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Psychotherapie
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Ohne Auto "nackt" und mit Auto aggressiv - Autofahrer missbrauchen Straßenverkehr als "Psychotherapie-Ersatz"Berlin/Bonn/Braunschweig (22.08.2000) - Ein Auto ist nicht nur ein Prestigeobjekt, ohne fahrbaren Untersatz fühlen sich Männer sogar richtig "nackt". Das ergab eine Studie des Diplom-Psychologen Professor Gerhard Stöcker in Würzburg über "Aggression im Straßenverkehr". "Das Auto ist für Männer eine Kraftmaschine, mit der sie um die Gunst der Weibchen buhlen", zitiert die in Berlin erscheinende Zeitschrift "AUTO/Straßenverkehr" (Ausgabe 16/2000) den Psychologen.Frauen ließen sich auch durchaus umwerben und "mögen große, schicke Autos", so der Psychologe weiter. Ihrerseits benutzten sie das Auto jedoch nicht, um das andere Geschlecht zu beeindrucken. Männer sind bei der Wahl des Autos zugleich sehr statusbewusst: So würde ein Konzernchef nie einen Mittelklassewagen oder einen Kleinwagen fahren, sagt Stöcker. Bei dieser Verlagerung des modernen Paarungskampfes in den Straßenverkehr gilt sogar: Schlechte Autofahrer sind auch schlechte Liebhaber. Das berichtet die in Berlin erscheinende Zeitschrift "AUTO/Straßenverkehr" (Ausgabe 14/2000) unter Berufung auf eine Studie an der Universität Exeter in Großbritannien. Auch die Verkehrspsychologin Gisela Thiedemann aus Berlin bestätigte der Zeitschrift: "Rüpel am Steuer sind auch ruppig im Bett." So gelten Raser als extrem eitle und selbstsüchtige Menschen. Drängler und Spurwechsler neigen aus Sicht der Psychologen auch zu häufigem Partnerwechsel: Sie seien nie mit einer Frau zufrieden. Und wer es beim Schalten, Kuppeln und Gas geben an Gefühl mangeln lasse, dem sei auch in der Partnerschaft wenig Harmonie und Zärtlichkeit zuzutrauen, so die Zeitschrift. Ganz folgerichtig leben auch Motorradfahrer ihre Psyche - und ihre psychischen Probleme - auf dem "Feuerstuhl" aus. Fahrer mit schwachem Selbstbewusstsein neigen nach einer psychologischen Untersuchung eher zu einem riskanten Fahrstil. Sie zeigten wenig Bereitschaft, sich selbst und andere durch sicheres Fahrverhalten im Verkehr zu schützen und hätten auch häufiger Unfälle und Stürze. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Bielefelder Psychologieprofessors Ulrich Schulz, der sich auf eine Befragung von rund 180 Motorradfahrern stützte. Experten plädieren daher dafür, psychologische Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Selbstbewusstsein und Fahrverhalten zu einem Thema des Fahrunterrichts zu machen. Motorrad fahren habe sich inzwischen zu einer eher riskanten und teuren Freizeitbeschäftigung meist von Männern jüngeren bis mittleren Alters entwickelt, berichtete Schulz. Der Anteil der Frauen steige nur langsam und liege bei etwa 17 Prozent. Männern wie Frauen mit schlechtem Selbstwertgefühl neigten zu sportlichem und riskantem Fahren, und es sei zu vermuten, dass sie damit ihre Defizite kompensieren wollten. So unterschätzen Autofahrer nach Experten-Ansicht die Gefahren des Straßenverkehrs nicht nur an Baustellen. "Und sich selbst überschätzen sie maßlos", sagte der Braunschweiger Verkehrspsychologe Heiner Erke am heutigen Dienstag in einem dpa-Gespräch. "Viele Autofahrer haben keinen Blick für die Gefährdungsbedingungen", sagte Erke. Angst oder Furcht vor der erhöhten Unfallgefahr in Baustellenbereichen hat der Professor der Technischen Universität nicht festgestellt. Insbesondere eine überhöhte Geschwindigkeit - die möglicherweise auch bei dem Busunglück mit den acht getöteten deutschen Jugendlichen in Österreich die Unglücksursache war (siehe PSYCHOTHERAPIE 22.08.2000) - führe trotz Absicherungen und Warnschildern immer wieder zu Unfällen. "Viele Autofahrer glauben nicht, dass die vorgeschriebene Geschwindigkeit berechtigt ist", sagte Erke. Sie sei jedoch jedoch schon deshalb sinnvoll, weil eine möglichst homogene Geschwindigkeit aller Fahrzeuge einen Verkehrsfluss ohne viel Überholvorgänge ermögliche. "Viele fahren jedoch zu schnell und zudem strategisch falsch", stellte Erke fest. Nur eine erhöhte Aufmerksamkeit auf alle anderen Verkehrsteilnehmer ermögliche es zum Beispiel, Lücken zu erkennen und richtig einzuschätzen. Insbesondere an den Verschwenkungspunkten zu Beginn und am Ende einer Baustelle sollte auf ein Überholen verzichtet werden. Lastwagen, aber auch Pkw würden durch den Schwenker nun mal nicht immer ihre Spur halten können. Die Raser seien sicher die größte Unfallgefahr. Aber auch die "Verkehrs-Pädagogen", die andere Fahrer zur Einhaltung einer geringeren Geschwindigkeit zwingen wollen, werden von dem Psychologen als Unfallverursacher kritisiert. Wer die Gefahren kennt und Warnschilder sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen ernst nimmt, bräuchte jedoch keine Angst beim Durchfahren von Baustellen zu entwickeln. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 22. August 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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