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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Acht junge Tote bei Busunglück - Psychologische Hilfe für Angehörige der Opfer muss sofort starten

Wien/Stuttgart/Ludwigshafen (22.08.2000) - Eine Busfahrt in die Ferienwochen hat am Montag für zahlreiche Jungen und Mädchen aus Süddeutschland ein jähes und tödliches Ende genommen. Acht Jugendliche, vier von ihnen aus Baden-Württemberg, kamen ums Leben, als ein Lastwagen in den frühen Morgenstunden in einer Autobahnbaustelle in Österreich einen Reisebus aufschlitzte. Den Bergungsmannschaften und Ärzten bot sich ein Bild des Grauens. Einige der Toten seien "schwerst verstümmelt" gewesen, sagte der Einsatzleiter. Manche seien von dem Lastwagen regelrecht geköpft worden. In dem Bus saßen 60 junge Leute - gegen 03.20 Uhr wurden sie von dem Unglück aus dem Schlaf gerissen.

"Es schaut aus wie auf einem Schlachtfeld", berichtete ein Hubschrauberpilot aus der Luft. Sechs Menschen wurden schwer und 15 leicht verletzt. Ein Mädchen schwebte am Nachmittag immer noch in Lebensgefahr. Die jungen Leute waren in Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und München eingestiegen - das Ziel der Urlaubsreise sollte ein Ferienort am Plattensee in Ungarn sein. Die getöteten vier Jungen und vier Mädchen sowie die Verletzten sind zwischen 14 und 17 Jahre alt.

Die Leicht- und Unverletzten standen unter schwerem Schock und wurden von Psychologen des Roten Kreuzes betreut. 43 Kinder und Jugendliche sollten noch am Montagnachmittag mit einem Sonderzug in ihre Heimatorte in Deutschland zurückreisen. "Neun Teilnehmer der Reisegruppe müssen zunächst in österreichischen Krankenhäusern verbleiben, eine Person schwebt weiterhin in Lebensgefahr", teilte der Geschäftsführer des Bielefelder Reiseveranstalters RUF Jugendreisen Trend Touristik GmbH, Thomas Gehlen, am Nachmittag mit. Für die Angehörigen der Opfer bot das Unternehmen einen kostenlosen Transfer an den Unglücksort an.

Die Autobahn sehe aus "wie nach einem Flugzeugabsturz", sagte ein Helfer. Der mit 60 Jugendlichen, zwei Fahrern und der Reiseleiterin besetzte Bus aus Gütersloh war in dem Baustellenbereich bei der Stadt Melk (100 Kilometer westlich von Wien) gegen einen entgegenkommenden Lastwagen geprallt. Offenbar wegen überhöhter Geschwindigkeit bei der Einfahrt in die Baustelle war der Anhänger des Lastwagens umgekippt.

"Der Bus hatte keine Chance zum Ausweichen", berichtete die Polizei. Der 27 Jahre alte Fahrer des aus Salzburg stammenden Lastwagens blieb unverletzt. Er wurde angezeigt, blieb jedoch auf freiem Fuß. Nach unbestätigten Berichten soll er mit 80 Stundenkilometern in die Baustelle gefahren sein - erlaubt waren 60. "Auf alle Fälle war er zu schnell unterwegs", sagte Oberleutnant Christian Ebner von der Einsatzleitung. Untersucht werde, ob wegen der überhöhten Geschwindigkeit die in dem Anhänger transportierten Textilien ins Schwingen gerieten und den Anhänger zum Umkippen brachten. Ein zweiter, mit Pflastersteinen beladener Lastwagen, geriet an der Unfallstelle ins Schleudern, so dass sein Anhänger ebenfalls umkippte. Der Anhänger zerbrach vollständig, die Steine wurden über hundert Meter weit über die Fahrbahn geschleudert.

Erst vor einem Monat waren in Österreich an der selben Stelle zwei Menschen ums Leben gekommen, nachdem ein ungarischer Tanklaster auf die Gegenfahrbahn geraten war. Es handelt sich nur um eine der zahlreichen Baustellen zur Generalsanierung der Westautobahn. Vor diesen Baustellen werden die Autofahrer vor Lastwagen-Anhängern gewarnt, die beim Überholen ausbrechen können. Nach dem grauenvollen nächtlichen Unfall war die Westautobahn, eine der wichtigsten Transitrouten des Landes, am Montag stundenlang gesperrt.

Die Hilfe für Angehörige von Katastrophenopfern muss nach Ansicht des Psychologen Gerhard Wind unmittelbar nach dem schrecklichen Ereignis beginnen. Deshalb müsse der Wunsch der Familie, sofort zum Unfallort zu eilen, auch unterstützt werden, sagte der Psychologe der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Ludwigshafen in einem dpa- Gespräch.

"Zunächst wird die tragische Botschaft gar nicht realisiert und dann abgewehrt", schilderte Wind die typische Reaktion auf eine schlimme Nachricht. Danach fühlen sich die Angehörigen meistens alleine gelassen. In diesen Momenten müsse sich entweder der Familienverband selbst Halt geben oder aber die Unterstützung von professionellen Helfern wie Psychologen oder Seelsorgern zulassen. Sie können in dieser Zeit der Krise eine wichtige Beziehung zur Außenwelt darstellen. Ihre Aufgabe sei in erster Linie, die Angehörigen mit den schlimmen Tatsachen zu konfrontieren.

Ein wichtiger Baustein in der Krisenintervention ist nach Ansicht Winds der Einbau eines "Puffers" zwischen den Angehörigen und der Außenwelt. Viele Freunde und Verwandte suchen die Information und wollen Unterstützung geben. Diese überfordere die betroffenen Familienmitglieder jedoch. Auch das Mitleid sei oft schnell aufgebraucht. "Dann sind die überforderten Menschen der Umwelt schutzlos ausgeliefert."

Je schneller und intensiver die Hilfe einsetze, desto eher werde eine lange Krise verhindert, sagte Wind. Eine solche Krise zeige sich beispielsweise durch ständiges Wiederholen des erlebten Albtraums, durch sozialen Rückzug und durch schwere Persönlichkeitsstörungen. "Unbehandelt verlängert sich die akute Krise zur chronischen Belastung", warnte Wind.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 22. August 2000]

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