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Königliches Unglücklichsein als Genuss - Prinzessin Margaret wird 70London (21.08.2000) - Von Dieter Ebeling. Sie war die erste im britischen Königshaus, die sich scheiden ließ. Sie nahm sich die Männer, die sie haben wollte - und sie wollte viele. Sie zelebrierte sich zeitlebens als Unglückliche, weil sie die große Liebe ihres Lebens nicht bekam. Sie raucht viel, trinkt viel Whisky, erwartet totale Unterwürfigkeit und ist so egozentrisch, dass Freunde, bei denen sie einmal weilte, sie gerne als "Hausgast aus der Hölle" beschreiben. Prinzessin Margaret, Schwester der britischen Königin Elizabeth II., wird an diesem Montag (21. August) 70 Jahre alt.Als sie auf die Welt kam, musste ihre Mutter ("Queen Mum") erst mal länger über einen Namen nachdenken: Man war ganz sicher gewesen, dass nach der kleinen Elizabeth nun ein Sohn kommen würde. Das Gefühl, schon bei der Geburt eine Enttäuschung gewesen zu sein, und die spätere Erfahrung, dass die ältere Schwester immer die Nummer Eins und sie selbst bestenfalls Nummer Zwei war, hilft nach Ansicht des Psychiaters Dennis Friedman bei der Erklärung des Lebens von Margaret Rose Bowes Lyon, der späteren Prinzessin Margaret: "Ihr Leben beruht darauf, dass sie sich selbst etwas Gutes tut. Und sie braucht Leute, die ihr die Liebe geben, die ihr als Kind fehlte." Vor allem belohnt sie sich, seit sie auf die große Liebe ihres Lebens verzichtete. Im Juni 1953 wurde bekannt, dass die damals 22-jährige eine Beziehung mit Hauptmann Peter Townsend hatte, einem Ex- Kriegshelden und Adjutanten ihres Vaters. Der war 38, verheiratet und Vater zweier Kinder. Der Skandal hätte nicht größer sein können. Im Oktober 1955 teilte sie mit, sie habe "eingedenk der Lehren der Kirche" die Beziehung zu Townsend beendet. Zuvor hatte die ältere Schwester massiv gedroht: "Margaret wusste, dass sie alle königlichen Privilegien verlieren würde und möglicherweise im Ausland leben müsste - das wollte sie nicht aufgeben", sagt Giles Townsend, Sohn des einstigen Geliebten. Margaret stürzte sich in ein Leben voller Parties, hatte sie doch aus eigener Sicht gerade das Glück ihres Lebens dem Ansehen der Krone geopfert. Im Mai 1960 heiratete sie den Prominenten-Fotograf Anthony Armstrong-Jones (später Lord Snowdon). Schon damals gab es manche, die darin lediglich eine launische Trotzreaktion auf die Heirat Townsends mit einer belgischen Zigarettenerbin vom Dezember 1959 sahen und der Beziehung des ungleichen Paares wenig Chancen gaben. Die beiden bekamen zwei Kinder, David und Sarah. Margaret und Lord Snowdon wurden 1978 offiziell geschieden, etwa zehn Jahre nach dem tatsächlichen Auseinanderbrechen der Ehe. In dieser Zeit hatte Margaret sich einiges gegönnt. Parties natürlich, bei denen kein Gast vor ihr gehen durfte und bei denen sie es genoss, nächtens vor todmüden Menschen auf dem Piano zu klimpern. Aber auch Männer. Robin Douglas-Home gehörte zu zahlreichen Männern, zu denen Margaret ihre Freundschaft auf dem Sofa ihres Salons im Kensington Palast zu vollziehen pflegte. Als er 1968 einsah, dass als neuer Mann auf dem Sofa der Schauspieler Peter Sellers eine Art Hausrecht genoss, setzte er seinem Leben ein Ende. Sellers ("Für das, was ich getan habe, könnte ich im Tower landen") sah sich ohne jede Eifersucht als Seelenverwandter der Prinzessin und machte diese gerne auch mit anderen Branchenkollegen bekannt, die sich nach Zuwendung sehnten. 1973 lernte Margaret, nun 43, den 25 Jahre alten Wappenkundler Roddy Llewellyn kennen, dem sie bei der ersten Begegnung eine knappe Badehose im Design der Nationalfarben Union Jack anpasste und mit dem sie anschließend bis 1980 eine überhaupt nicht diskrete Affäre hatte. Ort dieses Geschehens war Margarets Traumvilla auf der Karibikinsel Mustique, die ihr Sohn vor einigen Monaten verkaufte. Die Ära Llewellyn endete mit einer Hand voll Schlaftabletten bei ihr und einer Überdosis Valium bei ihm - weniger ernsthafte Selbstmordversuche als vielmehr Hilferufe. Ihrer Gesundheit haben Alkohol und Zigaretten stärker geschadet. Ein Teil der Lunge wurde ihr entfernt, einen Schlaganfall hat sie erlitten und im vergangenen Jahr verbrühte sie sich unter nicht näher geklärten Umständen schwer. Danach wollte sie monatelang nicht mehr aufstehen und ließ sich bedauern. Bis die große Schwester kam und ihr befahl, endlich mit dem Jammern aufzuhören. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 21. August 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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