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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Jeder fünfte Jugendliche leidet unter chronischen Kopfschmerzen - Ohne Behandlung drohen "lebenslange Patientenkarrieren"

Hamburg/Düsseldorf (01.09.2000)) - Nach Auskunft der Techniker Krankenkasse (TK) Nordrhein-Westfalen leidet rund jeder fünfte Schüler in Deutschland unter Migräne oder chronischen Kopfschmerzen. Unabhängig hiervon berichtete in ihrer September-Ausgabe auch die Zeitschrift "VITAL", dass drei Viertel der unter 14-jährigen Kinder bereits Erfahrung mit Kopfschmerzen haben und 12 Prozent regelmäßig an der Krankheit leiden. Bei jedem fünften dieser Kinder werde eine Migräne diagnostiziert.

Die kindliche Migräne werde oft nicht erkannt. Experten gingen deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Kinder könnten ihre Beschwerden nicht eindeutig benennen, erst ihre Reizbarkeit und Lustlosigkeit mache Eltern aufmerksam. Denn Migräne äußere sich bei Kindern oft anders als bei Erwachsenen. Die Kopfschmerzen seien kürzer und beträfen den ganzen Schädel. Häufig ständen Übelkeit, Erbrechen und Bauchweh im Vordergrund.

Ursache für die steigende Zahl kopfschmerzgeplagter Kinder ist nach Angaben von VITAL vor allem Stress. "Schulischer Leistungsdruck und Freizeitstress spielen vor allem bei der Zunahme von Spannungskopfschmerz eine Rolle" sagt Peter Borusika von der Neuropädiatrischen Abteilung und Schmerzambulanz der Kinderklinik Wuppertal. Nach Expertenaussage liege die Ursache für Migräne indes in einer angeborenen Reizverarbeitungsstörung. Die Antennen der Betroffenen ständen immer unter Strom. Die Gehirngefäße verengten sich schneller, wenn Reize auf die Betroffenen einwirkten und brauchten dann aber auch länger, um sich wieder zu dehnen. Die Schmerzen träten also erst nach dem Stress auf.

Vor allem mit Entspannung ließen sich Schwere und Häufigkeit der Anfälle verringern. Und ein Migräne-Tagebuch könne Zusammenhänge mit bestimmten Lebensmitteln, dem Wetter, zu wenig Bewegung oder Stress sichtbar machen.

Ohne eine qualifizierte Behandlung sei bei 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine "lebenslange Patientenkarriere" absehbar, erklärte die Techniker-Krankenkasse 31.08.2000 in Düsseldorf. Da die Einnahme von Schmerzmitteln nur die Symptome bekämpfe und mit schädlichen Nebenwirkungen verbunden sei, biete die Techniker-Krankenkasse mittlerweile in vielen Bundesländern das Kursprogramm "Stopp den Kopfschmerz - ein Training für Kinder und Jugendliche" an.

Der Erfolg des Programms ist nach Mitteilung der Kasse nachgewiesen: Bei rund 60 Prozent der acht- bis 14-jährigen Kursteilnehmer traten nach der wissenschaftlich überprüften Pilotphase Kopfschmerzen seltener oder überhaupt nicht mehr auf. "Der Medikamentenverbrauch ging gleichzeitig um etwa 40 Prozent zurück", unterstrich Günter van Aalst von der TK-Landesvertretung NRW im Vorfeld des ersten Deutschen Kopfschmerztages am 5. September.

Ziel des achtwöchigen Trainings sei es, die Schüler zu "Kopfschmerzexperten" auszubilden: "Gefördert wird die Kompetenz zur Selbsthilfe". Die Schüler lernen beispielsweise, wie Kopfschmerz entsteht, was bei einer akuten Attacke zu tun ist und wie man vorbeugen kann. Als hilfreich habe sich der Einsatz von Entspannungstechniken wie dem autogenen Training erwiesen. Kooperationspartner der TK sind meist niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten mit besonderen Zusatzqualifikationen. Aber auch mit Schmerzambulanzen an Krankenhäusern und Kinderkliniken wurden Verträge geschlossen.

Für den Umgang mit Stress ist es für Kinder hilfreich, eine optimistische Lebenseinstellung zu lernen. Allerdings muss ihnen Optimismus von den Eltern vorgelebt werden, denn in die Wiege gelegt wird positives Denken niemanden. Optimisten sind zufriedener und glücklicher als pessimistische Menschen. Sie werden besser mit Problemen und Krisen fertig und bleiben so gesünder. Außerdem sind sie kreativer und erfolgreicher in Schule und Beruf wie eine Studie des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung ergeben hat.

Zur Vermittlung einer positiven Lebenseinstellung gehört es, Fehlschläge der Kinder nicht überzubewerten. Fehler zu machen ist schließlich ein normaler Bestandteil der kindlichen Entwicklung. Je mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung den Kindern geschenkt werde, desto sicherer fühlen sie sich und desto selbstbewusster und optimistischer können sie mit schulischem Leistungsdruck und Freizeitstress umgehen.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 01. September 2000]

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