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Nervenzellen aus dem Knochenmark gewonnen - Hoffnung
für Gelähmte und bei neurodegenerativen Erkrankungen
New York (15.08.2000) -
Ein Experiment, bei dem US-Forscher Nervenzellen aus Knochenmark
gewonnen haben, könnte Querschnittsgelähmten sowie Alzheimer- und
Parkinson-Kranken Hoffnung verheißen. Den Ergebnissen zufolge brauchen
Mediziner nicht viel mehr als das reichlich vorhandene Knochenmark, um
jene Zellen zu gewinnen, die die getrennte Nervenbahn in der Wirbelsäule
eines Gelähmten neu verbinden könnten.
Die gleichen Nervenzellen wollen Forscher als "Ersatzgewebe"
nutzen, um Schäden im Gehirn von Patienten mit der Alzheimer- und der
Parkinsonschen Krankheit oder einem anderen neurodegenerativen Leiden zu
reparieren. Die "New York Times" warnte in einem Kommentar
jedoch vor übereilten Erwartungen. Es dürften noch viele Jahre
vergehen, bis das Verfahren so weit ausgereift sei, dass es Patienten
helfen könne.
Bisher ist das Zentralnervensystem nicht in der Lage, die bei einem
Unfall durchtrennten Fasern wieder zu regenerieren. Das Geschehen im
zentralen Nervensystem und Rückenmark ist zu kompliziert, um die
funktionelle Verbindung der Zellen einfach wieder herzustellen. In
solchen Fällen gilt es zunächst zu verhindern, dass Nervenzellen nach
einer Verletzung absterben. Nur wenn die Nervenzellen ihre Fortsätze über
sich bildende Narben des Wundbereichs hinauswachen wachsen lassen, kann
die Wiederherstellung gelingen.
Die Umwandlung von Knochenmark zu Nervenzellen gelang den Forschern im
Labor bereits mit menschlichem Gewebe. Im Tierversuch gingen die
Forscher noch einen Schritt weiter. Sie verpflanzten die nach dem neuen
Verfahren gewonnenen Nervenzellen in das Hirn von Ratten und
beobachteten, wie es die Funktion von zuvor zerstörtem Nervengewebe übernahm.
Als Ausgangsmaterial nahmen die US-Wissenschaftler Zellen aus dem
Knochenmark von Ratten und Menschen. Ihnen fügten sie eine
oxidationshemmende Chemikalie bei, Beta-Mercaptoethanol. Von diesem
Stoff war dem Team bekannt, dass es Substanzen in der Zelle blockiert,
die die Umwandlung in eine Nervenzelle verhindern. Wie erhofft förderte
das Team mit diesem doppelten Negativeffekt die Entwicklung zu
Nervenzellen.
Der Versucht gelang in der Abteilung für Nervenwissenschaften und
Zellbiologie an der Robert Wood Johnson Medical School (Rutgers
Universität) in Piscataway (New Jersey). Deren Leiter, Ira Black,
stellte die Arbeit im "Journal of Neuroscience Research" vom
15.08.2000 vor.
Zwar hatten in den vergangenen Monaten schon andere Forscher
Nervenzellen als "Ersatz" von zerstörtem Gewebe im Hirn und
der Wirbelsäule gewonnen. Ihr Vorgehen war jedoch ethisch umstritten
und ist in Deutschland wie auch anderen Ländern verboten, weil es das
bereits leicht differenzierte Gewebe von Embryos zur Herstellung neuer
Nervenzellen verwendet.
[Zitierweise
dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 15. August 2000]
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