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Mystik oder Wissenschaft? Parapsychologen auf der Suche nach Erklärungen für das UnerklärbarePrag/Freiburg (16.08.2000) - Auf geradezu kafkaeske Weise hat der sowjetische Geheimdienst KGB Ende der 40-er Jahre versucht, Details zum Bau einer Atombombe zu erfahren. Der Prager Spiritist Bretislav Kafka sei 1948 von Moskauer Offizieren aufgefordert worden, die Gedanken von US-Wissenschaftlern zu lesen, sagte der tschechische Forscher Zdenek Rejdak der Tageszeitung "Lidove noviny" (Ausgabe vom 21.06.2000).Kafka sollte auf diese Weise herausfinden, welche Teile zum Bau eines nuklearen Sprengsatzes nötig seien, sagte Rejdak. Der angeblich mit telepathischen Fähigkeiten ausgestattete Prager habe dies jedoch abgelehnt. Mit der Bitte um "übernatürliche Bruderhilfe" habe sich der KGB regelmäßig an Parapsychologen und Wünschelrutengänger in der CSSR gewandt, sagte Rejdak der Zeitung. Von einem durchschlagenden Erfolg für die Rote Armee habe er aber keine Kenntnis. Trotz großer Skepsis der Wissenschaft gegenüber parapsychologischen Fähigkeiten blüht der Glaube an das Übernatürliche munter weiter. Bislang unerklärbare Phänomene aus dem Bereich der Parapsychologie und deren Untersuchungsmethoden stehen im Mittelpunkt der 43. internationalen Tagung der Parapsychologischen Vereinigung (PA) in Freiburg. Von Mittwoch bis Sonntag werden sich rund 160 Wissenschaftler unter anderem mit der Telepathie beschäftigen. Darunter verstehen die Forscher das Senden und Empfangen von Informationen zwischen zwei Menschen, die auf herkömmliche Weise nicht miteinander in Verbindung stehen. Die PA-Präsidentin Marilyn Schlitz, Anthropologin aus Kalifornien, berichtete, dass diese Phänomene ohne räumliche Begrenzung stattfinden können. Die Überwindung von riesigen Distanzen, zum Beispiel über Kontinente hinweg, sei dokumentiert. Um die Telepathie fassen zu können, wurden in den letzten Jahren rund 2.000 Experimente durchgeführt. Dazu werden zwei Menschen vollständig voneinander isoliert. Der eine Proband bekommt über mehrere Minuten ein Bild zu sehen, mit der Aufgabe, sich sowohl auf das Bild als auf den Partner zu konzentrieren. Dieser bekommt später vier Bilder zu sehen, mit der Aufgabe, das des Partners zu identifizieren. Beträgt rein rechnerisch die Wahrscheinlichkeit 25 Prozent, registrierten die Forscher bei ihren Experimenten 33 Prozent richtige Lösungen. Das Problem, in dem sich die Parapsychologen allerdings befinden, ist die Untersuchungsanordnung und deren Genauigkeit. So geht die eine Fraktion bei der 33-prozentigen Erfolgsquote von einem noch nicht erkannten Fehler im Experiment aus, während die andere die achtprozentige Abweichung als Beweis für die Existenz der Telepathie ansieht. Mit einem ähnlichen Problem müssen sich die Wissenschaftler bei der Untersuchung von "direkten geistigen Beziehungen zwischen lebenden Systemen" (DMILS) auseinander setzen, die ebenfalls bei zwei von einander isolierten Personen durchgeführt werden. Dazu bekommt die erste Person die Anweisung, in wechselnder Reihenfolge an schöne und an negative Ereignisse zu denken. Der Effekt, dass sich dabei abhängig von der emotionalen Situation der elektrische Hautwiderstand ändert, ist ein der Medizin und Biologie bekanntes Phänomen. Vor einem Rätsel steht allerdings die etablierte Wissenschaft angesichts der Tatsache, dass sich bei einigen Versuchen auch bei der isolierten Person der Hautwiderstand änderte. Diese Korrelation ließ sich auch beim Herz- und Atemrhythmus sowie bei der Ableitung der Hirnströme (EEG) aufzeichnen. Für Marilyn Schlitz hat dieses Phänomen Auswirkungen auch auf die etablierte Medizin. Bei großen Untersuchungen in den USA beispielsweise bei Herzinfarkt-Patienten zeigten sich Unterschiede bei der Heilungsdauer, wenn sie neben der Standardtherapie auch ohne ihr Wissen von so genannten Geistheilern therapiert wurden. Die Parapsychologen räumten allerdings ein, dass dieses wie auch die meisten anderen Effekte ihre Wissenschaft mit standardisierten naturwissenschaftlichen Methoden zur Zeit nicht fassbar seien. Die Parapsychologische Vereinigung versteht sich internationale und interdisziplinäre Vereinigung von rund 250 Wissenschaftler. Sie kommen unter anderem aus den Bereichen Psychologie, Philosophie, Medizin oder Physik. Im Mittelpunkt ihres wissenschaftlichen Interesses steht die Beschreibung, Dokumentation und Erklärung ungewöhnlichen menschlichen Erfahrungen. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 16. August 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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