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Psychotherapie
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Essstörungen müssen psychotherapeutisch behandelt werden - Jedes vierte Mädchen bis 12 Jahre hat Diät-ErfahrungenFrankfurt/Main/Köln/London/Stuttgart (06.09.2000) - Gegen Ess-Störungen ist eine reine Ernährungsberatung machtlos, Ess-Störungen müssen vielmehr psychotherapeutisch behandelt werden. Eine Ernährungsberatung ist keinesfalls ausreichend, da die Probleme der Betroffenen nicht in erster Linie in mangelndem Wissen über richtige Ernährung begründet sind, sondern in ihrer Einstellung zum eigenen Körpergewicht. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Frankfurt mit. Das Ziel der Therapie müsse sein, ein normales, flexibles Essverhalten zu lernen und ein normales Körpergewicht zu stabilisieren.Untergewicht werde fälschlicherweise oft nicht als Problem gesehen - im Gegenteil auf Grund des herrschenden Schönheitsideals würden die Dünnen eher beneidet. Ess-Störungen seien häufig die Kehrseite des Schlankheitswahns. Solche psychischen Störungen - Magersucht, Ess-Brech-Sucht und Ess-Sucht - treten der DGE zufolge besonders bei Mädchen und jungen Frauen auf, immer öfter aber auch bei Männern. Jedes vierte Mädchen im Alter von 12 Jahren hat nach einer Studie der Universität Bielefeld bereits mindestens eine Schlankheitskur hinter sich. "Die Mädchen orientieren sich an dem herrschenden Schönheitsideal und machen häufig gemeinsam mit ihren Müttern die gängigen Diäten", berichtete die Psychologin Petra Kolip am Rande einer Fachkonferenz in Köln. Mädchen definierten ihr Selbstbewusstsein zunehmend über ihren Körper, meinte Kolip. Die Folge: "Während das Selbstbewusstsein der Jungen in der Pubertät meist steigt, geht es bei den Mädchen rapide in den Keller." In vielen Fällen würden durch die frühen Erfahrungen chronische Diät-Karrieren und Essstörungen bis hin zur Magersucht vorgezeichnet. "Die Zahl der Mädchen mit Essstörungen wird zunehmen", warnt die Psychologin. Als Gegenmaßnahmen empfiehlt die Psychologin Genuss-Seminare und die Vermittlung einer anderen Körpererfahrung in den Schulen. "Die Mädchen müssen wieder lernen, was gut schmeckt und was ihnen gut tut." Bei Selbstverteidigungskursen und anderen Sportarten könnten Mädchen sich eine gesündere Weise kennen und lieben lernen. Nach der Magersucht bei Mädchen und zunehmend auch Jungen beginnt sich bei den Jungen eine weitere Störung zu entwickeln: Muskelsucht. Der Wunsch nach einem Muskel bepackten Körper könnte nach Befürchtungen britischer Mediziner bei Jungen ähnlich krankhafte Formen annehmen wie die Magersucht bei Mädchen. "Das ist ein solches Problem bei jungen Männern, dass wir es 'Bigger-Exie' nennen, weil es der Anorexie bei jungen Frauen gleicht", sagte der Experte Robert Dawson bei einem Sport- und Drogen-Symposium in London. Wie die "Daily Mail" am Mittwoch berichtete, kommen Anabolika zum Muskelaufbau auf der Liste illegaler Drogen schon an dritter Stelle. Nur Haschisch und Amphetamine seien noch gefragter. Dawson machte Lifestyle-Magazine für Männer und die Mode-Industrie für die Entwicklung verantwortlich. "In den Männermagazinen geht es ständig um Waschbrettbäuche", sagte Dawson. "Sogar der Brustumfang von Spielzeugfiguren für Jungen hat dramatisch zugenommen, so dass sie aussehen wie Arnold Schwarzenegger in seiner Glanzzeit. Das alles bewirkt eine Krise des Körperbildes junger Männer, die dann meinen, Anabolika seien der Weg zur Verwirklichung ihrer Träume." Diese Hoffnung sei jedoch trügerisch: Wer Anabolika über längere Zeit hinweg einnehme, riskiere Krebs, Impotenz, Herzkrankheiten und starke Stimmungsschwankungen. Ursache dieser Entwicklung sei eine zunehmende Sinnentleerung der Gesellschaft. Tiefgreifende soziale und technologische Umbrüche verschärften die Situation, in dem vertraute Werte und Lebensentwürfe verloren gingen. Wo dann selbst "die Politik ein System der organisierten Verantwortungslosigkeit vorlebt, leiden besonders junge Menschen unter dem Mangel an sinngebender Orientierung", stellt der Stuttgarter Psychotherapeut Dietmar G. Luchmann fest. Die vielfach vergebliche Sinnsuche junger Menschen ersetze deshalb den fehlenden Lebenssinn durch immer mehr Fassade. "Der wachsende Fetischismus der Äußerlichkeiten zeigt an, dass vielen Menschen eine tiefergehende Orientierung fehlt", meint Luchmann. "Bei ihrer Sinnsuche stranden deshalb viele bei selbsternannten Heilsbringern, Scharlatanen der Esoterikwelle und einem gesundheitsschädigenden Körper-Kult." [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 06. September 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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