicht mehr dem angestrebten Idealbild entspreche, könne dies psychosomatische Erkrankungen auslösen. Hierzu gehörten Magersucht und Bulimie (Ess- und Brech-Sucht). "Aber auch Frauen, die eine ganz durchschnittliche Brust haben, empfinden diese in vielen Fällen entweder als zu klein oder als zu groß", sagte Neises. Sie seien oft unsicher und wollten den Erwartungen anderer gerecht werden. Eine Erkrankung an Brustkrebs werde von Frauen, die sich an den geltenden Schönheitsidealen orientierten, als besonders belastend angesehen. "Dreißig bis fünfzig Prozent der Frauen erleiden nach der Diagnose einen Schock", sagte Neises. Hierbei spielten allerdings neben dem möglichen Verlust der Brust und der damit verbundenen äußerlichen Beschneidung der Weiblichkeit auch der Gedanke an den Tod eine wesentliche Rolle. Insgesamt sei die Zahl der psychosomatisch erkrankten Frauen fast doppelt so hoch wie die der Männer, sagte Neises. Allerdings geht die Medizinerin von einer feineren Körperwahrnehmung der Frauen aus. "Es wird zunehmend deutlich, dass Frauen in anderer Weise als Männer Symptome erleben und mitteilen", sagte die Expertin. Frauen nähmen ihre Beschwerden früher wahr und seien auch eher für eine medizinische Behandlung bereit. Insbesondere die Bulimie wird zu einer Volkskrankheit. Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an der Ess-Brechsucht. Betroffen seien bis zu drei Millionen Menschen. Viele von ihnen fürchteten um ihre Figur oder kämen mit den in der Werbung vorgegaukelten Schönheitsidealen nicht zurecht. Die Kranken essen mehrmals täglich - meist heimlich - und übergeben sich danach. Etwa 60.000 Menschen in Deutschland sind magersüchtig. Nicht wenige von ihnen hungerten sich zu Tode. Betroffen von Essstörungen sind zumeist Mädchen oder junge Frauen. Vielfach wird die Bulimie oder Ess-Brech-Sucht erst spät erkannt. Darauf machte das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) in Aachen aufmerksam. Oft werde die Krankheit erst vom Zahnarzt entdeckt, wenn durch das häufige Erbrechen bereits der Zahnschmelz angegriffen wurde. Ist die Bulimie diagnostiziert, sollte sofort mit einer psychotherapeutischen Behandlung begonnen werden, zu der auch das Erlernen eines normalen Essverhaltens gehört. Nach Angaben des DIET leiden mindestens drei Prozent aller jungen Frauen an der Essstörung, die durch ein von superdünnen Models vorgegaukeltes Schönheits- und Schlankheitsideal mitverursacht werde. Zehn Prozent aller Betroffenen seien inzwischen aber auch junge Männer, deren Zahl weiter steige. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 09. August 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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