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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Nervenzellen aus dem Knochenmark gewonnen - Hoffnung für Gelähmte und bei neurodegenerativen Erkrankungen

New York (15.08.2000) - Ein Experiment, bei dem US-Forscher Nervenzellen aus Knochenmark gewonnen haben, könnte Querschnittsgelähmten sowie Alzheimer- und Parkinson-Kranken Hoffnung verheißen. Den Ergebnissen zufolge brauchen Mediziner nicht viel mehr als das reichlich vorhandene Knochenmark, um jene Zellen zu gewinnen, die die getrennte Nervenbahn in der Wirbelsäule eines Gelähmten neu verbinden könnten.

Die gleichen Nervenzellen wollen Forscher als "Ersatzgewebe" nutzen, um Schäden im Gehirn von Patienten mit der Alzheimer- und der Parkinsonschen Krankheit oder einem anderen neurodegenerativen Leiden zu reparieren. Die "New York Times" warnte in einem Kommentar jedoch vor übereilten Erwartungen. Es dürften noch viele Jahre vergehen, bis das Verfahren so weit ausgereift sei, dass es Patienten helfen könne.

Bisher ist das Zentralnervensystem nicht in der Lage, die bei einem Unfall durchtrennten Fasern wieder zu regenerieren. Das Geschehen im zentralen Nervensystem und Rückenmark ist zu kompliziert, um die funktionelle Verbindung der Zellen einfach wieder herzustellen. In solchen Fällen gilt es zunächst zu verhindern, dass Nervenzellen nach einer Verletzung absterben. Nur wenn die Nervenzellen ihre Fortsätze über sich bildende Narben des Wundbereichs hinauswachen wachsen lassen, kann die Wiederherstellung gelingen.

Die Umwandlung von Knochenmark zu Nervenzellen gelang den Forschern im Labor bereits mit menschlichem Gewebe. Im Tierversuch gingen die Forscher noch einen Schritt weiter. Sie verpflanzten die nach dem neuen Verfahren gewonnenen Nervenzellen in das Hirn von Ratten und beobachteten, wie es die Funktion von zuvor zerstörtem Nervengewebe übernahm.

Als Ausgangsmaterial nahmen die US-Wissenschaftler Zellen aus dem Knochenmark von Ratten und Menschen. Ihnen fügten sie eine oxidationshemmende Chemikalie bei, Beta-Mercaptoethanol. Von diesem Stoff war dem Team bekannt, dass es Substanzen in der Zelle blockiert, die die Umwandlung in eine Nervenzelle verhindern. Wie erhofft förderte das Team mit diesem doppelten Negativeffekt die Entwicklung zu Nervenzellen.

Der Versucht gelang in der Abteilung für Nervenwissenschaften und Zellbiologie an der Robert Wood Johnson Medical School (Rutgers Universität) in Piscataway (New Jersey). Deren Leiter, Ira Black, stellte die Arbeit im "Journal of Neuroscience Research" vom 15.08.2000 vor.

Zwar hatten in den vergangenen Monaten schon andere Forscher Nervenzellen als "Ersatz" von zerstörtem Gewebe im Hirn und der Wirbelsäule gewonnen. Ihr Vorgehen war jedoch ethisch umstritten und ist in Deutschland wie auch anderen Ländern verboten, weil es das bereits leicht differenzierte Gewebe von Embryos zur Herstellung neuer Nervenzellen verwendet.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 15. August 2000]

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