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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Erst Stress im Beruf dann krank im Urlaub - Wenn das Immunsystem bei der Erlebnis-Maximierung zusammenbricht

Stuttgart (11.08.2000) - "Endlich Urlaub", denken viele und wollen in diesen Tagen alles nachholen, was sie sich das ganze Jahr über nicht "erlauben" konnten. So kann das "Urlauben" leicht zum größten Kraftakt des Jahres werden. Kein Wunder, wenn für viele Reisende die schönsten Tage des Jahres dann ein abruptes Ende nehmen. Nach einem stressigen Alltag macht der Körper schon kurz nach der Ankunft am Urlaubsort schlapp.

Wer sich im Beruf bis an die Grenzen verausgabt und hofft, dann schnell Erholung zu finden, brauche sich nicht zu wundern. "Auch Urlaub bedeutet zuallererst Stress", sagte Joachim Kugler, Professor für Gesundheitswissenschaften an der Universität Dresden. Weniger als zwei Wochen zu verreisen, habe daher kaum einen Sinn, "denn der Körper braucht Zeit, um sich zu akklimatisieren".

Wer Freitagnachmittag im Feierabend-Verkehr zum Flughafen fährt, dann mehrere Stunden fliegt und am Reiseziel noch schnell ein Hotel suchen muss, brauche sich nicht wundern, wenn das Immunsystem schwächelt und Infektionskrankheiten nicht mehr abwehrt, sagte Kugler. Jetlag, Schlafmangel und ungewohnte klimatische Verhältnisse setzten dem Körper enorm zu.

Laut Prof. Gerhard Uhlenbruck von der Universität Köln nehmen sich viele im Urlaub einfach zu viel vor. "Jeder will braun werden, will viel erleben, will alles genießen. Urlaub ist aber eine Steigerung von 'erlauben'. Das heißt, sich etwas leisten, wofür sonst nie Zeit ist: lesen, spazieren gehen, gemütlich essen." Die Erwartungen an Gemeinsamkeiten und Harmonie sollten nicht zu hoch geschraubt werden. Experten empfehlen, mehr im Alltag zu leben und Genuss auch im Arbeitsprozess und in der Freizeit zu finden. Zu erwarten, im Urlaub ließen sich alle Probleme des Arbeitsjahres "heilen", könne nicht funktionieren.

Weit häufiger als gestresste Gesunde finden sich unter den "Urlaubskranken" Kugler zufolge Menschen, die bereits zuhause Probleme mit der Gesundheit hatten. "Dass Asthmakranke an die Nordsee fahren sollen und Alpenluft Herz-Kreislauf-Erkrankungen lindert, ist grundsätzlich richtig. Aber wenn ein Hamburger in die Berge fährt oder jemand aus Süddeutschland an die Nordsee, dann ist die Reise oft eine sehr große Belastung."

Schützen könne man sich vor einer plötzlichen Erkrankung nur durch eine radikale Änderung der persönlichen Einstellung, betonte Kugler. "Die Anreise sollte bereits in den Urlaub integriert und dementsprechend gestaltet werden. Ausreichend lange Pausen oder sogar Übernachtungen müssen selbstverständlich sein. Möglichst schnell von A nach B zu kommen, setzt den Reisenden einer maximalen Stressbelastung aus." Der Körper selbst kann nicht auf die Anstrengungen vorbereitet werden.

Ein gesunder Mensch überstehe auch den Reisestress im Allgemeinen problemlos. Wer aber zuvor schon gesundheitlich angeschlagen ist, setzt seinen Urlaub beinahe fahrlässig aufs Spiel.

"Im Urlaub wollen viele Menschen endlich etwas Gutes für ihren Körper tun, doch das muss sorgfältig geplant werden", sagte Kugler. Im Grunde solle sich jeder selbst eine Art Kur verschreiben, bei der sich Aktivität und Entspannung abwechseln. Von übermäßiger Anstrengung rät er dringend ab.

Einige Urlauber finden sich sogar im Krankenhaus wieder. Meist werden sie mit Verdacht auf Herzinfarkt oder akuten Bronchitis-Anfällen eingeliefert. Auch Kreislaufprobleme bei Diabetikern kommen vermehrt vor. Daher rät Immunbiologe Uhlenbruck: "Lieber jeden Tag ein Stück Urlaub, als Urlaub an einem Stück." Dann werde der Urlaub nicht so überhöht und der Stress geht runter.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 11. August 2000]

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Financial Times Deutschland, 01.08.2000, Seite 31: Dietmar G. Luchmann zu "Harter Einsatz ist Ehrensache in jungen Firmen - und Burn-out dann die üble Konsequenz"

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