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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD): Kroatische Kriegsveteranen zwischen Aggression und Depression

Zagreb (10.08.2000) - Von Carsten Hoffmann und Igor Medic. "Ich wachte in der Nacht auf, richtete die Waffe auf meine Stirn und drückte den Abzug. Ich drückte immer weiter, bis ich merkte, die Waffe war ungeladen", sagt Goran Majstorovic. Der 36 Jahre alte frühere Frontsoldat aus Kroatien trägt schwer an der Vergangenheit. Wie Tausende seiner Kameraden leidet er an einer posttraumatischen Belastungsstörung (post-traumatic stress disorder - PTSD): Selbstmordgedanken, Gewalttätigkeit und Depressionen verstellen den Veteranen den Weg zurück in ein normales Leben.

Die Krankheit ist auch bekannt als Vietnam-Syndrom. Lange nach der Rückkehr ins Zivilleben werden die Ex-Soldaten von Schlafstörungen, Nervosität, Aggression und so genannten flashbacks gequält. Spannungssituationen werfen sie dann psychisch zurück in die Zeit des Krieges. Seit 1980 ist die Krankheit in der Wissenschaft anerkannt. Herman Vukusic, Kroatiens führender Psychiater für PTSD, schätzt, dass 16 Prozent der 150.000 kroatischen Soldaten mit Kriegserfahrung aus den Jahren 1991-95 erkrankt sind.

"Wäre nicht der Krieg gekommen, würde ich weiter in einer Bank arbeiten und ein normales Leben haben. Jetzt mit PTSD, Schlafstörungen und 'flashbacks', widme ich mich nur noch meinen Waffenbrüdern und unseren Problemen, das ist jetzt mein Leben", sagt Majstorovic, Vorsitzender eines Verbandes kroatischer Kriegsveteranen.

Fast jeden Tag gibt es Zwischenfälle. "Noch ein kroatischer Veteran beging Selbstmord", berichten die Medien dann trocken, um nur noch bei spektakulären Gewaltausbrüchen genau zu berichten. So ließ im Mai des Jahres Vedran Sentic (25) zwei Handgranaten auf einem Postschalter in der ostkroatischen Stadt Vinkovci explodieren. Er selbst und der Postbeamte starben. Er hatte sich mit dem Mann über Ausweispapiere gestritten.

Dejan Posavec, ebenfalls 25 Jahre alt, feuerte mehr als 30 Schüsse auf seine Freundin ab und hatte zuvor angedroht, ein ganzes Gebäude in die Luft zu sprengen. Jetzt wird er in einem Krankenhaus behandelt.

Der von Majstorovic geführte Verband hat mehr als 4.700 Mitglieder aus vier Jahren Kriegzeit, doch die Zahl nimmt immer mehr ab. Nur wenige Fälle werden geheilt. Die schwer kranken Soldaten scheiden öfter durch Suizid, wegen Krankenhaus-Behandlung oder nach einer Inhaftierung aus.

"Wir haben den Krieg gewonnen, aber werden im Frieden bald von der Krankheit besiegt. Der Staat vernachlässigt unsere Probleme. Allein in dieser Woche wurden sechs Mitglieder hospitalisiert, nachdem man sie zu einer Gefahr für die Gesellschaft erklärt hat", sagt ein Mitglied des Verbandes.

Kroatien - wie auch die anderen Balkan-Nachkriegsstaaten - hat noch keine richtige Strategie im Umgang mit den Veteranen gefunden. Die Soldaten fühlen sich von Staat, Gesellschaft und auch ihren Familien verlassen. Wirtschaftliche Privilegien haben den Erkrankten nicht geholfen. Arbeitgeber fürchten heute, sie könnten unzuverlässig sein. Die psychisch Geschädigten halten sich oft selber für "unkontrollierbar". Besonders das Einschreiten von Polizisten irritiert sie.

"Ich bin depressiv. Alles geht mir auf die Nerven. Ich kann nicht schlafen, meine Hände zittern", schildert ein Mann in einem Zeitungsinterview sein schon sieben Jahre dauerndes Leiden. "Wäre nicht meine Frau, ich hätte unsere Tochter schon mit einer Flasche erschlagen. Aber sie warf sich dazwischen und rief, töte erst mich. Erst dann merkte ich, was ich fast getan hätte."

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 10. August 2000]

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